Chris Pavone: 48 Stunden. Die Wahrheit kann tödlich sein, Aus dem Amerikanischen von Cathrin Claußen, Penguin Verlag, München 2025, 624 Seiten, €13,00, 978-3-328-11099-6
„Vor Kurzem kam sie jedoch zu einem anderen Schluss: Es gab, ganz vielleicht, doch einen Weg zu gewinnen. Indem sie ihr eigenes Spiel erfand, es selbst manipulierte und es jemandem dann unmöglich machte, sich zu weigern mitzuspielen.“
Die äußerst attraktive Ariel Pryce reist mit ihrem gerade erst angetrauten, zehn Jahre jüngeren Ehemann, John Wright, nach Lissabon. Er hat als Unternehmensberater einen geschäftlichen Termin mit einem Kunden und sie soll als Ehefrau auf seine Bitten hin bei einem Essen zum Kennenlernen dabei sein. Alles wunderbar. Doch dann verschwindet John plötzlich und Ariel muss in einem fremden Land, dessen Sprache sie nicht spricht, nach ihm suchen. Sie kontaktiert die amerikanische Botschaft und die örtliche Polizei. In Rückblenden erinnert sie sich an ihr eigenes Leben. Als Schauspielerin nicht sehr erfolgreich, hat sie allerdings wohlhabend geheiratet. Allerdings hat sie vor gut fünfzehn Jahren ihren ersten, impotenten Ehemann verlassen und mit neuem Namen und einem Baby ein völlig neues Leben begonnen. Fernab von New York auf dem Land kaufte sie einen Bauernhof und eröffnete als leidenschaftliche Krimileserin eine Buchhandlung. Ariel kann sich körperlich gut verteidigen, denn durch einige gewaltsame Erfahrungen mit der Männerwelt weiß sie, dass im Ernstfall weder ihre Eltern, noch ihr erster Ehemann, sozusagen niemand ihr Glauben schenkt. Aus der personalen Sicht erzählt erfahren die Lesenden nun, wie Ariel um ihren Mann kämpft. Per Motorradboten wurde ihr ein Handy zugespielt. Der Anrufer teilt ihr mit, dass sie innerhalb von 48 Stunden drei Millionen Euro besorgen muss, wenn ihr das Leben ihres Mannes etwas bedeutet. Zwar kennen die Botschaftsmitglieder jeden Schritt, den Ariel macht und auch die Polizei ermittelt, doch letztendlich muss Ariel alles allein bewerkstelligen. Und sie schafft es sogar, das Geld, allerdings nur zwei Millionen Euro, zu organisieren. Da ihr erster Mann ihr nicht helfen will oder kann, zapft sie eine zweite Quelle an, die jedoch für alle, auch die Botschaftsmitglieder geheim bleiben muss. Und ab hier sollte auch nichts mehr, über den spannenden Verlauf der Geschichte erzählt werden.
Sprachlich anspruchsvoll und feinsinnig trägt Chris Pavone alle möglichen Informationen über seine fiktiven Figuren zusammen und legt für die Lesenden mögliche Szenarien zurecht, was hinter dieser seltsamen Entführung eines Mannes, der nicht reich ist, stecken muss. Dass niemand in diesem Kriminalroman der ist, der er vorgibt zu sein, macht den wahren Reiz der Geschichte aus.