{"id":6332,"date":"2025-11-26T09:42:38","date_gmt":"2025-11-26T08:42:38","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=6332"},"modified":"2025-11-26T09:42:38","modified_gmt":"2025-11-26T08:42:38","slug":"anthony-horowitz-tod-zur-teestunde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/anthony-horowitz-tod-zur-teestunde\/","title":{"rendered":"Anthony Horowitz: Tod zur Teestunde"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anthony Horowitz: Tod zur Teestunde, Aus dem Englischen von Lutz &#8211; W. Wolff, Insel Verlag, Berlin 2025, 572 Seiten, \u20ac25,00,  978-3-458-64515-3 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDas ist das Problem bei Kriminalromanen. Der Anfang, die Charaktere und alles andere k\u00f6nnen noch so brillant sein \u2013 am Ende h\u00e4ngt alles vom letzten Kapitel ab. Erst wenn der Leser da ankommt, entscheidet er sich, ob ihm das Buch gefallen hat oder nicht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Keine Frage, auch in diesem Band ist das letzte Kapitel eindeutig das Highlight. Allerdings verschachtelt Anthony Horowitz gleich mehrere Handlungsstr\u00e4nge mit vielen Figuren in seinem Roman und am Ende verfasst sogar ein Londoner Ermittler das letzte Kapitel der fiktiven Geschichte in der fiktiven Geschichte. Klingt alles sehr kompliziert und ist es am Ende auch, denn mehrere Morde in drei verschiedenen Zeitebenen und Handlungen geschehen und m\u00fcssen letztendlich im Kreis der Verd\u00e4chtigen aufgekl\u00e4rt werden.<br \/>\nIn dieses Dunkel kann nur die erfahrene, freiberufliche Lektorin Susan Ryeland Helligkeit bringen. Sie hat ihr Leben auf Kreta aufgegeben, wohnt nun wieder in London und braucht Arbeit. Wie auch in den Vorg\u00e4ngerb\u00e4nden mit Susan als Hauptfigur ( Eine Rezension ist in diesem Literaturblog zu finden: http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-tote-aus-zimmer-12\/ ) verfolgt die F\u00fcnfundf\u00fcnzigj\u00e4hrige der ermordete Starautor Alan Conway und seine erfolgreiche Reihe um den Detektiv Atticus P\u00fcnd. In ihrem neuen Verlag Causton Books soll nun ein Sequel mit dem Titel <em>\u201eP\u00fcnds letzter Fall\u201c<\/em> erscheinen, den Susan lektorieren soll. Als Autor hat der Verlag Eliot Crace unter Vertrag genommen. Zwar floppten seine beiden Krimis und ein nicht gerade guter Ruf eilt ihm voraus, aber der talentierte wie l\u00e4ssige Eliot bekommt seine Chance und Susan die ersten Kapitel des neuen Romans. Dass er eine Plage ist, ahnt Susan schnell, denn der reiche Lebemann ist der Enkel der weltber\u00fchmten Kinderbuchautorin Miriam Crace, die mit ihrer <em>\u201eLittle People\u201c<\/em> &#8211; Reihe ganze Generationen begl\u00fcckt hat. Gut vermarktet erwarten die Crace \u2013 Erben ein lukratives Angebot von Netflix f\u00fcr mehrere Verfilmungen.<br \/>\nEliots Handlung spielt im Jahr 1955 in S\u00fcdfrankreich und im Zentrum der Geschichte steht eine wohlhabende dysfunktionale Familie. Atticus P\u00fcnd trifft Lady Chalfont vor ihrer Reise nach Nizza ausgerechnet beim Arzt. Beiden bleibt nicht mehr viel Lebenszeit und Lady Chalfont l\u00e4dt P\u00fcnd ein, da sie seine Hilfe ben\u00f6tigt. Doch bevor P\u00fcnd noch ihre Villa betreten kann, wird sie beim Nachmittagstee vergiftet. Zeitgleich trifft auch ihr Anwalt ein, da dieser wohl ihr Testament \u00e4ndern sollte.