{"id":593,"date":"2019-06-22T12:51:30","date_gmt":"2019-06-22T10:51:30","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=593"},"modified":"2019-06-22T12:51:30","modified_gmt":"2019-06-22T10:51:30","slug":"die-vogelinsel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-vogelinsel\/","title":{"rendered":"Die Vogelinsel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Werner Heickmann: Die Vogelinsel, Bloomsbury Verlag, Berlin 2012, 126 Seiten, \u20ac12,99, 978-3-8270-5528-6<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Und wenn es so ist, und wenn Menschen wie Zugv\u00f6gel sind, dann ist es Vater angeboren, wegzugehen. Und Mutter auch. Dagegen kann man nichts machen, denke ich.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Hinnerks Vater hat die Sehnsucht nach der weiten Welt hinausgetrieben. Er baut sich ein Kanu und fort ist er. Eine Postkarte mit einem wei\u00dfen Haus und die Mitteilung, dass es ihm gut geht, ist die einzige Botschaft, die Hinnerk von ihm hat.<br \/>\nAuch Pauls Vater ist fort, mit einer anderen Frau, die fast so aussieht wie die Mutter.<br \/>\nMit seinem Vater hat Hinnerk die Falken beobachtet. Der Junge klettert nun allein auf den Kirchturm, um die Ankunft der V\u00f6gel zu erwarten. Da bemerkt er Paul, er weint. Die beiden Jungen finden sich auch ohne gro\u00dfe Worte und beschlie\u00dfen Hinnerks Vater, er k\u00f6nnte auf der Vogelinsel sein, zu suchen. Auch Paul interessiert sich f\u00fcr das Leben der V\u00f6gel.<br \/>\nDie Jungen \u00fcben das Paddeln, immerhin ist die Insel gut 20 km entfernt. Ihr guter Bekannter, Herr Dreifu\u00df, der Mann mit dem Kramladen, schafft es die M\u00fctter von Paul und Hinnerk zu \u00fcberreden, die Jungen f\u00fcr acht Tage ziehen zu lassen.<br \/>\nHinnerk bemerkt, dass seine Mutter sich mit Herrn Linke, dem Bootsf\u00fchrer der F\u00e4hre, trifft und ist entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Jungen ist die Fahrt zur Insel doch anstrengend. Sie bauen ihr Zelt auf und entdecken einen fremden Mann, der einen jungen Falken aufgezogen hat und auswildern will. Einerseits genie\u00dfen die Jungen, die Freiheit tun zu k\u00f6nnen, was sie wollen. Andererseits sp\u00fcren sie, dass sie so wenig wissen \u00fcber das Leben in der Natur. Der Falkner zeigt den Jungen, wie man Feuer macht, nachdem sie beinahe das Schilf abgefackelt h\u00e4tten. Hinnerk und Paul m\u00fcssen in der Einsamkeit auch mit sich klarkommen und manchmal gehen sie sich einfach nur aus dem Weg.<\/p>\n<p>Sie sto\u00dfen auf Fragen, die sie kaum beantworten k\u00f6nnen. Auch auf die Frage, ob man wirklich einen Vater braucht?<br \/>\nSie beobachten, wie sich der Falkner um Jakob, den jungen Falken, wie ein Vater k\u00fcmmert und ihn doch ziehen lassen muss. Hinnerks Vater finden sie nicht, aber das wei\u00dfe Haus, das fast verfallen ist.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt dieses Romans stehen die M\u00e4nner, zum einen sind es die Nebenfiguren, die als gute Bekannte den Jungen zur Seite stehen, wie Herr Dreifu\u00df, zum anderen spielen jedoch die abwesenden V\u00e4ter die Hauptrolle. Aus Hinnerks Sicht beschreibt Werner Heickmann in seinem Deb\u00fctroman das Geschehen. In einer sensiblen Sprache, die doch immer in der Kinderperspektive bleibt, sp\u00fcrt der Leser, wie sich Hinnerk und Paul ohne ihre V\u00e4ter f\u00fchlen, was sie denken. Die acht Tage auf der Insel legen ihre Gef\u00fchle frei, geben ihnen Selbstvertrauen und lassen doch auch sp\u00fcren, wie gro\u00df die Leerstellen in ihrem Leben sind.<\/p>\n<p>Immer wieder kreist Werner Heickmanns poetische Geschichte um die Vogelsymbolik, die Jungen besch\u00e4ftigen sich mit V\u00f6geln, ein Falke spielt im Ort eine Rolle, der Falkner auf der Insel bringt den Jungen vieles \u00fcber V\u00f6gel bei und die V\u00f6gel selbst stehen f\u00fcr die Freiheit, die der Vater von Hinnerk offensichtlich gesucht hat.<\/p>\n<p>Ein Kinderbuch mit hohen Anspr\u00fcchen an seine jungen Leser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner Heickmann: Die Vogelinsel, Bloomsbury Verlag, Berlin 2012, 126 Seiten, \u20ac12,99, 978-3-8270-5528-6 \u201e Und wenn es so ist, und wenn Menschen wie Zugv\u00f6gel sind, dann ist es Vater angeboren, wegzugehen. Und Mutter auch. 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