{"id":6717,"date":"2026-05-03T14:19:06","date_gmt":"2026-05-03T12:19:06","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=6717"},"modified":"2026-05-03T14:19:06","modified_gmt":"2026-05-03T12:19:06","slug":"john-niven-zwei-vaeter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/john-niven-zwei-vaeter\/","title":{"rendered":"John Niven: Zwei V\u00e4ter"},"content":{"rendered":"<p><strong>John Niven: Zwei V\u00e4ter, Aus dem Englischen von Stephan Glietsch, btb Verlag, M\u00fcnchen 2026, 416 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-442-76333-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDan trank sein Glas leer und ging zur Bar.<\/em><br \/>\nDem Typ scheint der Diebstahl seines Autos am Arsch vorbeizugehen, <em>dachte Jada.<\/em><br \/>\n<em>Er war also niemand zu Schaden gekommen: das perfekte Verbrechen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Dan Chambers und Jada Hamilton, beide M\u00e4nner Ende vierzig, treffen sich zum ersten Mal auf der Geburtenstation im Glasgower Krankenhaus. Dan, der erfolgreiche wie finanziell abgesicherte Drehbuchautor einer Krimiserie, die schon zwanzig Jahre im Fernsehen l\u00e4uft, und Jada, der Kleinkriminelle, der sich mit Wetten, kleineren Betr\u00fcgereien und illegalen Deals \u00fcber Wasser h\u00e4lt, sind am gleichen Tag V\u00e4ter von S\u00f6hnen geworden. F\u00fcr Dan ist Tom das erste Kind, dessen Geburt, immerhin f\u00fcnf Jahre und mehrere In-Vitro \u2013 Behandlungen sp\u00e4ter, auf sich warten lie\u00df. F\u00fcr Jada ist Jaydon schon das f\u00fcnfte oder sechste Kind, er ist sich da nicht so sicher, da er jede Tochter und jeden Sohn mit einer anderen Frau gezeugt und sich nie um seinen Nachwuchs gek\u00fcmmert hat. Doch mit der neunzehnj\u00e4hrigen Nicola soll alles anders werden. Wie immer ist bei Jada das Geld knapp, denn zu gern h\u00e4ngt er im Pup ab, schmei\u00dft eine Lokalrunde nach der anderen, wettet, dealt mit Drogen, l\u00fcgt und betr\u00fcgt. Nat\u00fcrlich nutzt er die erstbeste Gelegenheit, um den \u00fcbergl\u00fccklichen Dan, der ihn gutm\u00fctig mit seinem Tesla vom Krankenhaus nach Hause f\u00e4hrt, sein Auto zu stehlen. Allerdings musste der Tesla sofort in seine Einzelteile zerlegt werden und somit f\u00e4llt f\u00fcr Jada, der neuen Technik geschuldet, nicht viel ab. Immer wieder per Zufall laufen sich Dan und Jada \u00fcber den Weg. Dan notiert sogar ein paar Machospr\u00fcche, die Jada absondert, f\u00fcr sein Schreiben, da der Glasgower Kleinkriminelle keinen Satz ohne einen Fluch von sich geben kann. Die Welten der beiden V\u00e4ter wie neuen S\u00f6hne k\u00f6nnten nicht weiter auseinander liegen. Dan k\u00fcmmert sich in seinem sch\u00f6nen Haus mit Garten aufopfernd um seine Frau und seinen Sohn, den er wie ein Helikoptervater umkreist. Stundenlang besch\u00e4ftigt sich Dan mit Sicherheitsma\u00dfnahmen, damit dem Kind nur ja nichts passiert. Grace nimmt vieles gelassener und kann durch die Hilfe der Eltern und Schwiegereltern, diversem Personal und guter Ern\u00e4hrung schnell wieder in den Alltag finden. Nicola hingegen ist in ihrer verm\u00fcllten, kleinen Sozialwohnung v\u00f6llig