{"id":5273,"date":"2024-04-28T11:08:09","date_gmt":"2024-04-28T09:08:09","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=5273"},"modified":"2024-05-02T09:44:16","modified_gmt":"2024-05-02T07:44:16","slug":"ashley-audrain-das-gefluester-niemand-hat-es-gesehen-doch-alle-haben-etwas-gehoert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/ashley-audrain-das-gefluester-niemand-hat-es-gesehen-doch-alle-haben-etwas-gehoert\/","title":{"rendered":"Ashley Audrain: Das Gefl\u00fcster \u2013 Niemand hat es gesehen. Doch alle haben etwas geh\u00f6rt."},"content":{"rendered":"<p><strong>Ashley Audrain: Das Gefl\u00fcster \u2013 Niemand hat es gesehen. Doch alle haben etwas geh\u00f6rt., Aus dem Englischen von Holger Wolandt und Lotta R\u00fcegger, Penguin Verlag, M\u00fcnchen 2024, 352 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-328-60182-1<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eSie unterwirft sich nicht den sozialen Konventionen, die anderen berufst\u00e4tigen M\u00fcttern so viele Schuldgef\u00fchle bereiten. Sie denkt nicht dar\u00fcber nach, was in ihrer Abwesenheit zu Hause passiert. F\u00fcr sie ist die Frage wichtig, was ihr gef\u00e4llt. Sie genie\u00dft es mehr, ihrem Beruf nachzugehen, als m\u00fc\u00dfige Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Die vertr\u00f6delten Stunden bringen ihr nichts. Sie sieht sich nicht als diesen warmen K\u00f6rper, der t\u00e4gliche Abl\u00e4ufe anleitet, daf\u00fcr sorgt, dass alles wie am Schn\u00fcrchen l\u00e4uft, dass Wechselsachen da sind und Sonnencreme aufgetragen wird. \u2026<br \/>\nSie braucht Zeitfenster mit ihnen, keine Ewigkeiten. Kleine, \u00fcberschaubare Fenster.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Whitney Loverly lebt in ihrem avantgardistischen Haus in einer gut situierten Wohngegend in der Harlow Street. In ihrer Beratungsfirma steigt die ehrgeizige Whitney immer weiter auf, hat sozusagen alles im Griff. Sie pusht sogar ihren Ehemann Jacob, der als Kunsth\u00e4ndler f\u00fcr die Sch\u00f6nen und Reichen sehr viel unterwegs ist. Nach ihren zwei Schwangerschaften hat Whitney sehr schnell wieder das Haus verlassen. Um die dreij\u00e4hrigen Zwillinge Thea und Sebastian und den neunj\u00e4hrigen Xavier k\u00fcmmert sich fast rund um die Uhr eine Nanny. Alles hat Whitney unter Kontrolle, nur nicht ihren etwas dicklichen wie angeblich motivationslosen Sohn, der in der Schule keine besonderen Leistungen zeigt, keine Freunde hat und auch sonst eher durch seine sture wie m\u00fcrrische Art sie uns\u00e4glich nervt.<\/p>\n<p><em>\u201eSie denkt an den farbsortierten, randvollen Handykalender, ohne den sie nicht leben k\u00f6nnte. F\u00fcr &#8218;Spielen&#8216; gibt es keine Farbe.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Mutterschaft als literarisches Thema k\u00fcndigt sich bereits durch das Eingangszitat von Rachel Cusk an. Wie bekommt man alles unter einen Hut? Wie kann eine Mutter mit Beruf, Ehemann und Kindern gl\u00fccklich leben? Whitney kann sich Hilfe erkaufen. Doch was ist mit ihren Kindern? Wie ergeht es ihnen, wenn die Mutter nur gestresst und unzufrieden ist? Denn Whitney kann sich ihren Sohn nicht formen, so wie sie ihn gern h\u00e4tte.