Leon Sachs: Spurlos, Penguin Verlag, München, 384 Seiten, €16,00, 978-3-328-11154-2
„Robin nickte stumm und sah dabei auf die Uhr. Sie hatten noch knapp zwei Stunden Zeit, ehe die nächste Stufe ihres Plans zünden sollte. Das Journal. Es war der Schlüssel zu allem. Es war ihre Trumpfkarte. Nun mussten sie diese klug ausspielen.“
Wer kann es sich leisten, spurlos zu verschwinden und dann in anderen, hoffentlich sonnigen wie sicheren Gefilden ein neues Leben zu beginnen? Menschen mit Geld und einer wahrscheinlich kriminellen Vergangenheit. Auch wenn die Inhaberin der RG Agency, Robin Graf, einen moralischen Kompass hat und viel Geld mit dieser Businessidee verdient, verschwinden auch ab und zu Menschen, die den Luxus einer völlig neuen Existenz allein nicht finanzieren können. Mit ihrem kleinen Team, Naoko Schäfer und Stephan Jahnke sind zuständig für die rechtliche Absicherung, Hamid Erdem für den IT-Bereich, arbeitet Robin seit der Übernahme der Agentur vor zwölf Jahren erfolgreich. Doch dann geschehen unerklärliche Morde, die signalisieren, dass das Sicherheitssystem der Agentur geknackt wurde. In Schweden und in Südafrika werden zwei einstige, gut versteckte Kronzeugen, die im Prozess gegen den Betrüger Leonhard Urban ausgesagt hatten, regelrecht hingerichtet. Robin muss nun herausfinden, wo das Datenleck ist und vor allem, wie sehr sie ihren Mitarbeitern vertrauen kann. Die Sicherheitsfirma von Paul Engels wird sie überprüfen. Als dann Stephan Jahnke im Büro der Agentur, das akribisch durchsucht wurde, an einem Sonntag getötet wird, herrscht höchste Alarmstufe, denn auch der Besuch Robins in der JVA bei Urban, der für einen horrenden Online-Medikamentenschmuggel verantwortlich ist, bringt keine Fortschritte. Und dann wird auch noch Robins Ehemann Markus angeschossen, wobei ganz klar ist, dass das Ziel des Anschlags Robin war. Und auch Urban wird im Gefängnis ermordet. Die Kriminellen sind auf der Jagd nach den persönlichen Aufzeichnungen von Urban, genannt das Journal und sie stellen Robin ein Ultimatum. Klar ist, Robins gesamtes berufliches wie privates Umfeld ist in Lebensgefahr. Sie muss nun per vorgetäuschtem tödlichen Autounfall – wie ihre Klienten – unauffindbar verschwinden und mit neuer Identität die Suche nach dem Journal und dem Motiv hinter dieser grausigen Aktion auf sich nehmen.
Dieser Thriller hat es in sich und die dramaturgisch exzellent durchdachte Handlung, die von Deutschland über Italien und Frankreich wieder nach Deutschland führt, wird atemlos spannend erzählt.
Leon Sachs fiktive Figuren sind in sich stimmig und die unerwarteten Wendungen im Plot sind überzeugend und vor allem glaubwürdig.
Keine Frage, Leon Sachs ist eine Entdeckung!