allein. Jada entwickelt keine emotionale Bindung zu seinem Sohn, da er angeblich pausenlos arbeiten muss und Jadas Mutter interessiert sich kaum f\u00fcr ihre Tochter, geschweige denn f\u00fcr den Enkelsohn. Und so rutscht die junge Frau, die immer d\u00fcnner wird und nichts von gesunder Ern\u00e4hrung oder ordentlicher Haushaltsf\u00fchrung h\u00e4lt, tiefer in die Tabletten- und Drogenabh\u00e4ngigkeit. Setzt Nicola ihren Sohn am liebsten vor den riesigen Fernseher, so wird Tom nat\u00fcrlich vorgelesen und beh\u00fctet. Doch wie das Schicksal so spielt, greift nicht Jayden zur gro\u00dfen Weintraube und erstickt daran, sondern Tom.<br \/>\nF\u00fcr Dan beginnt ein schauriger H\u00f6llentrip und eine ungeahnte Abw\u00e4rtsspirale, die mit dem Rauswurf aus seinem Haus und der Trennung von Grace nicht enden wird. Alkohol, Drogen und eine Paranoia tun das \u00dcbrige. Und nat\u00fcrlich trifft Dan Jada im Pub und beide werden zu Saufkumpanen und auf seltsame Weise auch Freunde, denn Dan findet heraus, dass der gro\u00dfspurige Jada Analphabet ist. Als dann Jadas Deal beim Schusswaffenverkauf mit den Iren v\u00f6llig schief geht, kann Dan, der ihm auch das Lesen beibringt, mit einer gro\u00dfen Geldsumme das Leben retten. Doch Dan ist nicht mehr der sanfte wie r\u00fccksichtsvolle Perfektionist ohne Hintergedanken. Er hat von Jada und seinen brutalen Freunden, die jede noch so kleine Schw\u00e4che ausnutzen, gelernt, dass man sich nehmen muss, was man haben will. Und so verfolgt er als <em>\u201eOnkel Dan\u201c<\/em> einen perfiden Plan, der sich nat\u00fcrlich um den kleinen Jayden und sein Leben mit drogenabh\u00e4ngigen Eltern dreht.<\/p>\n<p><em>\u201eNicht lang, und Jayden w\u00fcrde in die Fu\u00dfstapfen seines Vaters treten, w\u00fcrde lernen, wie man andere Leute betr\u00fcgt, bedroht, abzockt und \u00fcber den Tisch zieht, wie man pr\u00fcgelt, sich aus der Verantwortung stiehlt und immer mehr Schei\u00dfe baut -&#8230; \u201e <\/em><\/p>\n<p>John Niven hat einen \u00e4u\u00dferst unterhaltsamen wie tragikomischen Roman \u00fcber zwei doch sehr ambivalente Protagonisten, die sich in v\u00f6llig unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus bewegen, geschrieben. Mit seinem trockenen Humor, der plastischen Figurensprache und den verschiedenen ironisch eingef\u00e4rbten Sichtweisen von Dan und Jada jeweils auf den Alltag des anderen, schafft er, eine glaubw\u00fcrdige Handlung bis zum m\u00e4rchengleichen Ende zu konstruieren. Ob es nun um toxische M\u00e4nnlichkeit, \u00fcberbordende oder eher gleichg\u00fcltige Vatergef\u00fchle oder gravierende Unterschiede bei der Herkunft geht, eins bleibt gleich, jeder kann aus existentiellen Tiefschl\u00e4gen lernen und in seinem Leben etwas \u00e4ndern. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Niven: Zwei V\u00e4ter, Aus dem Englischen von Stephan Glietsch, btb Verlag, M\u00fcnchen 2026, 416 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-442-76333-7 \u201eDan trank sein Glas leer und ging zur Bar. Dem Typ scheint der Diebstahl seines Autos am Arsch vorbeizugehen, dachte Jada. 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