{"id":6336,"date":"2025-11-26T09:51:11","date_gmt":"2025-11-26T08:51:11","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=6336"},"modified":"2025-11-26T09:51:11","modified_gmt":"2025-11-26T08:51:11","slug":"ande-pliego-mit-toedlichen-gruessen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/ande-pliego-mit-toedlichen-gruessen\/","title":{"rendered":"Ande Pliego: Mit t\u00f6dlichen Gr\u00fc\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ande Pliego: Mit t\u00f6dlichen Gr\u00fc\u00dfen, Aus dem Amerikanischen von Alexandra Kranefeld, Limes Verlag, M\u00fcnchen 2025, 496 Seiten, \u20ac17,00, 978-3-8090-2799-7  <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eSpielerische Selbstjustiz und ein bisschen Nervenkitzel, so war diese Woche gedacht gewesen. Die gelegten Spuren und abendlichen Krimi-Dinner sollten darin gipfeln, dass die Teilnehmenden mehr oder eher minder freiwillig ihre dunkelsten Geheimnisse preisgaben und ihre S\u00fcnden gestanden. So weit der Plan. Und h\u00e4tten Alastor und ich einen guten Job gemacht, w\u00e4re er auch aufgegangen.<br \/>\nJetzt jedoch hatten wir einen Toten. Rodrigo Sandoval, internationaler Bestsellerautor, war ermordet worden.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Eine bestimmte Anzahl von Personen, die sich entweder aus fr\u00fcheren Zeiten kennen oder auch nicht, die allerdings etwas Bestimmtes verbindet, an einem isolierten Ort zu versammeln und dann Exempel zu statuieren, ist im Krimi-Genre eigentlich bereits zu oft durchexerziert worden. Ein v\u00f6llig neuer Ansatz w\u00e4re gefragt, wenn man auf den Wegen von Agatha Christie oder anderen namhaften Autoren wandeln will. Ande Pliego jedoch hat ihn nicht gefunden und ihr sind auch logistisch leider einige Fehler unterlaufen.<br \/>\nEingeladen vom mysteri\u00f6sen Gastgeber J.R.Alastor, einem weltber\u00fchmten Krimiautor, dessen Gesicht und Herkunft niemand kennt, reisen sechs Schriftsteller an, die ebenfalls erfolgreich Kriminalromane ver\u00f6ffentlicht haben. Unweit von Maine hat Alastor die Privatinsel Wolf Harbor Estate gekauft und sich hier sein Refugium geschaffen. Eine Woche soll der Aufenthalt der sieben Autoren dauern, die sich alle ziemlich geehrt f\u00fchlen. Die Eventmanagerin Mila del Ang\u00e9l empf\u00e4ngt die G\u00e4ste und k\u00fcmmert sich auch um den Koch und das Hausm\u00e4dchen. Akribisch wurden die Tagespl\u00e4ne von Mila und Alastor, den sie nie gesehen hat und mit ihm nur per Messenger kommuniziert, ausgearbeitet. Zur Freude seiner G\u00e4ste hat Alastor eine Sammlung von den sogenannten Ikonen der Popkultur zusammentragen, u.a. das Messer aus dem Horrorklassiker \u201ePsycho\u201c. Neben den jungen Deb\u00fctanten, Asthon Carter und Violet Blake sind weiterhin Rodrigo und Olivia Sandoval, Thomas Fletcher und Cassandra Hutchinson, die um die siebzig ist, angereist. Schnell wird klar, dass Alastor kaum die Absicht hat, seine illustren G\u00e4ste kennenzulernen. Mila hingegen hat den gut bezahlten Job nur angenommen, da sie sich an jemandem r\u00e4chen und in den angeblichen Selbstmord treiben will.<br \/>\nMultiperspektivisch und ausufernd erz\u00e4hlt Ande Pliego aus den Blickwinkeln von Mila, Rodrigo, Cassandra und Ashton. Ausz\u00fcge aus dem neuesten Werk von Alastor \u00fcber die Erz\u00e4hlkunst ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung und Kapitel aus den Krimis mit Beschreibungen der Morde der anwesenden Autoren, die mit den Namen der G\u00e4ste pr\u00e4pariert wurden, versetzen alle in Angst und Schrecken.<br \/>\nDenn kaum angekommen, gibt es auch schon die erste fein drapierte Leiche weit vom Haupthaus entfernt. Rodrigo, einst Anwalt, f\u00fchlt sich f\u00fcr etwas schuldig und scheint einem seiner Figuren aus dem eigenen Roman gleich hingerichtet worden zu sein. Der arrogante Fletcher, der sich zu gern \u00fcber den j\u00fcngeren Asthon lustig macht, glaubt, dass diese Leiche nur ein Fake ist. Da das WLAN von Mila ausgeschaltet wurde, wird die Polizei nicht informiert. Auch nach der zweiten, dritten und vierten Leiche und Milas aufkommenden Zweifeln \u00fcber ihre Rolle als vermeintliche Komplizin nimmt niemand Kontakt zur Polizei auf. Alle G\u00e4ste haben irgendwelche Leichen im Keller, d.h. sie haben Manuskripte oder Ideen gestohlen, Identit\u00e4ten ver\u00e4ndert, sind am Tod anderer schuldig geworden oder werden als Serienkiller enttarnt. W\u00fcrden sie sich schuldig bekennen und selbstkritisch in die eigenen Abgr\u00fcnde sehen, k\u00f6nnten sie weiterleben. Doch wer ist nun der Racheengel, der alle Pl\u00e4ne f\u00fcr diese Woche in der Autorenresidenz durchkreuzt? Und wo ist das Motiv? Ist es einer oder eine der Anwesenden? Dass alle sich schon mal begegnet sind, wird auch mal so nebenher erz\u00e4hlt und wirkt etwas unlogisch.<br \/>\nUnklar ist, warum Mila nicht von der Person erkannt wird, an der sie sich r\u00e4chen will. Obwohl dieser Roman fast f\u00fcnfhundert Seiten umfasst, ergibt sich kein klares Bild von den einzelnen Figuren, die das Genre Krimi so lieben und ihrer individuellen Schreibweise. Die Morde an Koch und Hausm\u00e4dchen wirken v\u00f6llig \u00fcberraschend und unn\u00f6tig. Nur drei der angereisten G\u00e4ste werden die Insel traumatisiert verlassen und am Ende den Versuch unternehmen, zu analysieren, was eigentlich geschehen ist.<br \/>\nDer dramatische Erz\u00e4hlbogen f\u00fcr diesen Krimi funktioniert nicht, da die Handlung sich immer wieder zerfasert und die Whodunit \u2013 Aufl\u00f6sung mit den hintergr\u00fcndigen Motiven zu lang auf sich warten l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ande Pliego: Mit t\u00f6dlichen Gr\u00fc\u00dfen, Aus dem Amerikanischen von Alexandra Kranefeld, Limes Verlag, M\u00fcnchen 2025, 496 Seiten, \u20ac17,00, 978-3-8090-2799-7 \u201eSpielerische Selbstjustiz und ein bisschen Nervenkitzel, so war diese Woche gedacht gewesen. 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