{"id":6536,"date":"2026-04-03T12:25:05","date_gmt":"2026-04-03T10:25:05","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=6536"},"modified":"2026-04-03T12:25:05","modified_gmt":"2026-04-03T10:25:05","slug":"peter-probst-am-helllichten-tag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/peter-probst-am-helllichten-tag\/","title":{"rendered":"Peter Probst:  Am helllichten Tag"},"content":{"rendered":"<p><strong>Peter Probst: Am helllichten Tag, Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2026, 333 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-453-27564-5<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEs handelte sich um eine Spiegel-Reportage aus dem Jahr 1974 \u00fcber die wiederaufgenommenen Ermittlungen zu den drei vermissten Kindern, Walter Broschat, Klaus-Dieter Stark und Eveline L\u00fcbbert. Bereits nach wenigen Zeilen hatte Toni den Eindruck, einen Krimi zu lesen. Held war der Kriminalrat Ernst Fischer. Als er in seinem neuen Amt als Kripochef in Pirmansens auf die drei Cold Cases stie\u00df, war er schnell \u00fcberzeugt, es nicht mit Einzeltaten, sondern einer Serie zu tun zu haben.\u201c <\/em><\/p>\n<p>In den Jahren 1960, 1964 und 1967 verschwand immer an einem Freitag am helllichten Tag in Pirmasens ein Kind. Die beiden Jungen und das M\u00e4dchen waren im Alter zwischen acht und zehn Jahren. Eine Trag\u00f6die f\u00fcr die Eltern, ein trauriger Tiefpunkt der Polizeiarbeit in der Pfalz, denn niemals wurde aufgekl\u00e4rt, was mit den Kindern geschehen ist.<br \/>\nPeter Probst verbindet nun den True Crime mit einem fiktiven Fall. Der Autor erfindet rund um das Verschwinden von Klaus \u2013 Dieter Stark, genannt Klausel, seine Handlung, die zeitversetzt im Jahr 1964 und in der Gegenwart spielt. Ohne Helikoptereltern und bei geringem Verkehrsaufkommen spielten die Freunde von Klausel einst auf der Stra\u00dfe oder da, wo f\u00fcr die Jungen Abenteuer lauern k\u00f6nnten. Der Anf\u00fchrer der Jungengruppe ist Erwin Papin, der genau an dem Tag als Klausel verschwindet, sich ein perfides Spiel ausgedacht hatte. Dieser Erwin Papin ist nun verstorben und er hinterl\u00e4sst seiner Tochter, Antonia Papin, genannt Toni, sein Haus und einen angefangenen Brief, in dem es um existentielle Gewissensbisse und Schuldgef\u00fchle geht.<br \/>\nDie Journalistin Toni hatte kein so gutes Verh\u00e4ltnis zum Vater und selten hat sie ihn von M\u00fcnchen aus besucht. Doch pl\u00f6tzlich steht sie im stillen Haus des Vaters und fragt sich, was ihn so sehr bedr\u00fcckt hat und warum er letztendlich so verschlossen war und sehr religi\u00f6s.<br \/>\nParallel zu dieser Handlung wird von Vanessa Conti, einer jungen Frau, erz\u00e4hlt, die offensichtlich entf\u00fchrt wurde. Und die Nachricht von einer beliebten \u00c4rztin aus Pirmasens schockt die Bewohner, denn bedr\u00e4ngt von Hassmails und widerlichen Kommentaren hat sie nur einen Ausweg gesehen, den Freitod.<br \/>\nToni besch\u00e4ftigt der Brief des Vaters, und sie beginnt zu recherchieren und st\u00f6\u00dft auf die Cold Cases. Sie lernt den Polizisten Leo Steiner kennen und hofft auf seine kooperative Hilfe, muss aber einsehen, dass er sich zwar in Toni verliebt hat, ihr aber keine Informationen liefern kann.<br \/>\nDurch die R\u00fcckblicke in das Jahr 1964 und die erneute Aufnahme der Polizeiarbeit 1973 gew\u00e4hrt Peter Probst nicht nur Einblicke in die unsensible Art und Weise wie die Ermittler mit den beteiligten Kindern als Zeugen umgegangen sind, sondern auch \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse in den Familien. Rigide wurde hier den Jungen, auch Erwin, mit <em>\u201eKindergef\u00e4ngnis\u201c<\/em> gedroht und sie wurden zu Aussagen gen\u00f6tigt, um den h\u00e4uslichen Strafen zu entgegen. F\u00fcr Erwins Vater, der allerdings fr\u00fch verstorben ist, war nur wichtig, was die Nachbarn sagen k\u00f6nnten. Sein Sohn und dessen \u00c4ngste spielten f\u00fcr ihn keine Rolle. In den Familien herrscht diese tiefe Ehrfurcht vor Amtspersonen und es wird wie auch zu anderen Zeiten geschwiegen. Nicht anders verliefen die Befragungen in den 1970er Jahren, in denen der neue Kripochef durch das Ausscheckverfahren, dem Vorl\u00e4ufer der Rasterfahndung schnelle Erfolge verzeichnen wollte und sich auf einen Tatverd\u00e4chtigen konzentrierte. Auch zu diesem Zeitpunkt wurde Erwin zu einer Aussage gegen einen psychisch kranken Mann gedr\u00e4ngt, die er dann jedoch im Prozess widerrief. Nach und nach versucht Toni, sich in den Vater hineinzuversetzen und sie kann sogar seinen Pfarrer dazu bewegen, vieles \u00fcber das Leben des Vaters zu erz\u00e4hlen, wovon die Tochter keine Ahnung hat.<br \/>\nDiese realistischen, wie beklemmenden Schilderungen von Erwins Kindheit und der gesellschaftlichen Atmosph\u00e4re in den 1960er und 1970er Jahren z\u00e4hlen zu den St\u00e4rken des Romans. Aber Peter Probst will zu viel und vieles bleibt unstimmig. Die gegenw\u00e4rtige Handlung rund um das entf\u00fchrte, sehr junge und offenbar schwangere M\u00e4dchen und die Liebesgeschichte von Toni und Leo wirkt dagegen eher blass, denn hier scheint ein gutes Ende f\u00fcr den Autor Pflicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Probst: Am helllichten Tag, Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2026, 333 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-453-27564-5 \u201eEs handelte sich um eine Spiegel-Reportage aus dem Jahr 1974 \u00fcber die wiederaufgenommenen Ermittlungen zu den drei vermissten Kindern, Walter Broschat, Klaus-Dieter Stark und Eveline L\u00fcbbert. 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