{"id":724,"date":"2019-06-22T12:07:31","date_gmt":"2019-06-22T10:07:31","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=724"},"modified":"2019-06-22T12:07:31","modified_gmt":"2019-06-22T10:07:31","slug":"die-deutschlehrerin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-deutschlehrerin\/","title":{"rendered":"Die Deutschlehrerin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Judith W. Taschler: Die Deutschlehrerin, Picus Verlag, Wien 2013, 224 Seiten, \u20ac21,90, 978-3-85452.692-6<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Jeder Mensch tr\u00e4gt in sich ein Motiv, ein Thema, das die Partitur und Melodie seines Lebens pr\u00e4gt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nein, in diesem Roman dreht sich nicht alles um den Stress, den Lehrer auf sich nehmen, um ihren Beruf zu verkraften. Ganz im Gegenteil, Mathilda Kaminski ist eine Deutschlehrerin, die ihre Arbeit mit den Sch\u00fclern liebt, sich gern Neues f\u00fcr den Unterricht ausdenkt und mit Herz und Seele ihren Beruf aus\u00fcbt.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt dieses Romans steht die gescheiterte Beziehung zwischen der Deutschlehrerin Mathilda Kaminski und dem Schriftsteller Xaver Stern. Beide haben sich fr\u00fch als Studenten kennengelernt und waren gut 15 Jahre in Wien ein Paar. Nach der Trennung, 14 Jahre sp\u00e4ter, kreuzen sich wieder ihre Wege, denn der einst erfolgreiche Jugendbuchautor Xaver soll in Mathildas Klasse ein Projekt leiten. Ein Zufall oder doch arrangiert?<\/p>\n<p>Erst durch den E-Mail-Verkehr der Protagonisten kl\u00e4ren sich f\u00fcr den Leser die Verbindungen zwischen den beiden. In R\u00fcckblenden entsteht ein Bild vom Zusammenleben der doch sehr unterschiedlichen Charaktere, der psychologischen Verkettungen, die Menschen eingehen, um gl\u00fccklich zu werden. Mathilda brilliert durch ihre Lebenst\u00fcchtigkeit, ihre Kraft und ihren gesunden Ehrgeiz, sie packt die Dinge an, l\u00e4sst sich nicht durch die miesen Attacken ihrer unzufriedenen Mutter, die ihr Leben lang in der engen Sozialsiedlung vorm Fernseher hockte, herunterziehen.<br \/>\nXaver verliebt sich in Mathilda, die ihn mehr als andere Frauen, anstrahlt, bewundert und in seinem Schreiben voranbringt. Mit ihr kann er Geschichten austauschen, sie nimmt seine Arbeit ernst. Doch im Laufe der Jahre, der Erfolg als Autor stellt sich nicht ein, verliert auch Mathilda die Hoffnung auf finanzielle Unterst\u00fctzung seinerseits. Ein unterschwelliger Kleinkrieg schleicht sich in die Beziehung ein und Mathildas sehnliche Hoffnung auf ein Kind. Xaver jedoch kennt keine Kompromisse, er lehnt die Verantwortung f\u00fcr einen anderen Menschen kategorisch ab. Sp\u00e4ter wird sich herausstellen, aber da ist es bereits viel zu sp\u00e4t, das er gar nicht zeugungsf\u00e4hig ist.<\/p>\n<p>Als dann, durch eine Idee von Mathilda zu einem Jugendbuch, sich der schriftstellerische Erfolg f\u00fcr Xaver schlagartig einsetzt, verschwindet er aus ihrem Leben, ohne ein Wort zu hinterlassen.<br \/>\nEr behauptet zwar, ihr geschrieben zu haben, aber das ist eine L\u00fcge, denn Mathilda wei\u00df genau, dass Xaver, und das ist f\u00fcr einen Schriftsteller nicht gerade f\u00f6rderlich, sich lieber Geschichten ausdenkt, aber nicht gern niederschreibt.<br \/>\nXaver beginnt ein neues Leben, mit einer Frau mit Promi-Bonus, die er auch noch heiratet und angeblich schw\u00e4ngert. Aber diese Beziehung endet mit einer Scheidung, denn die Ehe belastet die Entf\u00fchrung des eineinhalbj\u00e4hrigen Sohnes Jakob.<\/p>\n<p>Tief taucht der Leser in die Beziehung von Mathilda und Xaver ein, die sich vieles bei ihrem erneuten Treffen zu sagen haben. Xaver erz\u00e4hlt von seinem neuen Roman, der sich mit dem Schicksal seines Gro\u00dfvaters besch\u00e4ftigt und den Mathilda mit ihrer Vorstellungskraft bereichert. Mathilda will von Xavers gescheiterten Beziehung und seinem Kind alles wissen und sie durchschaut vieles, was Xaver rigoros verdr\u00e4ngt hat. Mal entstehen aus beider Leben Fantasiegeschichten, mal handeln sie vom realen Leben und f\u00fchren Xaver bis an seine Schmerzgrenze.<br \/>\nScheinbar entgeht man seinem Schicksal nicht, l\u00f6st sich nicht von seiner Herkunft.<br \/>\nImmerhin erf\u00fcllt Xaver den Wunsch der Mutter und zieht in sein Elternhaus nach ihrem Tod. Mathilda bildet sich ewig ein, man k\u00f6nne den miefigen Geruch der kleinen Wohnung, in der sie gedem\u00fctigt aufwachsen musste, an ihr riechen.<br \/>\nAls ungeliebtes Kind sucht sie sich einen Mann, der von seiner Mutter \u00fcber alles geliebt wurde. Er hat sie ausgenutzt, sie hat es geschehen lassen und doch immer noch das Beste aus ihm herausgeholt. Das wei\u00df er am traurig stimmenden Ende, doch da ist es, wieder zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Judith W. Taschlers Roman fesselt den Leser, keine Frage, aber sie hat ihre Geschichten, die sich um Familienkonstellationen drehen, so weit ausgeschrieben, dass f\u00fcr eigene Gedanken wenig Raum bleibt. Psychologisch ist alles durchschaubar und so bleiben keine Fragen offen. Judith W. Taschler hat ihren Roman zu akkurat verschn\u00fcrt, um ihm noch Luft zum Selberatmen zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Judith W. 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