{"id":825,"date":"2019-06-22T11:43:52","date_gmt":"2019-06-22T09:43:52","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=825"},"modified":"2019-06-22T11:43:52","modified_gmt":"2019-06-22T09:43:52","slug":"lauren-vermisst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/lauren-vermisst\/","title":{"rendered":"Lauren, vermisst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sophie McKenzie: Lauren, vermisst, Aus dem Englischen von Susanne Klein, Boje Verlag, K\u00f6ln 2013, 284 Seiten, \u20ac12,99, 978-3-414-82343-4<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eBis jetzt wollte ich gern \u00fcber die Vergangenheit Bescheid wissen. Nun musste ich erfahren, was damals geschehen war.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die 14-j\u00e4hrige Lauren wei\u00df von ihren Eltern, dass sie im dritten Lebensjahr von ihnen adoptiert wurde. Ausk\u00fcnfte \u00fcber die Zeit davor, kann das M\u00e4dchen offiziell erst mit 18 Jahren einfordern. Laurens Eltern wollen mit ihrer Tochter nicht sprechen, denn sie finden, sie ist noch zu jung, um alles zu verstehen. Doch die pubertierende Lauren ist genervt von ihrer \u00fcbervorsichtigen Mutter, ist einfach neugierig und das nicht nur f\u00fcr ihren Schulaufsatz mit dem Thema: Wer bin ich?<\/p>\n<p>Als sie beim St\u00f6bern im Netz auf eine Website \u00fcber vermisste Kinder st\u00f6\u00dft, liest sie eine Anzeige mit Bild, die fast haargenau auf sie passen k\u00f6nnte. Das M\u00e4dchen w\u00e4re heute 14 Jahre alt, \u00e4hnelt ihren Kinderfotos und wird seit der Zeit vermisst, in der sie adoptiert wurde. Allerdings lebte das Kind in den USA, Connecticut.<\/p>\n<p>Da Laurens Eltern ihr vehement jegliche Auskunft verweigern, arbeitet sie mit ihrem Freund Jam einen gewagten Plan aus. Sie \u00fcberredet ihre Eltern zu einem USA-Herbsturlaub ganz in der N\u00e4he der damaligen Adoptionsagentur. Die Visitenkarte fiel ihr in die H\u00e4nde, als sie die Tageb\u00fccher ihrer Mutter durchsuchte. Der Vertrauensbruch ist gro\u00df, allerdings glaubt Lauren, und das best\u00e4rkt ihre Vermutungen, sogar in ihren Erinnerungen und heftigen Tr\u00e4umen ihre wahre Mutter an einem Strand gesehen zu haben.<\/p>\n<p>Lauren und Jam schaffen es, Laurens Eltern am Flughafen abzuh\u00e4ngen und den Adoptionsleiter zu treffen, der damals f\u00fcr Laurens Fall zust\u00e4ndig war. Sein Verhalten erscheint ihnen jedoch sehr fragw\u00fcrdig. Die Kinder brechen in der Nacht in die Agentur ein, um die Akte zu finden. In die H\u00e4nde f\u00e4llt ihnen nur ein Zettel mit einem Namen von einer Sonia Holtwood und eine abgerissene Adresse. Ist sie Laurens leibliche Mutter?<\/p>\n<p>Lauren und Jam werden dieser Sonia Holtwood begegnen, die als Kriminelle im Laufe der Jahre viele Kinder entf\u00fchrt und an Agenturen verkauft hat.<\/p>\n<p>Jetzt ist Lauren klar, sie ist dieses Kind von der Annonce. Sie ist Martha Lauren Purditt. Wieder ziemlich abenteuerlich, gelangt sie zum Haus ihrer wahren Eltern. Der DNA \u2013 Test belegt, Lauren ist die entf\u00fchrte Tochter.\\r\\nInzwischen hat sie zwei Schwestern und eine Mutter, die mit dieser neuen Situation nach gut 11 Jahren nicht klar kommt. Aus rechtlicher Sicht muss Lauren bis zur Kl\u00e4rung des Sorgerechts bei den Purditts leben. Laurens Eltern sind, durch die Falschaussage des Leiters der Adoptionsagentur unter Verdacht geraten, in die Entf\u00fchrung verwickelt zu sein.<\/p>\n<p>Lauren ist hin- und hergerissen, sich nicht bewusst, welche Gef\u00fchlsst\u00fcrme ihre Suche nach der eigenen Identit\u00e4t ausl\u00f6sen. Zum einen wei\u00df sie nun, ihre Erinnerungen haben sie nicht get\u00e4uscht, aber sie sehnt sich auch nach ihrem alten Londoner Leben und sie sp\u00fcrt den Hass, die Verunsicherung der bisher \u00e4lteren Schwester. Nur die kleine Schwester kann sich unvoreingenommen auf das neue Familienmitglied einlassen. Lauren ist st\u00e4ndig mit Jam in Kontakt und jammert \u00fcber ihre Lebenssituation. Erst langsam wird ihr klar, wie zerrissen auch ihre beiden Elternpaare sein m\u00fcssen, die zum einen ihr Kind verloren, zum anderen ein fremdes, lang entbehrtes Kind wiederbekommen haben. Lauren hat den Eindruck, ihre amerikanische Mutter sehnt sich nicht nach ihr, sondern nach dem Kleinkind, das sie einst war.<\/p>\n<p>Aber auch Lauren bleiben viele Zweifel. Sie hatte gedacht, sie w\u00fcrde ein vollst\u00e4ndiger Mensch sein, wenn sie erst mal ihre leibliche Mutter in die Arme schlie\u00dfen k\u00f6nnte. Aber so ist es nicht. Alles ist ihr fremd und die Sehnsucht nach dem englischen Leben ist st\u00e4rker als alles andere.<\/p>\n<p>Sophie McKenzie hat sich f\u00fcr ihren ersten Jugendroman einem existentiellen, wie psychologisch interessanten Thema gen\u00e4hert. Ihre Erz\u00e4hlhaltung ist bewusst gew\u00e4hlt, sie tr\u00e4gt zum Effekt von Unmittelbarkeit bei. Die Autorin schreibt auf Augenh\u00f6he ihrer Protagonistin und erz\u00e4hlt auch vom Ende der Kindheit. Laurens innere K\u00e4mpfe, ihr Wissen, dass sie ein Leben vor dem neuen in England hatte, sind somit gut nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Allerdings scheint vieles im Handlungsverlauf, um der Geschichte Willen doch zu konstruiert, zu zuf\u00e4llig. Die Konfrontation mit der Entf\u00fchrerin, die letztendliche Todesbedrohung und der Showdown erh\u00f6hen zwar die Spannung, sind aber zur Kl\u00e4rung der wirklichen Konflikte zwischen den Familien und Lauren nicht zwingend notwendig.<\/p>\n<p>Auch wenn die Geschichte aus Laurens Sicht erz\u00e4hlt wird, kann sich der Leser gut in alle anderen Figuren hineinversetzen und verstehen, was der Verlust eines Kindes in Familien ausl\u00f6sen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sophie McKenzie: Lauren, vermisst, Aus dem Englischen von Susanne Klein, Boje Verlag, K\u00f6ln 2013, 284 Seiten, \u20ac12,99, 978-3-414-82343-4 \u201eBis jetzt wollte ich gern \u00fcber die Vergangenheit Bescheid wissen. 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