{"id":610,"date":"2019-06-22T12:55:24","date_gmt":"2019-06-22T10:55:24","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=610"},"modified":"2019-06-22T12:55:24","modified_gmt":"2019-06-22T10:55:24","slug":"oh-meingott","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/oh-meingott\/","title":{"rendered":"Oh! Mein!Gott!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Meg Rosoff: Oh! Mein!Gott!, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit, S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2012, 237 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-10-066070-1<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDas Problem ist seine Aufmerksamkeitspanne, die Unf\u00e4higkeit, sich dauerhaft f\u00fcr etwas zu interessieren, der Hang, seine neuen Spielzeuge in irgendwelchen \u00f6den Winkeln der Erde auszurangieren, wo sie Staub ansetzen, w\u00e4hrend er dem n\u00e4chsten hei\u00dfen Flittchen hinterherjagt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Bob ist Gott. Niemand wollte den Posten haben, denn die Erde liegt so weitab vom Schuss im Universum. Also pokerte man und die leichtlebige, wie oberfl\u00e4chliche Mona gewann und \u00fcbergab den Job an ihren nichtsnutzigen Sohn Bob. Er ist nun der Sch\u00f6pfer aller Dinge auf Erden. Allerdings stellte man ihm Mr. B. an die Seite, der alles richten muss. Bob ist wie m\u00f6glicherweise mehrere Jugendliche arrogant, einsilbig, schlecht erzogen und ein Langschl\u00e4fer. Am Beginn hat Bob noch Ideen und erschafft die Erde in sechs Tagen, auch mit Mr. B.&#8217;s  Hilfe. Zwar hat er enorme Energie und verf\u00fcgt \u00fcber Verwegenheit und Kraft, aber er verliert doch schnell die Lust an der Vollendung. Eins kann Bob gar nicht, M\u00e4ngel erkennen und vorausschauend eind\u00e4mmen. Und dann kommt sein Meisterst\u00fcck \u2013 die Menschen. Er hat diese nach seinem Bilde erschaffen und heraus kommt ein Fiasko. So richtig interessiert ist er an ihnen auch kaum. Nur die jungen Frauen schaffen ab und zu Abwechslung im Einerlei der Jahrtausende. Neuerdings hat sich Bob in Lucy verguckt, ein junges, \u00fcppiges, attraktives M\u00e4dchen, 21 Jahre alt und leidenschaftliche Tierpflegerin. Mr. B. ist entsetzt \u00fcber Bobs Sexualtriebe, die die Erde immer wieder in neue Naturkatastrophen st\u00fcrzen, die Bob kaum k\u00fcmmern. Mr. B. reicht sein K\u00fcndigungsschreiben ein und hofft auf einen dankbareren Job, als immer wieder sich um Hungersnot, Kriege und Umweltdebakel k\u00fcmmern zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bob, auch etwas unsicher, n\u00e4hert sich langsam seiner Angebeteten und entwickelt die idiotische Idee als Unsterblicher, sie heiraten zu wollen. Doch eins ist klar, Bob kann nicht Gott und Mensch gleichzeitig sein.<br \/>\nInzwischen hat die ebenfalls ziemlich chaotische Mutter von Bob einfach sein Haustier Eck, ein angeblich schmackhaftes Wesen, das einem Pinguin gleicht, beim Pokern an einen anderen Gott verspielt. Er will Eck nun verspeisen. Bob ist recht gleichg\u00fcltig und eigentlich nur sauer, dass seine Mutter hinter seinem R\u00fccken seine Dinge verausgabt. Die Tochter eines Gottes, die einzige, die sich fragt, welchen Sinn ihr Dasein hat, jedoch empfindet Mitleid mit dem armen Tier.<\/p>\n<p>Immer wieder h\u00f6rt Mr. B. die Sto\u00dfgebete der Menschen und versucht zu helfen. Bob hat immer weniger Lust auf seine Allmacht, die irgendwie auch nicht mehr funktioniert, auch wenn er aus der <em>\u201eGottmasche\u201c <\/em>so eine Vorteile gezogen hat. Fr\u00fcher konnte er die Ungehorsamen in Salzs\u00e4ulen verwandeln, brennende B\u00fcsche und Froschplagen schicken. <em> \u201eHeute war ihm kaum noch erlaubt, sich schnell mal einen freien Parkplatz zu besorgen.\u201c<\/em> Aber das f\u00e4llt ja nun alles in Mr.B.&#8217;s Arbeitsbereich.<br \/>\nBob muss sich am\u00fcsieren und dem Stillstand entgegenarbeiten.<\/p>\n<p>Wie sich Bob, Mr.B., Mona, Lucy und Eck aus all dem Dilemma befreien und jeder seinen ganz eigenen Weg finden wird, das liest sich rasend komisch.<\/p>\n<p>Die Erschaffung der Erde als Zufallsprodukt eines durchgeknallten, wie lethargischen jungen Mannes zu deuten, ist schon ein genialer Einfall. Die amerikanische bereits lang in Gro\u00dfbritannien lebende Autorin Meg Rosoff beweist mit ihrem vor Ideen und mythologischen wie gesellschaftspolitischen Anspielungen nur so strotzenden Romans, die Allmacht Gottes ist anfechtbar und niederschmettern.<br \/>\nWie erkl\u00e4rt man sich die Debakel auf der Erde, die Unf\u00e4higkeit der Menschen in Frieden zu leben? Ein junger, hormongesteuerter Erwachsener, ausgestattet mit den Eigenschaften der Jugend, wie Gleichg\u00fcltigkeit, ma\u00dflose \u00dcbersch\u00e4tzung und permanente Verantwortungslosigkeit hat an allem Schuld. Sein Handlanger Mr B. kann nur Schadensbegrenzung leisten.<\/p>\n<p>Indirekt tobt im Hintergrund ein Generationenkrieg zwischen Mr. B., dem Probleml\u00f6ser und Bob, der alles auf den Kopf stellt und sich um nichts k\u00fcmmert.<br \/>\nMit gro\u00dfer Leichtigkeit und Augenzwinkern spielt die Autorin ihr Ideenmodell vom jugendlich unbek\u00fcmmerten Sch\u00f6pfer durch und erteilt ihm sogar am Ende noch Absolution.<\/p>\n<p>Auch die G\u00f6tter sind bei aller Unsterblichkeit fehlbar, labil, spiels\u00fcchtig und verantwortungslos. Der Apfel f\u00e4llt nicht weit vom Stamm und doch gibt es Ausnahmen.\\r\\n\\r\\nAbsoluter Lesespa\u00df mit Tiefgang!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meg Rosoff: Oh! Mein!Gott!, Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit, S. 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