<br \/>\nGanz anders lebt Nachbarin Blair. Sie hat ihren Job in der Werbeindustrie aufgegeben, um all ihre Zeit ihrer siebenj\u00e4hrigen Tochter Chloe, die mit Xavier in die gleiche Schule geht, zu widmen. Sie wiederum l\u00e4sst ihren ganz pers\u00f6nlichen Frust an ihrem Ehemann Aiden aus, der nicht so gut verdient wie Whitney und auf Provisionsbasis Software Security verkauft und seiner Frau nichts recht machen kann. Zwar arbeitet sie ein paar Stunden in der Woche in einem Klamottenladen, doch das erf\u00fcllt sie nicht. Auch wenn sie alles f\u00fcr ihre Tochter sein will, so f\u00fchlt sich Blair doch als Opfer, als die<em> \u201enur Hausfrau\u201c<\/em>. Um sich etwas Gutes zu tun, schleicht Blair, die mit Whitney befreundet ist, mit der sie aber eigentlich nichts verbindet, ins gro\u00dfe, teuer eingerichtete Haus der Nachbarin. Insgeheim bewundert sie Whitneys scheinbar so gl\u00fcckliches wie erf\u00fclltes Leben und diese genie\u00dft heimlich ihre \u00dcberlegenheit. Doch dann entdeckt Blair bei ihren Erkundungen im Haus Aidens B\u00fcroschl\u00fcssel.<br \/>\nEine gute Beobachterin der Nachbarfamilien und auch sozialen Ver\u00e4nderungen im Wohnviertel ist die zweiundachtzigj\u00e4hrige Mara Alvaro, eine Portugiesin, die vor Jahren mit ihrem Ehemann Albert ausgewandert ist. Zwar f\u00fchlt sie sich von den anderen ausgeschlossen, sieht aber, wie sie und ihre Kinder ihre Tage verbringen. Nur Rebecca, eine junge \u00c4rztin, spricht \u00f6fter mit der in ihrer Ehe so ungl\u00fccklichen Mara. Rebecca sehnt sich nach einem Kind. Doch nach f\u00fcnf Fehlgeburten scheinen sie und ihr Mann Ben, den Kinderwunsch langsam aufzugeben.<br \/>\nAshley Audrian l\u00e4sst all ihre Figuren zu einer Party im September, deren Verlauf wie ein roter Faden durch den Roman f\u00fchrt, auftreten. Nach und nach entbl\u00e4ttert sie in einem teils ironischen Erz\u00e4hlton das Privat- wie Eheleben der Ende drei\u00dfig- bis vierzigj\u00e4hrigen Protagonisten. Jeder scheint jedem etwas vorzumachen und wahrt doch den \u00e4u\u00dferen Schein.<br \/>\nAls dann jedoch Whitney dieses Spiel ohne Absicht durchbricht, macht sich ein <em>\u201eGefl\u00fcster\u201c<\/em> breit, das signalisiert, dass irgendetwas nicht stimmt. Als Whitney ihren kleinen Sohn Xavier dabei erwischt, wie er auf der Party klammheimlich die Geschenkbeutel f\u00fcr die Kinder \u00f6ffnet, um die Schokolade von den Keksen abzulecken, rastet sie v\u00f6llig aus und schreit den Jungen hysterisch an. Da die Fenster offen stehen, d\u00fcrfen es alle in Sichtweite h\u00f6ren. Die Fassade der Perfektionistin ist angekratzt.<br \/>\nUnd es kommt noch viel schlimmer. Und ab hier kippt die Geschichte fast ein Jahr sp\u00e4ter ins Tragische. Xavier ist in der Nacht aus dem Fenster seines Kinderzimmers in die Tiefe gest\u00fcrzt. Im Krankenhaus k\u00fcmmert sich Rebecca um die Erstversorgung des schwer verletzten Kindes. Doch was ist mit dem Jungen geschehen? Was hat er in der Nacht am Fenster zu suchen? Was ist zwischen Mutter und Sohn geschehen?<br \/>\nMultiperspektivisch erz\u00e4hlt die kanadische Autorin Ashley Audrain vom wechselvollen Leben ihrer Protagonisten, die angekommen in einer Beziehung alles richtig machen wollen und doch scheitern. Die Ehem\u00e4nner halten sich aus aller Verantwortung f\u00fcr die Kinder raus und sind eher zum Bespa\u00dfen und nat\u00fcrlich Geld verdienen da, um den Lebensstandard zu halten. Einige betr\u00fcgen ihre Ehefrauen oder schlie\u00dfen die Augen vor den Problemen. Nachdenklich stimmt dieser gut geschriebene Roman, der so einige gute S\u00e4tze enth\u00e4lt:<br \/>\n<em>\u201e In der Ehe geht es nicht um Liebe, sondern um Entscheidungen.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ashley Audrain: Das Gefl\u00fcster \u2013 Niemand hat es gesehen. 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