{"id":5236,"date":"2024-04-27T16:05:12","date_gmt":"2024-04-27T14:05:12","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=5236"},"modified":"2024-04-27T16:05:12","modified_gmt":"2024-04-27T14:05:12","slug":"tatiana-de-rosnay-celestine-und-die-kleinen-wunder-von-paris","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/tatiana-de-rosnay-celestine-und-die-kleinen-wunder-von-paris\/","title":{"rendered":"Tatiana de Rosnay: C\u00e9lestine und die kleinen Wunder von Paris"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tatiana de Rosnay: C\u00e9lestine und die kleinen Wunder von Paris, Aus dem Franz\u00f6sischen von Nathalie Lemmens, C.Bertelsmann Verlag, M\u00fcnchen 2024, 320 Seiten, \u20ac18.00, 978-3-570-10448-4<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Ohne ihn zu beachten, w\u00fchlt sie in ihrem Korb nach einer Zigarette. Ger\u00fchrt betrachtet Martin ihre magere Wirbels\u00e4ule, die spitzen Ellbogen, das von einem fadenscheinigen schwarzen Samtband zusammengehaltene stumpfe Haar.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Wie oft laufen wir gleichg\u00fcltig oder mit Vorurteilen behaftet an M\u00e4nnern oder Frauen vorbei, die auf dem Boden kauern und um Geld bitten? Wir sind in der U- oder S-Bahn von Menschen genervt, wenn diese etwas von sich erz\u00e4hlen und betteln. Auch der achtzehnj\u00e4hrige Martin Dujeu hat die alte, obdachlose Frau, die in seiner Stra\u00dfe die Leute manchmal auch aggressiv beschimpft, wenn sie ihr kein Geld geben, ignoriert. Leicht vertr\u00e4umt in seinen eigenen Welten vertieft, gro\u00df und schlaksig, oft allein oder in Begleitung seines Beagles l\u00e4uft der blonde Martin mit seiner dicken Brille durch den von Reichen bewohnten Distrikt von Paris. Bereits zwei Mal ist er durchs Abitur gefallen, denn er, der sich so zu den Romanen von \u00c9mile Zola hingezogen f\u00fchlt, schreibt einen Roman und dieser ben\u00f6tigt all seine Zeit. Martins Vater, Victor Dujeu, arbeitet als Anwalt, wechselt oft seine Frauen und hat jetzt sogar vor, die manipulative Alexandra zu heiraten. Die Schweigsamkeit und Abwesenheit des Sohnes, der ja nun eigentlich aus der Pubert\u00e4t heraus sein m\u00fcsste, nervt ihn. Martins schwedische Mutter Kerstin ist bei einem Flugzeugabsturz kurz vor Weihnachten ums Leben gekommen, da war der Junge gerade mal zwei Jahre alt. Ihre Leiche wurde nie gefunden.<br \/>\nWie nun die beiden v\u00f6llig unterschiedlichen Au\u00dfenseiter Martin und C\u00e9lestine du Bac, ( so ihr ausgedachter Name, angelehnt an die Rue du Bac ) auch Titine genannt zueinander finden, liest sich \u00e4u\u00dferst ber\u00fchrend. Martin sieht die auff\u00e4llige, v\u00f6llig verschmutzte Frau zum ersten Mal wirklich, als sie schreibend auf dem Boden hockt. Ihn interessiert, was sie wohl zu Papier bringt. Es st\u00f6rt ihn nicht, dass sein einziger Freund Oscar, der sich nur f\u00fcr Frauen interessiert, Titine als wunderliche Hexe abtut. Je mehr Martin mit Titine ins Gespr\u00e4ch kommt, um so mehr sorgt sich der junge Mann um die Gesundheit der alten Frau. Vielleicht verkehren sich in seinem Kopf auch die realistische Literatur von Zola mit der harten Wirklichkeit des Alltags in Paris. Nat\u00fcrlich bemerkt Martin, dass sich Titine f\u00fcr seine Geldscheine Alkohol kauft. Martin versorgt Titine nicht nur mit Geld, er sucht auch nach abgelegten Sachen von seinem Vater, denn Titine st\u00f6rt das nicht, wenn es kalt wird. Ihr erz\u00e4hlt er neben Oscar von seinem Roman, in dem der Geist Zolas eine Rolle spielt. Zu gern m\u00f6chte Martin lesen, was Titine in ihrem Tagebuch schreibt und sie ist neugierig auf seinen Roman.<br \/>\nBeide tauschen ihre Schriftst\u00fccke aus und nun gewinnen die Lesenden Einblick in Titines trauriges Leben. Nat\u00fcrlich bleibt ein Konfrontation zwischen Vater und Sohn nicht aus, als Martin die alte Frau in seine Wohnung zum Duschen und Schlafen einl\u00e4dt. Auch wenn Martin auf einer Privatschule nochmals die Chance aufs Abitur erh\u00e4lt, scheint ihn das kaum zu interessieren. Die Beziehung zu seinem Vater zerbricht und beide schweigen sich nur noch an, denn Martin hatte sich nach dem Rausschmiss von Titine dazu entschlossen, mit ihr die Nacht auf dem eiskalten Boden zu verbringen.<br \/>\nHat Martin bereits l\u00e4ngst das Tagebuch zur\u00fcckgegeben, so hat Titine seinen Roman einem bekannten Verleger, der die obdachlose Frau nie ignoriert hat, gezeigt.<br \/>\nAb diesem Moment kippt die gesamte Romanhandlung ins M\u00e4rchenhafte um und verliert doch kaum ihren Reiz. Die todkranke Titine landet im Krankenhaus und wei\u00df, dass Martin sie aufsuchen wird. Einer Fee gleich darf Martin drei W\u00fcnsche \u00e4u\u00dfern, die sie erf\u00fcllen will.<\/p>\n<p>Warmherzig und ohne falsche Sentimentalit\u00e4t erz\u00e4hlt die franz\u00f6sische Autorin Tatiana de Rosnay von zwei Menschen, die auf eine wundersame Weise im anderen einen Menschen sehen, den sie sehr vermisst haben. Tatiana de Rosnays leichte Sprache zieht  jeden in die einf\u00fchlsame Geschichte hinein, die aufw\u00fchlt und zum Ende einfach nur tr\u00f6stet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tatiana de Rosnay: C\u00e9lestine und die kleinen Wunder von Paris, Aus dem Franz\u00f6sischen von Nathalie Lemmens, C.Bertelsmann Verlag, M\u00fcnchen 2024, 320 Seiten, \u20ac18.00, 978-3-570-10448-4 \u201e Ohne ihn zu beachten, w\u00fchlt sie in ihrem Korb nach einer Zigarette. 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