{"id":799,"date":"2019-06-22T11:49:20","date_gmt":"2019-06-22T09:49:20","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=799"},"modified":"2019-06-22T11:49:20","modified_gmt":"2019-06-22T09:49:20","slug":"die-schwestern-von-sherwood","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-schwestern-von-sherwood\/","title":{"rendered":"Die Schwestern von Sherwood"},"content":{"rendered":"<p><strong>Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood, Diana Verlag, M\u00fcnchen 2013, 576 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-453-29140-9 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e&nbsp; Amalia Sherwood war die Schwester von Cathleen Sherwood, die mit Lord Hampton verheiratet war. Beide Schwestern sind hier im Moor in Devon umgekommen. Amalie 1895 und ihre Schwester anderthalb Jahre sp\u00e4ter.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Drei Jahre nach dem II. Weltkrieg sucht Melinda im zerst\u00f6rten Berlin nach einer Anstellung als Journalistin. Ein erstes Gespr\u00e4ch mit einem Zeitungsredakteur ist nicht so erfolgreich, aber sie darf eine Reportage als Probe abliefern. Als sie gut gestimmt in ihr Zimmer zur\u00fcckkehrt, erwartet sie ein Paket aus England ohne Absender mit Briefen, Zeichnungen und einer filigran geschnitzten Schachfigur. Melinda ahnt, dass dieses Paket mit ihrer Gro\u00dfmutter zu tun haben k\u00f6nnte, denn sie ist aus England mit ihrer Mutter als Baby vor Jahren nach Deutschland gereist. Wenig, um nicht zu sagen, gar nichts hat die Mutter Melinda \u00fcber die Gro\u00dfmutter erz\u00e4hlt. Nach und nach wie in einem Puzzle wird sich f\u00fcr Melinda die Vergangenheit ihrer englischen Familie zusammensetzen. Mit Hilfe der Zeitung, f\u00fcr die sie freiberuflich arbeiten kann, reist sie zu einem Seminar nach London. Melindas hartn\u00e4ckigen Recherchen ist es zu verdanken, dass sie auch den Ort findet, der auf den geschickten Zeichnungen festgehalten wurde. Und so st\u00f6\u00dft sie auf die Geschichte der Schwestern Amalia und Cathleen Sherwood. Inzwischen hat Melinda auch herausgefunden, dass ihre Gro\u00dfmutter wie Amalia taub war. Da Amalia einen anderen Namen angenommen hat und nach einem traumatischen Erlebnis aus England fort musste, ahnt der Leser schnell, dass sie Melindas Gro\u00dfmutter ist.<\/p>\n<p>Die Sherwoods stammen ebenfalls aus Deutschland, zumindest Elisabeth. Ihr Mann John hat viel Geld bei riskanten Gesch\u00e4ften verloren, aber auch durch geschickte Transaktionen gewonnen. Rasend schnell werden die Sherwoods durch Risikoinvestitionen reich und k\u00f6nnen es sich leisten, ein Anwesen in S\u00fcdengland zu erwerben. Als Empork\u00f6mmlinge sind sie bei ihren alteingesessenen Nachbarn nicht gern gesehen. Besonders die Hamptons r\u00fcmpfen die Nase \u00fcber die ungeschliffenen Neulinge. Elisabeth tut alles, um gesellschaftsf\u00e4hig zu werden. Als dann ihre \u00fcberaus anmutige Tochter Amalia an Scharlach erkrankt und als Folge der Erkrankung taub wird, kann Elisabeth damit \u00fcberhaupt nicht umgehen. Zwischen den Schwestern bleibt das enge Verh\u00e4ltnis erhalten, denn sie erfinden eine eigene Sprache, um sich zu verst\u00e4ndigen. Allgemein herrscht in der Gesellschaft das Vorurteil, dass taube Menschen dumm seien oder behindert. Amalia und Cathleen wissen, dass es nicht so ist.<\/p>\n<p>Immer wieder aus den unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Protagonisten erz\u00e4hlt die Autorin von den Ereignissen, tiefere Einblicke ins Innenleben der Figuren gew\u00e4hrt sie allerdings nicht. Amalia zieht sich immer mehr zur\u00fcck, geht gern ins Dartmoor und den anliegenden Wald und trifft dort den jungen Edward Hampton. Sie verlieben sich trotz aller Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten, zumal er nicht wei\u00df, wer sie ist. Als die Hamptons in ernste finanzielle Schwierigkeiten geraten, muss Edward reich heiraten. Die Auserw\u00e4hlte ist Cathleen Sherwood, die schon immer f\u00fcr Edward geschw\u00e4rmt hat.<\/p>\n<p>Als Edward erkennt, wer Amalia wirklich ist, will er sie heiraten. Aber seine Familie verweigert sich trotz drohendem Ruin dieser Verbindung. Elisabeth schickt Cathleen auf Bildungsreise nach Paris und die geh\u00f6rlose Amalia in ein Sanatorium, das einem Gef\u00e4ngnis gleicht. Gleichzeitig fingiert sie den Tod ihrer eigenen Tochter, um den gesellschaftlichen Aufstieg der anderen Tochter zu forcieren.<\/p>\n<p>Doch niemand wird durch diese Allianz gl\u00fccklich, ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p>Hinter all diese Familiengeheimnisse und Dramen wird Melinda gelangen und sie wird sogar noch recht praktisch einen attraktiven Anwalt kennenlernen, der sich in sie verliebt.<\/p>\n<p>Wer letztendlich das Paket an Melinda geschickt hat und wer ihre Nachforschungen vehement behindert, auch das wird aufgekl\u00e4rt werden. Wieder geht es wie vor Jahren schon ums liebe Geld und die Traditionen.<\/p>\n<p>Konventionell und routiniert erz\u00e4hlt die deutsche Autorin Claire Winter bei aller Vorliebe f\u00fcr die Abgr\u00fcnde der englischen Gesellschaft und ihren unheimlichen Landschaften diese dramatisch aufgebl\u00e4hte, triviale Familiengeschichte, in der es an sensiblen Zwischent\u00f6nen, psychologischem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und nachvollziehbaren Entwicklungen leider fehlt. Die Figuren wirken wie am Rei\u00dfbrett konstruiert und die Handlung ist in Teilen mit antiquierten Geschlechterklischees angereichert. Alles passt so nahtlos und aalglatt zusammen, die wahren Br\u00fcche und Komplikationen, die der Leser ahnt und die wirklich spannend gewesen w\u00e4ren, werden leider geschickt umschifft, um wieder im Seichten zu landen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claire Winter: Die Schwestern von Sherwood, Diana Verlag, M\u00fcnchen 2013, 576 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-453-29140-9 \u201e&nbsp; Amalia Sherwood war die Schwester von Cathleen Sherwood, die mit Lord Hampton verheiratet war. Beide Schwestern sind hier im Moor in Devon umgekommen. 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