{"id":5032,"date":"2024-01-28T10:51:40","date_gmt":"2024-01-28T09:51:40","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=5032"},"modified":"2024-01-28T11:14:26","modified_gmt":"2024-01-28T10:14:26","slug":"romeos-tod","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/romeos-tod\/","title":{"rendered":"Sabine Thiesler: Romeos Tod"},"content":{"rendered":"<p>S<strong>abine Thiesler: Romeos Tod, Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2024, 384 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-453-27438-9<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5027\" src=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-28-083739-1-196x300.png\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\"><\/p>\n<p><em>\u201eMona antwortete nicht. Sie war \u00fcber die Heftigkeit seiner Worte beinah erschrocken. Aber er hatte sie wirklich verstanden und verfluchte sie nicht. Das war ihre gr\u00f6\u00dfte Angst gewesen. Jetzt jubelte sie innerlich, und ihr Herz raste vor Freude.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Zwei Frauen, die nicht unterschiedlicher seinen k\u00f6nnten, treffen sich in einem Zug Richtung M\u00fcnchen. \u00dcber den \u00c4rger wegen der Versp\u00e4tung der Deutschen Bahn kommen die beiden ins Gespr\u00e4ch und daraus entwickelt sich eine verh\u00e4ngnisvolle Beziehung, an deren Ende zwei Tote zu beklagen sind.<br \/>\nDie attraktive Mona Russo hat nach einer zehnj\u00e4hrigen Haft gerade das Gef\u00e4ngnis verlassen. Dorothea Jespik, pensionierte Lehrerin und eher unscheinbar, ist auf dem Weg zu ihrem doch sehr exaltierten Sohn Jan, der an einem Provinztheater zum ersten Mal die Rolle des Hamlet verk\u00f6rpert.<br \/>\nAus den Blickwinkeln von diesen drei Protagonisten verfolgen die Lesenden den Fortgang der Geschichte, die damit beginnt, dass Mona verzweifelt ihren Ex-Mann Vincenzo Rosso und ihre Kinder Leo und Lena sucht. Der Italiener Vincenzo ist nicht der leibliche Vater, k\u00f6nnte allerdings wieder in Italien, in der N\u00e4he von Florenz leben und in einer Pizzeria arbeiten. Als sich Mona, Dorothea und Jan dann begegnen, entspinnt sich zwischen Jan und Mona eine sexuell, fast animalische Liason. Dass Mona ein extrem manipulative Person ist, verstehen die Lesenden erst im Laufe der Handlung. Der labile Schauspieler Jan steigert sich in seine Rollen hinein und hat manische Angst vor Premieren. Geschickt zieht Mona Dorothea und ihn auf ihre Seite und tischt ihnen, auch das versteht man erst im Nachhinein, eine erfundene Geschichte auf, warum sie eine zehnj\u00e4hrige Haftstrafe verb\u00fc\u00dfen musste. Vom Erfolg der Hamlet-Vorstellungen getragen, wechselt Jan nach Wien um den Lenz, eine in sich sehr komplizierte und komplexe Figur, zu spielen. Mona und Dorothea reisen allein nach Italien, um nach den Kindern zu suchen. Doch warum haben sie nie, auch als sie \u00e4lter waren, den Versuch unternommen, die Mutter zu besuchen, mit ihr zu sprechen? Wie kann es sein, dass ein Mann ohne gesetzliche Grundlage, er hatte die Kinder nicht adoptiert, sie einfach so mit sich nehmen kann?<br \/>\nZunehmend gleitet Jan, der zu aggressiven Ausbr\u00fcchen neigt, in die Welt seiner Figuren und kann kaum noch zwischen Realit\u00e4t und Kunst unterscheiden. Als vor einer Vorstellung alle im Theater verzweifelt nach Jan suchen, entdecken sie ihn im Zuschauerraum. Seine Erkl\u00e4rung: Er wollte sich das St\u00fcck mit dem so \u00fcberragenden Darsteller des Lenz einfach mal ansehen. Nun freigestellt reist Jan zu Mona, die inzwischen ihren Mann in der Toskana gefunden hat. Doch das Bild, dass sich nun von Vincenzo und seinem Sohn Leo ergibt, stimmt nicht mit Monas Schilderungen \u00fcberein. Und wo ist die Tochter Lena? Hat der Ex-Mann ihre Tochter beseitigt? Ist das der Grund, warum sie nie wieder von ihr geh\u00f6rt hat? Und warum sitzt Leo in einem Rollstuhl? Nach und nach ergibt sich eine ganz andere Geschichte, die Mona jedoch noch f\u00fcr sich beh\u00e4lt. Sie offenbart ihrem Geliebten indirekt ein Theaterst\u00fcck, bei dem er seine Rolle improvisieren muss.<\/p>\n<p><em>\u201eAuf ihn wartete jetzt die gr\u00f6\u00dfte und schwerste Rolle seines Lebens. Eine Herausforderung ohne Regisseur und ohne Probe. Die Improvisation der Realit\u00e4t. Er w\u00fcrde Rache nehmen. F\u00fcr Mona. Rache hatte ihn schon immer fasziniert. Sie hatte etwas G\u00f6ttliches an sich. Durch Gerechtigkeit das Gleichgewicht auf Erden wiederherstellen und damit den Seelenfrieden erlangen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Immer mehr verf\u00e4llt Jan seinen Rollen und kann nicht mehr zwischen wahrem Alltag und B\u00fchnenkunst unterscheiden. Am Ende wird er den Romeo in Krefeld pur nehmen und in seiner Rolle bis zum bitteren Schluss aufgehen. \u00dcber eine toxische Beziehung, die Jan, aber nicht Mona ins Verderben f\u00fchren und charismatische Menschen, die andere f\u00fcr sich handeln lassen, erz\u00e4hlt dieser Roman, der ohne Ermittler von schrecklichen Verbrechen erz\u00e4hlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine Thiesler: Romeos Tod, Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2024, 384 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-453-27438-9 \u201eMona antwortete nicht. Sie war \u00fcber die Heftigkeit seiner Worte beinah erschrocken. Aber er hatte sie wirklich verstanden und verfluchte sie nicht. 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