{"id":795,"date":"2019-06-22T11:52:35","date_gmt":"2019-06-22T09:52:35","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=795"},"modified":"2019-06-22T11:52:35","modified_gmt":"2019-06-22T09:52:35","slug":"subway-sound","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/subway-sound\/","title":{"rendered":"Subway Sound"},"content":{"rendered":"<p><strong>Katrin Bongard: Subway Sound, Pink Oetinger Verlag, TB, Hamburg 2013, 215 Seiten, \u20ac11,99, 978-3-86430-012-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIch habe mich im Schatten gesehen, w\u00e4hrend alle anderen im Licht standen. Aber wenn ich an Tim denke, dann kommen mir meine Probleme geradezu l\u00e4cherlich klein vor.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Wenn Livia, sie ist die Ich-Erz\u00e4hlerin, unsicher ist, dann beginnt sie zu z\u00e4hlen. Das beruhigt und besch\u00e4ftigt. Das 14-j\u00e4hrige M\u00e4dchen hat sich nach der Trennung der Eltern daf\u00fcr entschieden, den Vater nach Berlin zu begleiten. Als Auslandskorrespondent ist er viel auf Reisen, aber nach Spanien wollte Livia ihre Mutter, die als erfolgreiche Designerin arbeitet, nicht folgen. Livias Gedanken kreisen um ihre Kreditkarte, um stylische Klamotten und die bange Frage, ob sie in ihrer neuen Klasse auch ankommt. Doch seit sie den jungen Punker mit seinem niedlichen Hund gesehen hat, hofft sie immer wieder auf ein zuf\u00e4lliges Treffen.<\/p>\n<p>Livias Freundin Linda ist mit ihren Eltern nach Australien gezogen und so skypen die M\u00e4dchen zu den unm\u00f6glichsten Zeiten.<\/p>\n<p>Das offenbar wohlstandsverwahrloste M\u00e4dchen, der Vater kniet sich in seinen neuen Job und findet kaum Zeit f\u00fcr seine Tochter, erkundet nun mit ihren neuen, angezickten Freundinnen aus der Schule die Stadt. Sie klauen im KaDeWe eine s\u00fcndhaft teure Tasche, oder vielmehr muss Livia diese als Mutprobe mitgehen lassen, und schleichen sich in angesagte Nachtclubs, um sich Drinks zu bestellen.<\/p>\n<p>Livias Gedanken jedoch verweilen immer mehr bei dem 17-j\u00e4hrigen Tim. Warum lebt er auf der Stra\u00dfe? Wie ergeht es ihm, wenn er die kalten N\u00e4chte \u00fcberstehen muss?<\/p>\n<p>Livia f\u00fchlt sich herausgefordert als Tim behauptet, sie w\u00fcrde nicht eine Nacht allein auf der Stra\u00dfe durchstehen. Sie nimmt die Wette an. Ohne Geld, Kreditkarte oder gar iPhone, aber mit Haust\u00fcrschl\u00fcssel und Feuchtt\u00fcchern ausgestattet, beginnt ihr Abenteuer.<\/p>\n<p>Katrin Bongard hat sich zwei Protagonisten aus sehr unterschiedlichen sozialen Schichten gesucht, die wie die K\u00f6nigskinder, die eine wedelt mit der Kreditkarte, der andere bettelt sich sein Essen zusammen, auf verschiedenen gesellschaftlichen Seiten stehen. Livia erkennt dies, als sie kaum mit Tim gesehen, von ihren neuen schicken Freundin gemobbt wird. Auch Livia f\u00fchlt sich unwohl, wenn sie sich eingestehen muss, wie wenig sie zu Tim steht, wenn ihre Freunde oder Eltern ihn bemerken.<\/p>\n<p>Leider pl\u00e4tschert die Geschichte harmlos oberfl\u00e4chlich vor sich hin und das hat nichts damit zu tun, dass Livia sich sogar f\u00fcr ihren Stra\u00dfenausflug richtig stylen will. Man fragt sich ernsthaft beim Lesen, was die beiden Jugendlichen aus den entgegengesetzten Welten wirklich verbindet. Allein die blauen Augen des Jungen reichen kaum f\u00fcr das intensive Interesse, das die gelangweilte Livia, die mit Freiheiten f\u00fcr ihr Alter lebt, um die sie viele beneiden, an den Tag legt. Zu gut bewegen sich alle in den dramaturgisch passenden Augenblicken, mal musterhaft gut, b\u00f6se, unentschieden oder seltsam. Es scheint keine Chance zu geben, dem festgezurrten Rollenkorsett zu entrinnen. Der Junge von der Stra\u00dfe gleicht nicht den g\u00e4ngigen Vorstellungen, Livias Eltern verhalten sich ungew\u00f6hnlich tolerant und verst\u00e4ndnisvoll, von ein paar Gardinenpredigten abgesehen. Auch die  Freundinnen gew\u00f6hnen sich an den Stra\u00dfenjungen, der ja in Livias naiver Vorstellung eigentlich Tierarzt werden will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katrin Bongard: Subway Sound, Pink Oetinger Verlag, TB, Hamburg 2013, 215 Seiten, \u20ac11,99, 978-3-86430-012-7 \u201eIch habe mich im Schatten gesehen, w\u00e4hrend alle anderen im Licht standen. 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