{"id":6304,"date":"2025-11-25T16:08:59","date_gmt":"2025-11-25T15:08:59","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=6304"},"modified":"2025-11-25T16:08:59","modified_gmt":"2025-11-25T15:08:59","slug":"arttu-tuominen-was-wir-nicht-sehen-wollen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/arttu-tuominen-was-wir-nicht-sehen-wollen\/","title":{"rendered":"Arttu Tuominen: Was wir nicht sehen wollen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Arttu Tuominen: Was wir nicht sehen wollen, Aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen, L\u00fcbbe Verlag, K\u00f6ln 2025, 384 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-7577-0146-8 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eF\u00fcr Aleksi hatte sie alles aufgegeben. Ihre Moral, ihre Ethik, ihre Seele. Sie war das geworden, was sie am meisten verachtete. Eine schlechte Polizistin.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die Kommissariatsleiterin Susanna Manner steckt in tiefen Schwierigkeiten, denn im wundersch\u00f6nen Finnland, in dem angeblich die in Europa gl\u00fccklichsten Menschen wohnen, tummeln sich neuerdings wie in Schweden jugendliche Banden, die die Stadtbewohner von Pori verunsichern. Alle brutalen \u00dcbergriffe auf hilflose Obdachlose, die zur Anzeige gebracht wurden, hatte Susanna Manner aus Angst, dass ihr drogens\u00fcchtiger Sohn Aleksi darin verwickelt sein k\u00f6nnte, nicht f\u00fcr Ermittlungen freigegeben. Aleksi hat sich der Bande von Ilkka Rajala angeschlossen und diese arbeitet auch noch f\u00fcr den stadtbekannten serbischen Drogenh\u00e4ndler Dragan Valenski. Dabei muss Aleksi f\u00fcr einen \u00dcberfall auf einen Kiosk demn\u00e4chst ins Gef\u00e4ngnis. Als Susanna Manner mit siebzehn Jahren schwanger wurde, hatte sie keine Hilfe. Doch sie hat Jura studiert und sich als alleinerziehende Mutter durchgeschlagen. Ihr Sohn jedoch hat zwar das Abitur geschafft, doch seine Drogensucht zerst\u00f6rt nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Mutter. Es wird sogar so weit kommen, dass Dragan Valenski sie mit Hilfe von Aleksis Straftaten erpressen kann. Und Manner schweigt gegen\u00fcber ihren Kollegen und nutzt ihr Stellung aus, um nach einer L\u00f6sung f\u00fcr Aleksis Problemen zu suchen.<br \/>\nDies ist kein Krimi f\u00fcr schwache Nerven, denn die Gruppe der Schw\u00e4chsten in der Gesellschaft, die Obdachlosen, werden nicht nur verpr\u00fcgelt, sondern durch den geheimnisvollen Erl\u00f6ser auch noch bestialisch get\u00f6tet. Die Ermittler k\u00f6nnen nicht fassen, dass, und das sehen sie auf einer schlechten Aufzeichnungskamera, die Obdachlosen nach einem Gespr\u00e4ch mit einer vermummten Gestalt sich selbst mit Benzin \u00fcbergie\u00dfen und anz\u00fcnden.<br \/>\nArttu Tuominen umkreist nicht nur die privaten Verh\u00e4ltnisse von Susanne Manner, sondern auch die von Kriminaloberkommissar Jari Paloviita. Der Dreiundvierzigj\u00e4hrige hat von au\u00dfen betrachtet alles, ein sch\u00f6nes Haus, wohlgeratene Kinder und eine Frau. Doch kein noch so teures Designerst\u00fcck konnte seine Ehe retten. Paloviita arbeitet nicht immer ganz regelkonform und er hadert mit sich, weil er seinen besten Freund Antti aus den Augen verloren hat, der jetzt vielleicht auch auf der Stra\u00dfe lebt und in Gefahr ist. Wie kommt es, dass Menschen mittellos auf der Stra\u00dfe landen? Warum nehmen sie die Hilfe von Sozialarbeitern, z.B. im Blaubandhaus nicht an? Und warum ist die Polizei so machtlos, wenn Jugendliche gnadenlos auf Menschen losgehen, die sich nicht wehren k\u00f6nnen? Dabei legen die Banden es neuerdings auch darauf an, sich mit Polizisten zu pr\u00fcgeln, da sie straffrei davonkommen. Umfangreich ist die Arbeit der Ermittler, die Dokumente auswerten, Handyortungen und Videoaufnahmen \u00fcberpr\u00fcfen und mit allen Beteiligten sprechen m\u00fcssen. Dass jemand die Stadt<em> \u201ereinigt\u201c<\/em> und auch alle Kameras in der Stadt kennt, macht Jari Paloviita besonders \u00e4rgerlich. In ihrer Verzweiflung versucht die Polizei, einen Lockvogel aus ihren Reihen auf die Banden und den Erl\u00f6ser anzusetzen. Und Paloviita und Manner informieren sich bei einer Spezialistin nach Hypnose und Suggestion, um zu verstehen, wie der Erl\u00f6ser seine Opfer manipuliert und gef\u00fcgig macht.<br \/>\nDer finnische Autor Arttu Tuominen erz\u00e4hlt von gesellschaftlichem wie individuellem Versagen und stellt das Vertrauen in die Polizei wieder her, die letztendlich den T\u00e4ter stellen wird. Ob Banden und Drogenkartelle verschwinden, wenn die f\u00fchrenden Personen im Gef\u00e4ngnis sitzen oder get\u00f6tet wurden, w\u00e4re eine Illusion. Fraglich auch, dass Staatsdiener Selbstjustiz \u00fcben. Und so verzichtet der Autor auf ein klar auserz\u00e4hltes Ende, was Raum f\u00fcr Spekulationen l\u00e4sst und das Interesse an einem Fortsetzungsband der erfolgreichen <em>\u201eRiver-Delta-Reihe\u201c<\/em> .<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arttu Tuominen: Was wir nicht sehen wollen, Aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen, L\u00fcbbe Verlag, K\u00f6ln 2025, 384 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-7577-0146-8 \u201eF\u00fcr Aleksi hatte sie alles aufgegeben. Ihre Moral, ihre Ethik, ihre Seele. 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