{"id":85,"date":"2019-06-22T11:26:17","date_gmt":"2019-06-22T09:26:17","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=85"},"modified":"2019-06-22T11:26:17","modified_gmt":"2019-06-22T09:26:17","slug":"sueden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/sueden\/","title":{"rendered":"S\u00fcden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Friedrich Ani: S\u00fcden, Droemer Verlag, M\u00fcnchen 2011, 364 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-426-19907-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Die meisten Menschen, mit denen er in seinem Beruf zu tun gehabt hatte, balancierten \u00fcber ein Seil, zu weit \u00fcber der ihnen angemessenen Erde.\u201c\\r\\n<\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 2005 quittierte Tabor S\u00fcden als Hauptkommissar im M\u00fcnchner Vermisstendezernat seinen Dienst und wechselte in den Kellnerberuf. Der Stoiker kehrt nun zur\u00fcck und widmet sich im neuen Roman gleich drei F\u00e4llen. Er sucht seinen Vater, der ihn aus heiterem Himmel, immerhin hatte er die Familie verlassen, da war Tabor 16 Jahre alt, anruft. Kurz ist das Telefonat und doch bewirkt es ein Umdenken bei S\u00fcden. Er heuert bei einer Privatdetektei an und hat auch schon seinen ersten offiziellen Fall. Ohne Handy, etwas seltsam in heutiger Zeit, begibt er sich auf die Spuren des seit zwei Jahren vermissten Gastwirts Raimund Zacherl.<\/p>\n<p>S\u00fcden schafft es, gelernt ist gelernt, Zacherls alles abblockende Ehefrau zum Reden zu bringen. Sie erz\u00e4hlt nur ihm, dass ihr Ehemann ihr lang vor seinem Verschwinden berichtet habe, dass er sie wegen einer anderen Frau verlassen will. Aber er ist nicht gegangen. Er hat sich zwei Jahre nach diesem Gest\u00e4ndnis auf einen Stuhl gehockt und geschwiegen. S\u00fcden versetzt sich nun in die Psyche des Vermissten, versucht so zu denken, wie die abgetauchte Person und st\u00f6\u00dft gerade bei Zacherl auf unergr\u00fcndliche Hindernisse.<\/p>\n<p>Bei der Suche nach dem Gastwirt ergibt sich f\u00fcr S\u00fcden per Zufall ein dritter Fall. Der 12-j\u00e4hrige Benedikt wurde von seiner Mutter tagelang allein gelassen. Bene ist es gewohnt einsam zu sein, auch wenn seine Mutter anwesend ist. Warum S\u00fcden, dem das Schicksal des Jungen \u00e4u\u00dferst nahe geht, darauf vertraut, dass die gefundene, labile Mutter, wirklich verstanden hat, was sie ihrem Sohn angetan hat, bleibt ein R\u00e4tsel. Unspektakul\u00e4r zieht S\u00fcden seine Kreise, ermittelt, tauscht sich mit seinem toten Freund Martin Heuer aus und arbeitet sich auf seine Weise Schritt f\u00fcr Schritt zum m\u00f6glichen Aufenthaltsort des Gastwirts vor.<\/p>\n<p>Wie Friedrich Ani es schafft, unterhaltsam \u00fcber die bedr\u00fcckenden Begegnungen mit gescheiterten, festgefahrenen, gedem\u00fctigten, trauernden und emotional ausgepowerten Menschen, deren Leben S\u00fcden nicht fremd ist, zu schreiben, ist lesenswert.\\r\\n\\r\\nDer M\u00fcnchner Autor Friedrich Ani zieht den Leser von der ersten Seite an in Tabor S\u00fcdens Arbeitswelt hinein, denn nichts scheint hier konstruiert. Die Handlung wirkt so lebensnah und glaubhaft, wie eine Geschichte, die das Leben in seiner Kompliziertheit und Unbegreiflichkeit selbst geschrieben hat. Keine Leichen s\u00e4umen den Weg des Ermittlers, sondern nur \u00fcberzeugende Schicksale von Menschen, die mal l\u00fcgen und dann wieder die Wahrheit sagen. Nur S\u00fcden kann da unterscheiden. &#8218;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Ani: S\u00fcden, Droemer Verlag, M\u00fcnchen 2011, 364 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-426-19907-7 \u201e Die meisten Menschen, mit denen er in seinem Beruf zu tun gehabt hatte, balancierten \u00fcber ein Seil, zu weit \u00fcber der ihnen angemessenen Erde.\u201c\\r\\n Im Jahr 2005 quittierte&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/sueden\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-85","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-krimi"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":160,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85\/revisions\/160"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}