{"id":764,"date":"2019-06-22T11:59:09","date_gmt":"2019-06-22T09:59:09","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=764"},"modified":"2019-06-22T11:59:09","modified_gmt":"2019-06-22T09:59:09","slug":"die-scanner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-scanner\/","title":{"rendered":"Die Scanner"},"content":{"rendered":"<p><strong>Robert M. Sonntag: Die Scanner, KJB, S. Fischer Verlag, Frankfurt a.Main 2013, 190 Seiten, \u20ac12,99, 978-3-596-85537-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Und die werden einfach so meine Freunde?\u201c, fragte er und machte eine Pause. \u201eSch\u00f6ne neue Welt, oder?\u201c<\/em><\/p>\n<p>2034 \u2013 So sch\u00f6n und neu ist diese Welt gar nicht, denn jeder, der sich in der A-Zone etabliert hat, schwebt in der panischen Angst durch Karriereeinbruch in die C-Zone abzurutschen. Das reale Leben, so man es w\u00fcnscht, findet \u00f6ffentlich statt, alles kann ins sogenannte Ultranetz gestellt werden. Sogar seinen Freitod kann man inszenieren, ins Netz stellen und den Schuldigen anklagen. In der sch\u00f6nen neuen mitleidlosen Welt leben die Menschen keimfrei und haarlos in Wohnblocks, Familien d\u00fcrfen nach einem Finanzcheck h\u00f6chstens ein Kind aufziehen, das Essen wird mit Aromazus\u00e4tzen chemisch hergestellt und die Werbung verkleistert das Denken, beherrscht die Menschen in fast jeder Minute, in der sie ihr unverzichtbares Mobril tragen und berieselt werden. Die Eltern des 25-j\u00e4hrigen Ich-Erz\u00e4hlers Rob arbeiten rund um die Uhr oder schlafen. Da Rob sein Altwissen-Studium nicht finanzieren konnte, ist er nun als Scanner mit seinem Freund aus Kindertagen, Jojo, unterwegs. Die Scanner kaufen Leuten ihre B\u00fccher ab, scannen sie f\u00fcr das Ultranetz und \u00fcbergeben sie der Scan AG. Ziel der Aktion \u2013 eine papierfreie Welt.<\/p>\n<p>Als Rob und Jojo Arne Bergmann, den seltsamen Typen mit den langen Haaren, kennenlernen, der ihnen sogar freiwillig sein Buch \u00fcberl\u00e4sst, ist Robs Neugier geweckt. In der sch\u00f6nen neuen Welt bleibt nichts unbeobachtet und der verhasste Chef der jungen M\u00e4nner erkennt schnell, mit wem die beiden es tun hatten. Arne Bergmann ist ein Radikaler, auf dessen Kopf eine Pr\u00e4mie ausgesetzt ist. Rob will sich mit Arne in der C-Zone treffen, um mit dem auf ihn ausgesetzten Kopfgeld endlich eine Zeit lang frei zu leben. Aber alles kommt ganz anders, denn Arne ist klug genug, Rob zu misstrauen. Der junge Mann berichtet niemandem von diesem Treffen im Dunkeln, denn er erkennt die Stimme seiner Professorin, die er sehr gesch\u00e4tzt hat und die nun zur B\u00fcchergilde geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Keine Frage, schnell wird klar, das Leben der Menschen wird in der Zukunft vom Ultranetz dominiert und manipuliert. Alle Aktionen, die das Ultranetz und der Menschen, die dahinter stehen, starten und den Radikalen in die Schuhe schieben, dienen dazu, alle nur noch mehr mit zensierten Infos zu versorgen. Packt die Geschichte am Anfang den Leser, so giert er aber auch schnell nach der Aufl\u00f6sung all ihrer Ungereimtheiten. Die Plotfixierung des Romans \u00fcbertr\u00e4gt sich zu schnell auf den Leser, der nur noch wissen m\u00f6chte, wie es am Ende ausgeht. Aber da passiert nicht viel.<\/p>\n<p>Rob hat noch nie ein Buch gelesen, weder ein echtes noch eins, das angeblich ins Ultranetz gestellt wurde, denn er findet alles Textliche langweilig. Seltsam und unglaubw\u00fcrdig nun, dass er der Verfasser des Buches \u201eDie Scanner\u201c sein wird.<\/p>\n<p>Robert M. Sonntag oder eher Martin Sch\u00e4uble hat sich eine Zukunftsgeschichte ausgedacht, deren Figuren in den verschiedenen Lagern einfach nicht funktionieren und auch im Laufe der Handlung nie lebendig werden. Sie scheinen wie aus einem Baukasten lieblos zusammengesetzt. Pl\u00f6tzlich jedoch sterben Menschen, aber diese Tode ber\u00fchren kaum. So stirbt der ehrgeizige, wie unberechenbare Chef der Jungen, Nomos, bei einem Unfall. Er ist schnell ersetzbar.<\/p>\n<p>Jojo t\u00f6tet sich, weil seine Freundin, die er nie gesehen hat, au\u00dfer in Filmen und virtuellen Begegnungen, ihn angeblich betr\u00fcgt. Rob trifft wirklich ein M\u00e4dchen, das ihm gef\u00e4llt, aber sie geh\u00f6rt zu den Radikalen und kann seine Idee, das Kopfgeld f\u00fcr Arne zu teilen, nicht guthei\u00dfen. Rob selbst wird in die Intrigen von Ultranetz hineingezogen.<\/p>\n<p>Die Versch\u00e4rfung und Verschlechterung des wahren Lebens in der Zukunft durch ein neues Facebook, Werbemanipulationen und einen \u00dcberwachungsstaat sind nicht sonderlich originell, genauso wenig wie die Lobpreisung der B\u00fccher und der existentielle Kampf der wahren Buchagenten und H\u00e4ndler ums bedruckte Papier. \\n\\nSoll die extreme \u00dcberspitzung all der technischen Neuheiten, der vorhandenen Netzwerke und der oberfl\u00e4chlichen Medien, die in unserer Gegenwart bereits vorhanden sind und in der Kritik stehen, aber bedenkenlos von Millionen genutzt werden, den Leser warnen und sensibler werden lassen f\u00fcr die Offenlegung eigener Daten, Befindlichkeiten und Privatem? Der st\u00e4ndige Wink mit dem ganzen Zaun nervt, auch jugendliche Leser.<\/p>\n<p>Der Geschichte fehlt, und hier liegt der eindeutige Mangel, ein \u00fcberzeugender, spannender Plot, der im Nachhinein besch\u00e4ftigt, zu Gedankenspielen anregt und nicht nur ber\u00fchmte Vorg\u00e4nger, wie Georg Orwell, Ray Bradbury oder Aldous Huxley zitiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert M. Sonntag: Die Scanner, KJB, S. 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