{"id":608,"date":"2019-06-22T12:55:53","date_gmt":"2019-06-22T10:55:53","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=608"},"modified":"2019-06-22T12:55:53","modified_gmt":"2019-06-22T10:55:53","slug":"wir-beide-irgendwann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wir-beide-irgendwann\/","title":{"rendered":"Wir beide, irgendwann"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jay Asher, Carolyn Mackler: Wir beide, irgendwann, Aus dem Amerikanischen von Knut Kr\u00fcger, cbt, M\u00fcnchen 2012, 400 Seiten, \u20ac17,99, 978-3-570-16151-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDoch wenn sie sich heimlich daranmacht, ihre Zukunft zu ver\u00e4ndern, dann k\u00f6nnte sie ungewollt auch meine Zukunft beeinflussen. Und mir gef\u00e4llt mein Zukunft!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 1996 richtet sich die 16-j\u00e4hrige Emma mit einer CD von AOL ihren E-Mail-Account ein. Die CD hat sie von ihrem langj\u00e4hrigen Freund und Nachbarn Josh erhalten. Aber seit einem guten Jahr gehen sich die beiden auf der Highschool, aber auch privat aus dem Weg, denn Josh hat l\u00e4ngst bemerkt, dass Emma f\u00fcr ihn mehr ist als nur eine Nachbarin und Jugendfreundin. Emma ist von Joshs Ann\u00e4hrungsversuchen eher \u00fcberrascht und reagiert abweisend.<\/p>\n<p>Noch ist es die Zeit, in der man nicht parallel telefonieren und im Internet surfen kann, Blog ist ein Fremdwort und was ein iPad ist, wei\u00df auch noch niemand. Alles Zukunftsmusik, und doch ger\u00e4t Emma, und sie kann es gar nicht fassen auf eine Website, die Facebook hei\u00dft und sie liest dort Eintr\u00e4ge von einer Emma Nelson Jones, die diese 2011 gepostet hat. Zu diesem Zeitpunkt m\u00fcsste Emma Anfang 30 sein, wenn es wirklich ihre Seite ist.<\/p>\n<p>Jeweils aus Emmas und Joshs Perspektive entwickelt sich nun die temporeiche Handlung. Emma zieht, auch wenn es sie verunsichert, Josh zu Rate. Ist diese Website ein Fake, ein Witz oder wie kann es sein, dass beide, auch Josh erscheint bei Facebook, offenbar pers\u00f6nliche Informationen, einschlie\u00dflich Fotos, die sie selbst noch gar nicht entwickelt haben, auf Websites ver\u00f6ffentlicht sind, die sie gar nicht kennen? Und die Infos stimmen. Immer noch ist Emmas Trostessen \u00fcberbackene Makkaroni. \u00c4rgerlich jedoch ist, dass Emma mit ihrem zuk\u00fcnftigen Ehemann Jordon James Jr. nicht gerade gl\u00fccklich zu sein scheint.<\/p>\n<p>Seltsam finden Emma und Josh auch, dass sie hunderte von Freunden haben werden und lapidare, allt\u00e4gliche Infos in die Welt hinausposaunen, z.B. dass Emma sich Str\u00e4hnchen machen will. Josh ist laut Facebook in 15 Jahren gl\u00fccklich mit Sidney Mills verheiratet. Sie ist in der Gegenwart auf der Highschool f\u00fcr Josh kaum erreichbar, da ein Jahrgang weiter, ausgesprochen gutaussehend und stinkreich.<\/p>\n<p>Mit ihren jeweiligen Zukunftsszenarien konfrontiert, beginnen die beiden Jugendlichen wieder ins Gespr\u00e4ch zu kommen, sich miteinander auseinanderzusetzen. Da Emma keine Lust auf einen untreuen Mann und sogar vorausgesagte Arbeitslosigkeit hat, sucht sie im Telefonbuch nach ihrem Ehemann. Sie findet heraus, an welches College, wo sonst sollte sie ihn treffen, er geht und schon ist ihre k\u00fcnftig anstehende Collegewahl entschieden.<\/p>\n<p>Interessant sind die konventionellen Denkweisen der Jugendlichen, die durchaus erwarten, dass sie in ihrer Zukunft ein eigenes Haus haben werden, Kinder, einen guten Beruf und passable Aufstiegschancen.<\/p>\n<p>Emma und Josh bemerken, dass sie mit ihrem Handeln in der Gegenwart ihre Zukunft und all die Informationen auf Facebook ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Das ver\u00e4rgert Josh. Aus Neugier nimmt er etwas ungeschickt Kontakt zu Sidney auf. Emma ist sauer auf ihre wankelm\u00fctige Zukunft und so wechselt sie immer wieder ihre Ehem\u00e4nner. Aber auch in der Gegenwart gehen ihre Gef\u00fchle f\u00fcr Jungen, mit denen sie zusammen ist, nicht tief. Gerade ist sie dabei, mit Graham Schluss zu machen. Und sie erf\u00e4hrt \u00fcber Facebook, dass ihre beste Freundin Kellan demn\u00e4chst schwanger werden wird und dann in 15 Jahren alleinerziehende, aber gl\u00fcckliche Mutter sein wird.<\/p>\n<p>Dieser Eingriff in die Zukunft entwickelt sich f\u00fcr Emma und Josh zu einem Wettbewerb, wer in 15 Jahren ein besseres Leben haben wird. Beide Jugendliche beginnen nun ein gef\u00e4hrliches Spiel, um zu testen, was geschieht, wenn z.B. Emma Josh ganz spontan k\u00fcsst. Doch hier ist Joshs Toleranzgrenze erreicht.<\/p>\n<p>Die unterhaltsame, eigenwillig konstruierte Handlung des Romans basiert auf einer originellen Zukunftsreise, die den Leser in Atem h\u00e4lt. Je nachdr\u00fccklicher Josh und Emma das eigene Gl\u00fcck beschw\u00f6ren wollen, auf die existentiellen Fragen des Lebens eingehen und auf ihre Zeit in 15 Jahren fixiert sind, um so bewusster reagieren sie auf das, was in der Gegenwart mit ihnen geschieht. Der Gedanke, dass die Gegenwart in starkem Ma\u00dfe all das, was in der Zukunft geschehen wird, beeinflusst, ist vielleicht zu kurz gegriffen.<\/p>\n<p>Und doch, Josh und Emma bringt die unerkl\u00e4rliche Website Facebook zum Nachdenken \u00fcber das, was sie wirklich f\u00fchlen und wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jay Asher, Carolyn Mackler: Wir beide, irgendwann, Aus dem Amerikanischen von Knut Kr\u00fcger, cbt, M\u00fcnchen 2012, 400 Seiten, \u20ac17,99, 978-3-570-16151-7 \u201eDoch wenn sie sich heimlich daranmacht, ihre Zukunft zu ver\u00e4ndern, dann k\u00f6nnte sie ungewollt auch meine Zukunft beeinflussen. 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