{"id":672,"date":"2019-06-22T12:34:35","date_gmt":"2019-06-22T10:34:35","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=672"},"modified":"2019-06-22T12:34:35","modified_gmt":"2019-06-22T10:34:35","slug":"die-betaeubung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-betaeubung\/","title":{"rendered":"Die Bet\u00e4ubung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anna Enquist: Die Bet\u00e4ubung, Aus dem Niederl\u00e4ndischen von Hanni Ehlers, Luchterhand Verlag, M\u00fcnchen 2012, 320 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-630-87400-5<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Wenn man erkennt, was wirklich in einem vorgeht, f\u00fchlt man sich besser, so unangenehm die Empfindungen auch sein m\u00f6gen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>So die Ansicht der Psychoanalyse. Wenn man tief zum Schmerz vordringt, erst dann kann man sich frei f\u00fchlen. Das wei\u00df auch die niederl\u00e4ndische Autorin Anna Enquist, die als Konzertpianistin und Psychoanalytikerin von dem schreibt, was sie erfahren hat. Das Klinikum der Freien Universit\u00e4t Amsterdam l\u00e4dt Schriftsteller dazu ein, den Alltag einer Abteilung des Krankenhauses zu begleiten; dieser Einladung ist auch Anna Enquist gefolgt.<\/p>\n<p>So pendelt sie in ihrem Roman zwischen dem stressigen Krankenhaustrubel, den Suzan als An\u00e4sthestin erlebt und der Einsamkeit im beruflichen Alltag, den ihr Bruder Drik, ein Psychiater mit eigener Praxis, erf\u00e4hrt. Driks Frau Hanna ist fr\u00fch an Krebs verstorben. Suzan, ihre Freundin, hatte sie bis zum Ende gepflegt.<br \/>\nJetzt st\u00fcrzt sich Suzan wieder kopf\u00fcber in die Hochs und Tiefs zwischen Patient und Arzt und Drik beginnt, langsam seine Praxis f\u00fcr Patienten zu \u00f6ffnen. Beide Geschwister bet\u00e4uben ihren Kummer mit Arbeit, und doch beginnt Drik an sich und seinem Urteilsverm\u00f6gen zu zweifeln. Er soll den jungen Arzt Allard therapieren und findet keinen Zugang zu dem schwierigen Mann, der die Psychiatrie als sein Spezialgebiet immer mehr in Frage stellt.<br \/>\nDrik scheut sich davor, seinen dementen Vater im Heim zu besuchen. Er hat kein Gef\u00fchl f\u00fcr ihn. Durch den fr\u00fchen Tod der Mutter, gro\u00dfgezogen wurden sie von der unnahbaren Tante Leida, klammern sich eher die Geschwister aneinander. Drik jedoch will sich aus dem engen Verh\u00e4ltnis zur Schwester l\u00f6sen. Suzan sp\u00fcrt aber auch die Distanz zu ihrer Tochter Roos, die nach dem Tod Hannas zu Hause fluchtartig ausgezogen ist. Niemand kommt dem anderen zu nahe, niemand stellt Fragen, r\u00fcttelt an T\u00fcren, fordert Wahrheiten \u2013 alles. Vergangenheit wie Gegenwart, wird im Arbeitsalltag, in den t\u00e4glichen Verrichtungen verdr\u00e4ngt.<br \/>\nAls Suzan als Supervisorin Allard, der den Arbeitsbereich gewechselt hat, betreuen soll, beginnen beide eine verh\u00e4ngnisvolle Aff\u00e4re. Drik schweigt, obwohl er Kenntnis von dieser Verbindung hat und Allard steigert sich in eine Vorstellung hinein, die mit der realen Wirklichkeit nichts zu tun hat.<\/p>\n<p>Wehm\u00fctig ist diese Geschichte \u00fcber Menschen, die sich nahe sein k\u00f6nnten und es nicht verm\u00f6gen, einander wirklich beizustehen und zu st\u00e4rken. Anna Enquist konfrontiert den Leser mit den Gedankeng\u00e4ngen und dem zerr\u00fctteten Seelenleben ihrer Figuren, die \u00e4u\u00dferst kontrolliert und rational agieren.<br \/>\nSuzan geht in ihrer helfenden Arbeit auf, Schmerzen zu bet\u00e4uben und Drik will durch genaues Hinsehen und Hinh\u00f6ren den Patienten genau zum Schmerz hinf\u00fchren, um ihm zu heilen.<\/p>\n<p>Am Ende jedoch driften alle Figuren auseinander und sind in dieser<em> \u201eunbegreiflich grausamen Welt\u201c <\/em>gescheitert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anna Enquist: Die Bet\u00e4ubung, Aus dem Niederl\u00e4ndischen von Hanni Ehlers, Luchterhand Verlag, M\u00fcnchen 2012, 320 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-630-87400-5 \u201e Wenn man erkennt, was wirklich in einem vorgeht, f\u00fchlt man sich besser, so unangenehm die Empfindungen auch sein m\u00f6gen.\u201c So die&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-betaeubung\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-672","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-belletristik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/672","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=672"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/672\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":943,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/672\/revisions\/943"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}