<br \/>\nMit einem Cliffhanger versehen endet das erste Manuskript von Eliot Crace, der sich als schwieriger Autor herausstellt und Susans Arbeit als Lektorin kaum sch\u00e4tzt. Ziemlich schnell wird auch deutlich, dass Eliot in seinem Roman Figuren auftreten l\u00e4sst, die fast eins zu eins denen seiner eigenen Familie \u00e4hneln. Wie Alan Conway spielt Eliot Crace, der allzu viel trinkt und auch Drogen konsumiert, gern mit Anagrammen. Nach Susans Recherchen, die ihr gar nicht behagen, verarbeitet Eliot in diesem Sequel rund um Lady Chalfont die seiner eigenen Familie rund um die Matronin Miriam Crace. Sie hat ihre Familienmitglieder dazu gen\u00f6tigt, mit ihr in einem dunklen Schloss namens Marble Hall in Wiltshire zu wohnen. Nat\u00fcrlich darf die \u00d6ffentlichkeit dies nie erfahren, aber die scheinbar gutherzige Kinderbuchautorin, die sehr viel Geld f\u00fcr Kinderheime gespendet hat, war eine kaltherzige, manipulative wie niedertr\u00e4chtige Person. Sie hat ihren Kindern, Enkeln und ihrem Adoptivsohn das Leben zur H\u00f6lle gemacht. Mit ihrem Geld konnte sie alle in Schach halten und an sich binden. Als sie starb, war Eliot zw\u00f6lf Jahre alt, doch seine Erinnerungen und die Folgen der Tyrannei besch\u00e4ftigen ihn bis heute. Susan w\u00fcrde am Manuskript gern einiges \u00e4ndern, aber sie ahnt, dass Eliot Crace mit seinem fertigen Buch ein ganz bestimmtes Ziel verfolgt. Er will Unruhe stiften, die Familienmitglieder schockieren, die \u00d6ffentlichkeit informieren und so behauptet er auch, dass Miriam Crace im hohen Alter kaum eines nat\u00fcrlichen Todes gestorben sei. Auch sie wurde wie Lady Chalfont vergiftet. Nach einem Eklat bei einer Familienfeier zu Ehren der angeblich so bewunderten wie ber\u00fchmten Gro\u00dfmutter wird deutlich, Eliot geht es um Rache und um alte Rechnungen, die es zu begleichen gilt. Er behauptet, er w\u00fcrde den M\u00f6rder seiner Gro\u00dfmutter kennen und in seinem neuen Roman entlarven. Doch kaum ist die Drohung ausgesprochen, \u00fcberf\u00e4hrt ihn ein Auto. Warum nun ausgerechnet Susan als Verd\u00e4chtige befragt wird, kann sie sich kaum erkl\u00e4ren, denn Eliot und sogar der Verlagsleiter haben ihr sehr deutlich gesagt, dass sie als Lektorin nicht mehr erw\u00fcnscht ist. Aber so schnell gibt Susan nicht auf und wird mit Hilfe des sympathischen Detective Inspector Blakeney am Ende den M\u00f6rder stellen, der zum einen Miriam Crace und als Parallelfigur im Roman auch Lady Chalfont vergiftet hat.<br \/>\nWhodunit &#8211; Romane auf zwei Ebenen zu erz\u00e4hlen, ist schon eine Herausforderung, zumal auch noch Nebenhandlungen, u.a die Vorgeschichte und tragische Geschehnisse zwischen Susan und dem ziemlich unangenehmen Autor Alan Conway untergebracht werden m\u00fcssen und unterschiedliche wie \u00fcberzeugende Motive f\u00fcr die Morde. Au\u00dferdem streift Anthony Horowitz auch noch die finanziellen Untiefen und Abh\u00e4ngigkeiten des Verlagswesen, die Kunst des Lektorierens und bringt seine Hauptfigur Susan wiedermal ungewollt in lebensbedrohliche Situationen.<\/p>\n<p>Wie immer, spannend bis zur letzten Seite!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anthony Horowitz: Tod zur Teestunde, Aus dem Englischen von Lutz &#8211; W. Wolff, Insel Verlag, Berlin 2025, 572 Seiten, \u20ac25,00, 978-3-458-64515-3 \u201eDas ist das Problem bei Kriminalromanen. 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