{"id":5316,"date":"2024-05-16T10:58:50","date_gmt":"2024-05-16T08:58:50","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=5316"},"modified":"2024-05-16T10:58:50","modified_gmt":"2024-05-16T08:58:50","slug":"ann-napolitano-hallo-du-schoene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/ann-napolitano-hallo-du-schoene\/","title":{"rendered":"Ann Napolitano: Hallo, du Sch\u00f6ne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ann Napolitano: Hallo, du Sch\u00f6ne, Aus dem Englischen von Werner L\u00f6cher \u2013 Lawrence, Dumont Verlag, K\u00f6ln 2024, 510 Seiten, \u20ac25,00, 978-3-8321-6945-9<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEine gl\u00fcckliche Familie hatte sie sich hier vorgestellt, einen erfolgreichen Professor mit einer Karrierefrau und einer perfekten Tochter. Aber diese Zukunft war von Beginn an, ohne dass Julia es gewusst hatte, dem Untergang geweiht gewesen, und w\u00e4hrend sie die Schr\u00e4nke leerte, war ihr diese Dummheit peinlich.\u201c <\/em><\/p>\n<p>William Waters Kindheit in Chicago kann man nur als ungl\u00fccklich beschreiben. Seine Eltern beklagen, kaum dass ihr Sohn auf der Welt ist, den Tod ihrer dreij\u00e4hrigen Tochter Caroline. Doch nie wird von ihr gesprochen und William wird gnadenlos allein gelassen. Seine Eltern nehmen an nichts Anteil. Sie interessieren sich nicht f\u00fcr Williams Leidenschaft f\u00fcr Basketball, immerhin ist er gute zwei Meter gro\u00df, sie werden nicht die Familie seiner Verlobten Julia kennenlernen und sie kommen nicht zu seiner Hochzeit. Sie senden ihm einen Scheck und w\u00fcnschen ihm alles Gute f\u00fcr die Zukunft. Sie werden ihr Enkelkind nicht kennenlernen. Und sie werden nicht da sein, wenn William seinem Leben eine Ende setzen wollte. Alle Sympathien der Lesenden sind auf Williams Seite, der mit Hilfe eines Stipendiums Geschichte studieren wird und durch seine Sportverletzungen keine Profikarriere beginnen kann. Doch dann lernt der sehr ruhige William die energische Probleml\u00f6serin Julia Padavano kennen und geh\u00f6rt bald zur gro\u00dfen Familie, denn Julia hat drei Schwestern.<\/p>\n<p><em>\u201eJulia war die Organisatorin, Sylvie die Leserin und abgewogene Stimme, Emeline die N\u00e4herin, Cecelia die K\u00fcnstlerin.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die Padavanos sind nicht reich, die Mutter Rose muss mitarbeiten, denn ihr Mann Charlie trinkt gern mit seinen Freunden. Doch Charlie ist ein mitf\u00fchlender, warmherziger Mensch und begr\u00fc\u00dft seine T\u00f6chter gern mit den Worten \u201eHallo, du Sch\u00f6ne\u201c. Rose hatte sich ein anderes Leben gew\u00fcnscht und sie ist eindeutig ungl\u00fccklich mit ihrem f\u00fcr sie nichtsnutzigen Mann. Als er dann nach dem Besuch seiner Tochter Cecelia, die gerade ein uneheliches Kind bekommen hat, im Krankenhaus stirbt, konzentriert sich all der Hass der Mutter auf Cecelia und deren Schuld an allem. Als Julia und William heiraten und Julia schwanger ist, beschlie\u00dft Rose, alles zu verkaufen und in Florida zu leben, als w\u00e4re sie f\u00fcr die famili\u00e4ren Dinge nicht mehr zust\u00e4ndig. Aus der Ferne gibt sie noch Anweisungen, aber die T\u00f6chter sind nun auf sich gestellt. Emeline und Cecelia sind Zwillinge und immer h\u00e4lt Emeline zu ihrer Schwester. Julia sieht sich in Konkurrenz zu den anderen und Sylvie, die die Mutter durch den Verkauf des Zuhauses auf die Stra\u00dfe gesetzt hat, pendelt nun von Sofa zu Sofa.<br \/>\nJulia jedenfalls puscht ihren Mann, der kaum eine akademische Karriere anstrebt, sondern sich viel wohler in der Sporthalle bei seinem alten Basketballtrainer f\u00fchlt. Auch das Vatersein \u00fcberfordert ihn unendlich. Dass er unter Depressionen leidet, hat niemand diagnostiziert. Und so verl\u00e4sst er seine emp\u00f6rte Frau und seine Tochter Alice, von einem Tag auf den anderen, in dem Glauben, ihr nicht  schaden zu wollen. Und er versucht sich das Leben zu nehmen.<\/p>\n<p><em>\u201eSeine Eltern hatten niemanden gehabt, der sie retten wollte, und sie konnten ihren Sohn nicht ansehen, ohne an den Verlust ihrer Tochter zu denken. Sie hatten sich von William abgewandt, und er begriff jetzt, dass er Caroline und Alice das Gleiche angetan hatte. Er war um nichts besser als seine Mom und sein Dad.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Innerhalb der Familien der Waters und der Padavanos wiederholen einige, die fatalen Verhaltensweisen ihrer engsten Angeh\u00f6rigen. Schmerzhaft liest sich das und kaum nachvollziehbar. Doch Menschen agieren nicht rational, f\u00e4llen Entscheidungen, die sie selbst vielleicht nie f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tten. Die amerikanische Autorin Ann Napolitano erz\u00e4hlt multiperspektisch und chronologisch, beginnend vom Jahr 1960 und bis in den Beginn des 21. Jahrhunderts hinein. Von Anfang an fesselt Ann Napolitano die Lesenden, denn ihre literarischen Figuren werden lebendig und ambivalent in all ihren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen geschildert. Fern aller Interpretationen, die \u00fcberl\u00e4sst die Autorin ihren Lesenden, ziehen die Leben der Schwestern am inneren Augen vorbei.<br \/>\nAllerdings verf\u00e4llt die Autorin nie in eine melancholische Stimmung, sondern reflektiert das Geschehene beinahe n\u00fcchtern. Nahezu therapeutisch klingt es, wenn sie aufzeigt, wie gl\u00fccklich William mit Sylvie werden wird und wie einsam Julia im fernen New York mit ihrer Tochter lebt und dieser nur L\u00fcgen \u00fcber ihren Vater auftischt. Alle wollen alle immer nur sch\u00fctzen und begehen einen Fehler nach dem anderen. Das ist bitter, aber realistisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ann Napolitano: Hallo, du Sch\u00f6ne, Aus dem Englischen von Werner L\u00f6cher \u2013 Lawrence, Dumont Verlag, K\u00f6ln 2024, 510 Seiten, \u20ac25,00, 978-3-8321-6945-9 \u201eEine gl\u00fcckliche Familie hatte sie sich hier vorgestellt, einen erfolgreichen Professor mit einer Karrierefrau und einer perfekten Tochter. 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