{"id":6608,"date":"2026-04-05T12:15:24","date_gmt":"2026-04-05T10:15:24","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=6608"},"modified":"2026-04-05T12:15:24","modified_gmt":"2026-04-05T10:15:24","slug":"sven-stricker-soerensen-geht-aufs-haus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/sven-stricker-soerensen-geht-aufs-haus\/","title":{"rendered":"Sven Stricker:  S\u00f6rensen geht aufs Haus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sven Stricker:  S\u00f6rensen geht aufs Haus, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 2026, 525 Seiten, \u20ac15,00, 978-3-499-01738-4<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e&#8217;Wie soll die Moni denn nach Katenb\u00fcll gekommen sein?&#8216;<br \/>\n&#8218;Per Post&#8216;, sagte S\u00f6rensen.<br \/>\n&#8218;Per Post?&#8216;<br \/>\n&#8218;Korrekt. Sie verschicken nicht zuf\u00e4llig Pakete mit den sterblichen \u00dcberresten ihrer Frau? Irgendwohin?&#8216;<br \/>\n&#8218;Aber ich habe Ihnen doch gerade erkl\u00e4rt&#8230;.&#8216;<br \/>\n&#8218;Ja, sch\u00f6ne Geschichte.&#8216; S\u00f6rensen erhob sich \u00e4chzend.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es sind diese abstrusen oft m\u00e4andernden Dialoge, die der Kriminalhauptkommissar S\u00f6rensen ( ohne Vornamen ) bei Befragungen gern f\u00fchrt. Auch wenn er das vielleicht gar nicht will, verbreitet er gern eine depressive Stimmung, liebt seine siebenj\u00e4hrige Tochter, die allerdings in Hamburg lebt, ist eifers\u00fcchtig, wenn sein Hund Cord sich anderen Menschen zuwendet und ist sauer auf Jennifer Holstenbeck, seine Kollegin, die einfach mal etwas anderes sehen m\u00f6chte als das nordfriesische Kaff Katenb\u00fcll. Auch wenn die Norddeutschen eher als wortkarg verschrien sind, plappert S\u00f6rensen gern vor sich hin und bet\u00fcddelt neuerdings seinen krebskranken Vater, der nun bei ihm wohnt. Auch wenn S\u00f6rensen gut zuh\u00f6ren kann, seine allzu offenherzigen Gedankeng\u00e4nge laut formuliert, vergr\u00e4tzen allerdings viele Menschen. Sogar beim ersten Date nach langer Zeit erz\u00e4hlt S\u00f6rensen als Allererstes, dass er unter einer Angstst\u00f6rung leidet. Und seine Art von H\u00f6lzchen auf St\u00f6ckchen zu kommen, kann ziemlich nerven. Kriminalhauptkommissar S\u00f6rensen ist ein Original, dass man m\u00f6gen oder einfach nur anstrengend finden kann.<br \/>\n( Besprechungen der Vorg\u00e4ngerb\u00e4nde finden sich in diesem Literaturblog!)<br \/>\nUm etwas Schwung in die doch leicht \u00f6de Polizeiarbeit in Katenb\u00fcll zu bringen, f\u00fchrt Sven Stricker die Kriminalkommissaranw\u00e4rter (KKAnw ) Chiara Pagano ein. Mit ihrem Engagement und ihrer sympathischen Art beginnt sie ihr erstes Beh\u00f6rdenpraktikum. Beim aktuellen Fall allerdings dreht es sich anf\u00e4nglich nur um einen heftig andauernden Nachbarschaftsstreit im Ort. Olaf Hendrix, der mit seiner Mutter zusammenlebt, bekriegt sich mit der Familie G\u00f6ttlich, den neuen Mietern der Doppelhaush\u00e4lfte. Schnell wir klar, dass Tobias Schiefelbein, genannt Schiefel, der den Nachnamen seiner Frau angenommen hat, ein ehemaliger Jugendfreund von S\u00f6rensen ist.<br \/>\nParallel zur Geschichte wird in kursiven Passagen von S\u00f6rensens schwerer Kindheit und Jugend in den 1980er Jahren erz\u00e4hlt.<br \/>\nSchiefel betreibt mit seinem Bruder Michael eine Softwarefirma in Hamburg und arbeitet momentan an der Entwicklung einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen App, die witzigerweise das Zusammenleben von armen und reichen Menschen finanziell revolutionieren soll. Fast in der Endphase des Projekts scheint nur noch der Datenschutz das Problem zu sein. Doch ein neues bahnt sich ebenfalls an, denn Olaf Hendrix hat nachts im Garten von Schiefel eine verweste menschliche Hand und ein paar Knochen vergraben. Dies war allerdings nicht seine Idee, sondern ein gut bezahlter Auftrag, den er, um den Nachbarn zu vertreiben, ausgef\u00fchrt hat. Zeitgleich haben Thore Johansen und seine geschiedene Frau Christin anonym zugestellte Briefe erhalten, in denen behauptet wird, dass beide ihre vermisste Tochter Mia bei den G\u00f6ttlichs antreffen k\u00f6nnten. Die sechzehnj\u00e4hrige Mia ist vor zwei Jahren von einer Party nicht zur\u00fcckgekehrt. Schiefel hat nun Angst um seinen guten Ruf und die Reaktionen der Presse, Thore und Christin verzweifeln erneut, denn die Hand und die Knochen sind nicht von Mia, sondern einer alten Frau und S\u00f6rensen findet durch seine nervigen Befragungen heraus, wo Mia nach der Party damals war und wie es sein kann, dass ein Mann das Verschwinden seiner unausstehlichen Frau zwei Jahre verheimlichen kann.<br \/>\nMag einiges in der Handlung zu konstruiert erscheinen, so legt Sven Stricker doch wie in jedem guten Krimi die Finger in die gesellschaftlichen Wunden, wie Gewalt in der Ehe, Gewalt gegen Frauen und M\u00e4dchen generell, scheinheilige Unternehmen, Verlust\u00e4ngste und andere \u00c4ngste und die Lage von finanziell schlecht gestellten alleinerziehenden Frauen oder Rentnern.<br \/>\nFilmreif sind, wie auch in den Vorg\u00e4ngerb\u00e4nden, Szenen, in denen S\u00f6rensen sein Privatleben aufpeppen will. So trifft er sich mit seiner Internetbekanntschaft Charlotte im Dorfkrug und muss bevor sie sich an seinen Tisch setzt, alle m\u00f6glichen guten Ratschl\u00e4ge von den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen in der Kneipe ertragen, bis zum Wechsel seines alten Pullis gegen ein neues Hemd von einem Kneipengast. Das diese Begegnung, bei der alle in der Kneipe zuh\u00f6ren, nur schief gehen kann, ist vorprogrammiert.<br \/>\nLetztendlich wird nicht nur ein verzwickte Fall gel\u00f6st und S\u00f6rensen erkennt, dass er mit seinem einstigen besten Freund Schiefel heute nicht mehr befreundet sein m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sven Stricker: S\u00f6rensen geht aufs Haus, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 2026, 525 Seiten, \u20ac15,00, 978-3-499-01738-4 \u201e&#8217;Wie soll die Moni denn nach Katenb\u00fcll gekommen sein?&#8216; &#8218;Per Post&#8216;, sagte S\u00f6rensen. &#8218;Per Post?&#8216; &#8218;Korrekt. 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