{"id":6758,"date":"2026-05-11T18:18:51","date_gmt":"2026-05-11T16:18:51","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=6758"},"modified":"2026-05-11T18:18:51","modified_gmt":"2026-05-11T16:18:51","slug":"christoffer-carlsen-hinter-dem-nebel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/christoffer-carlsen-hinter-dem-nebel\/","title":{"rendered":"Christoffer Carlsen: Hinter dem Nebel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoffer Carlsen: Hinter dem Nebel, Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann, Rowohlt Verlag, Kindler, 460 Seiten, \u20ac25,00, 978-3-463-00082-4<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDer wahre Bund war geheim, aber er galt weder Didrik Wollmer noch Maja M\u00e5rsell. Das tiefste B\u00fcndnis hatte sie bereits vor langer Zeit geschlossen. Ein B\u00fcndnis mit sich selbst, mit einer jungen Frau, die ihr Lebensziel festgesteckt hatte und bereit war, jeden Preis zu zahlen, um es zu erreichen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Als ein namenloser Schriftsteller mit seiner Schreibblockade hadert, wird er von einem ehemaligen guten Bekannten, dem vierundsechzigj\u00e4hrigen Johan Oskarsson, einem impulsiven wie unberechenbaren Autor, kontaktiert. Allerdings hatten sich beide aus den Augen verloren und l\u00e4ngst lebte der namenlose Ich-Erz\u00e4hler nicht mehr in Stockholm, sondern in Halmstad. Oskarsson wusste dies offenbar, denn er hatte sich in einer Pension in der N\u00e4he einquartiert. Als der namenlose Schriftsteller ihn aufsucht, muss er eine ersch\u00fctternde Entdeckung machen. Oskarsson hatte sich im Speisesaal der Pension erh\u00e4ngt. Auf seinem Laptop findet sich kein Abschiedsbrief, sondern nur ein einziger Satz:<em> \u201eEs kommt immer ein Sommer.\u201c<\/em> Dieser Satz ist der letzte im Deb\u00fctroman der sehr bekannten Autorin Ingrid Klinga, dessen Biografie Oskarsson auf ihre Bitte hin schreiben sollte.<br \/>\nDer namenlose Erz\u00e4hler glaubt nicht, dass Oskarsson Suizid begangen hat. Und er fragt sich gemeinsam mit seinem alten Bekannten, dem Polizisten Vidar J\u00f6rgensson, wohin Oskarsson von Stockholm nach Halland noch gefahren ist.<br \/>\nChristoffer Carlsson spielt mit den Lesenden, schreibt sich am Ende sogar selbst in seinen Roman hinein und verschiebt zeitlich versetzt die Perspektiven. Der namenlose Schriftsteller und Oskarsson hatten sich am Beginn ihrer schriftstellerischen Karrieren kennengelernt und Oskarsson hatte ihn auf die Autorin Ingrid Klinga aufmerksam gemacht. Beide verbindet aber auch eine dunkle Geschichte, in der es um Verrat und Betrug geht. Zum anderen dreht sich die Geschichte um Ingrid Klinga und ihren Aufstieg von der einfachen Bauerntochter zur gefeierten Buchautorin. Und es geht um unaufgekl\u00e4rte Selbstmorde, in die der Geheimdienst verwickelt sein k\u00f6nnte, aber auch einen Mord Ende der 1950er Jahre. Immer wieder versorgt Christoffer Carlsson seine Lesenden mit Vorinformationen, die sie allerdings erst im Laufe der verschachtelten Handlung einordnen k\u00f6nnen. Ingrid Klinga jedenfalls, eine junge, attraktive Frau mit gr\u00fcnen Augen, wird mit Hilfe ihrer verehrten Lehrerin Maja M\u00e5rsell an der Universit\u00e4t in Uppsala angenommen. Schnell findet sie eine WG und schnell ist sie in einer Studierendengruppe integriert, deren Diskussionsthema, Schwedens m\u00f6gliches Kernwaffenprogramm, sie nicht unbedingt interessiert. Doch die Geheimdienste w\u00fcrden zu gern genauer h\u00f6ren, welche Ansichten die Studierenden, einer von ihnen wird im Verteidigungsministerium t\u00e4tig werden, miteinander austauschen. Und Ingrid l\u00e4sst sich anwerben, und schreibt ihren Kontaktpersonen und dem DDR \u2013 F\u00fchrungsoffizier von der Staatssicherheit der DDR, Didrik Wollmer und Thomas Bauer, sprachlich ausgezeichnete Berichte \u00fcber die Aktivit\u00e4ten ihrer Mitstudenten. Mit einem ist sie sogar liiert, aber verliebt ist sie in Didrik Wollmer und wird schwanger. Im Jahr 1958 jedoch wird eine Leiche aus dem Ekoln gezogen, bei der die Ausweispapiere von Dikrik gefunden werden. In vielen detailliert ausgearbeiteten Szenen verbindet Christopher Carlsson die Lebenswege seiner unterschiedlichen Figuren bis in die Gegenwart. Der namenlose Schriftsteller m\u00f6chte die Biografie von Ingrid Klinga nun zu Ende schreiben und erkennt, dass diese Frau mehr als nur ein Geheimnis hat und vielleicht hat sie auch ein Manuskript \u00fcber ihre Zeit bei den Geheimdiensten verfasst, dem Johan Oskarsson auf der Spur war.<br \/>\nVerdankt Ingrid Klinga ihrer subversiven T\u00e4tigkeit beim Geheimdienst ihre schriftstellerische Karriere? Warum hat sie sich nie f\u00fcr ihren Sohn interessiert, obwohl er ihre Biografie schreiben soll? Was hat sie alles getan und aufgegeben, um zur\u00fcckgekehrt auf den Hof der Eltern, schreiben zu k\u00f6nnen? <\/p>\n<p><em>\u201eDamit eine Wahrheit funktioniert, hei\u00dft es bei Ingrid Klingas Deb\u00fctroman, muss sie sehr gut konstruiert sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Christoffer Carlsen hat einen fein komponierten, ungew\u00f6hnlichen Kriminalroman \u00fcber ambitionierte Autoren, unantastbare Geheimdienste, verzweifelte Ermittler und Verbrechen geschrieben, die allerdings nie aufgekl\u00e4rt werden und vieles hinter dem Nebel verschwindet und nur Vermutungen bleiben.<br \/>\nSprachlich wie immer brillant!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoffer Carlsen: Hinter dem Nebel, Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann, Rowohlt Verlag, Kindler, 460 Seiten, \u20ac25,00, 978-3-463-00082-4 \u201eDer wahre Bund war geheim, aber er galt weder Didrik Wollmer noch Maja M\u00e5rsell. 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