{"id":839,"date":"2019-06-22T11:40:19","date_gmt":"2019-06-22T09:40:19","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=839"},"modified":"2019-06-22T11:40:19","modified_gmt":"2019-06-22T09:40:19","slug":"no-place-no-home","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/no-place-no-home\/","title":{"rendered":"No place, no home"},"content":{"rendered":"<p><strong>Morton Rhue: No place, no home, Aus dem amerikanischen Englisch von Katarina Ganslandt, Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 2013, 285 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-473-40100-0<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Ich hatte nicht eine Sekunde lang das Gef\u00fchl gehabt, dass das alles irgendeine Bedeutung f\u00fcr mein eigenes Leben hatte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Morton Rhue ist ein Pseudonym. Sein richtiger Name ist Todd Strasser, und er ver\u00f6ffentlicht auch unter beiden Namen. Morton Rhue steht f\u00fcr die realistischen, gesellschaftskritischen Jugendromane. Auch in seinem neuesten Roman widmet sich der amerikanische Autor einem Thema, das durch die Wirtschaftskrise nicht nur die USA betrifft.<\/p>\n<p>Der 17-j\u00e4hrige Daniel Halprin ist auf seiner Schule anerkannt, er liefert gute Leistungen, hat ein Stipendium f\u00fcr die Rice University und ist ein hervorragender Baseballspieler. Alles prima, w\u00e4ren da nicht die existentiellen Schwierigkeiten seiner Eltern. Daniels Mutter ist trotz guter Ausbildung seit langem arbeitslos und der Vater hangelt sich von einem Job zum n\u00e4chsten. Die Familie gelangt eines Tages an den Punkt, wo sie die Raten f\u00fcrs Haus nicht mehr zahlen kann. Deprimiert zieht die Familie in die Villa des Onkels Ron. Dan versucht nun im Hobbykeller, w\u00e4hrend seine kleinen Nichten und Neffen mit B\u00e4llen spielen, Hausaufgaben zu machen. Ron tyrannisiert die Familie mit seiner miesen Laune, auch ihn hat die Finanzkrise erwischt. Die Stimmung zwischen den Familien kocht hoch als Ron den Schwager als <em>\u201eBlindg\u00e4nger\u201c<\/em> bezeichnet. So lange Dan es vermag, verheimlicht er den sozialen Abstieg vor seinen Freunden und vor allem vor seiner Freundin Talia, die mit ihren Eltern immer noch herrliche Urlaube machen kann.<\/p>\n<p>Immer wieder drehen sich die Gespr\u00e4che der Leute in Average um das Obdachlosenlager Dignityville, das f\u00fcr Menschen in Not mitten in der Stadt in einer Parkanlage errichtet wurde. Die \u00f6ffentliche Ausstellung der Krise, in die viele Menschen geraten sind, passt jedoch bestimmten Leuten nicht. Sie haben in Immobilien investiert und bef\u00fcrchten nun deren Wertverlust.<\/p>\n<p>Dans Eltern beschlie\u00dfen, dass sie sich der verwandtschaftlichen Gnade nicht mehr l\u00e4nger aussetzen wollen. Sie ziehen nach Dignityville. Dan ist am Boden zerst\u00f6rt und in einem inneren Konflikt. Zum einen versteht er seinen Vater, der einfach keine Arbeit als Jugendtrainer mehr bekommt, zum anderen beginnt er ihn zu hassen. Die Dem\u00fctigung den Freunden sagen zu m\u00fcssen, wo er jetzt wohnt, ist zu heftig, zumal auch seine Freunde der Meinung sind, die Obdachlosen sind soziale Schmarotzer, die einfach Drogen nehmen, Alkoholiker sind oder einfach keine Lust zum Arbeiten haben. Die alte Leier, man muss nur Arbeit suchen, dann findet man sie auch, darf sich Dan sogar von seinem besten Freund Noah anh\u00f6ren.<br \/>\nDan erkennt jedoch schnell, dass viele Menschen in Dignityville von ihrer Arbeit nicht leben k\u00f6nnen. Der Lohn reicht nicht aus, um ein Haus und eine Familie zu ern\u00e4hren. Andere landen im Obdachlosenheim, weil sie durch Krankheit und hohe Kosten in die Armutsfalle gerutscht sind.<\/p>\n<p>Dan kann kaum noch an den Freizeitaktivit\u00e4ten seiner Freunde teilnehmen, die st\u00e4ndig mehr oder weniger geschickt versuchen ihm zu helfen. Aber Dan will die Almosen seiner Freundin nicht annehmen und gelangt mehr und mehr ins gesellschaftliche Aus. Auf der anderen Seite sp\u00fcrt Dan den Zusammenhalt und die Solidarit\u00e4t der Leute im Obdachlosencamp. Er will einfach nicht auf der Verliererseite stehen, auch wenn er die soziale Ungerechtigkeit wahrnimmt.<\/p>\n<p>Als einer der jungen Organisatoren im Camp, Aubrey Fine, dann aber von vier Jugendlichen zusammengeschlagen wird, beginnt die Stimmung innerhalb der kleinen Stadt zu eskalieren. Wer steckt hinter diesem feigen \u00dcberfall und was bezwecken die Hinterm\u00e4nner damit?<\/p>\n<p>Morton Rhue verpackt seine gesellschaftliche Anklage in einen spannenden Plot, in den letztendlich aus Scham und in der Hoffnung auf Ver\u00e4nderung Dans Vater verwickelt ist. Der amerikanische Autor r\u00e4umt mit g\u00e4ngigen Vorurteilen auf und belegt am Beispiel der Familie Halprin, nicht jeder ist seines eigenen Gl\u00fcckes Schmied. Die Gesellschaft ist in eine Schieflage geraten und zieht die einst gut situierte Mittelschicht mit in den Abgrund.<\/p>\n<p>Dan begibt sich auf einen schweren Erkenntnisweg und geht doch gest\u00e4rkt aus ihm hervor. Dass viele Menschen diese Erfahrungen nicht ertragen und in Alkohol oder Drogen fl\u00fcchten, bleibt kein Geheimnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morton Rhue: No place, no home, Aus dem amerikanischen Englisch von Katarina Ganslandt, Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 2013, 285 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-473-40100-0 \u201e Ich hatte nicht eine Sekunde lang das Gef\u00fchl gehabt, dass das alles irgendeine Bedeutung f\u00fcr mein eigenes Leben&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/no-place-no-home\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-839","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jugendbuch"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=839"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/839\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":874,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/839\/revisions\/874"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}