{"id":4636,"date":"2022-12-02T09:27:17","date_gmt":"2022-12-02T08:27:17","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4636"},"modified":"2022-12-02T09:27:17","modified_gmt":"2022-12-02T08:27:17","slug":"sophie-hardach-unser-geteilter-sommer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/sophie-hardach-unser-geteilter-sommer\/","title":{"rendered":"Sophie Hardach: Unser geteilter Sommer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sophie Hardach: Unser geteilter Sommer, Aus dem Englischen von Ulrike Sterblich, List Verlag, Berlin 2022, 364 Seiten, \u20ac22,99, 987-3-471-36047-7<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Unser geteilter Sommer: Roman | Ein aufw\u00fchlendes Familienportr\u00e4t, das ein noch unerz\u00e4hltes Kapitel deutscher Zeitgeschichte aufschl\u00e4gt\" type=\"text\/html\" width=\"676\" height=\"550\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"max-width:100%\" src=\"https:\/\/lesen.amazon.de\/kp\/card?preview=inline&#038;linkCode=li2&#038;ref_=k4w_oembed_CyUDkE8cNnhW29&#038;asin=3471360476&#038;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eWie sollte ich jemals Heiko finden, wenn ich nicht mal unsere alte Stra\u00dfe finden konnte? Aber ich weigerte mich, auf Englisch zu fragen. Jahre hatte ich damit verbracht, mich in London an die Engl\u00e4nder anzupassen, jetzt wollte ich mich nicht auch noch in Berlin an sie anpassen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ella Valentin l\u00e4uft 2010 durch den Prenzlauer Berg und jeden, den sie nach ihrer alten Stra\u00dfe, die Dunckerstra\u00dfe, fragt, antwortet ihr auf Englisch. Nun ist sie aus London nach Berlin zur\u00fcckgekehrt und irgendwie ist alles fremd. Ein Jahr zuvor ist ihre Mutter Regine gestorben und nun hofft Ella, auch wenn die Mutter ihr vehement abgeraten hat, ihren j\u00fcngeren Bruder Heiko aufzusp\u00fcren.<br \/>\nIn Zeitspr\u00fcngen setzt Sophie Hardach im Verlaufe der Handlung ein Bild von der Familie Valentin aus der Ich-Perspektive von Ella zusammen. Urspr\u00fcnglich stammt die einunddrei\u00dfigj\u00e4hrige Ella aus der DDR, dem untergegangenen Land, dass doch nach dem Ende des 2. Weltkrieges und Gr\u00fcndung 1949 von vielen Menschen als die hoffnungsvolle Zukunft angesehen wurde. Auch Ellas Oma Trude, die im KZ Buchwald gefangen gehalten wurde, war dieser Meinung. Dass vieles nicht so eingetreten ist, wie sie es sich als einstige Dienstmagd ertr\u00e4umt hatte, musste ihre Tochter Regine erfahren. Wenn Ella das Trigger-Tagebuch der Mutter mit all ihren \u00c4ngsten durchbl\u00e4ttert, dann wird deutlich, was Regine in den Gef\u00e4ngnissen in Hohensch\u00f6nhausen und Hoheneck ertragen musste. Regine und ihr Mann Jochen wollten frei sein und frei leben. Sie als Dozentin f\u00fcr Kunstgeschichte und er als Professor ebenfalls f\u00fcr Kunstgeschichte an der Humboldt Universit\u00e4t zu Berlin hatten sicher kein schlechtes Leben in der DDR, zumal sie auch beruflich reisen durften. Gerade durch die Kontakte zur Kunstszene in der DDR erwuchsen jedoch neue Sehns\u00fcchte. Durch die Begegnung mit einem Maler, der ebenfalls die DDR illegal verlassen hatte, glaubten die Valentins einen sicheren Weg \u00fcber Ungarn gefunden zu haben.<br \/>\nElla versucht nun durch ihre Recherchen in der ehemaligen Stasi &#8211; Zentrale in Berlin-Lichtenberg und mit Hilfe von Aaron, der die Akte der Mutter aus vielen Schnipseln wieder zusammensetzt, zu erkunden, was die Mutter ihr und auch ihrem Bruder Tobi verschwiegen hat. Hatte sie doch nach ihrem dritten Kind vergeblich gesucht, was sich allerdings als L\u00fcge entpuppt. Der zweij\u00e4hrige Heiko wurde der Familie nach dem missgl\u00fcckten Fluchtversuch, der Vater wurde von einem Grenzsoldaten erschossen, weggenommen. Nach qualvollen Verh\u00f6ren und im Frauengef\u00e4ngnis Hoheneck hatte die Mutter dann wohl einer Adoption zugestimmt, die auch nach der Wende rechtsg\u00fcltig war. <em>\u201eUnser geteilter Sommer\u201c<\/em> spielt an auf den fr\u00fchen Roman von Christa Wolf, denn auch sie musste neben vielen Akten \u00fcber sich auch ihre eigene T\u00e4terakte zur Kenntnis nehmen und daf\u00fcr mehr als Kritik einstecken.<br \/>\nElla wird nun die Menschen aufsp\u00fcren, die Kontakt mit ihrer Mutter in ihrer Zeit in den Gef\u00e4ngnissen hatte und sie wird sogar mit dem Mann sprechen, der sie in Hohensch\u00f6nhausen stundenlang verh\u00f6rt und traumatisiert hat. Er lebt friedlich in seinem kleinen H\u00e4uschen in Marzahn.<\/p>\n<p>Atmosph\u00e4risch dicht schreibt Sophie Hardach, dank guter Recherchen, \u00fcber das Alltagsleben in Ostberlin und den Geschehnissen gut zwanzig Jahre nach der Wende mit allen Widerspr\u00fcchlichkeiten. Nichts von dem, was die Autorin erz\u00e4hlt, die in London lebt, ist neu. Oft wurden Schicksale von Dissidenten, denen man die Kinder weggenommen hat oder als Druckmittel benutzt hat, beschrieben. Eines der besten B\u00fccher \u00fcber dieses Thema, weil auch autobiografisch, ist der Roman von Klaus Kordon<em> \u201eKrokodil im Nacken\u201c<\/em>.<br \/>\nUnd doch bewegt jeden mitf\u00fchlenden Lesenden nach wie vor die Willenskraft die Menschen aufgebracht haben, um sich und ihre Familie aus der Umklammerung und Bevormundung der DDR zu l\u00f6sen, um eigenst\u00e4ndig f\u00fcr sich zu entscheiden, wie man leben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Keine Frage, ein bewegender Roman mit, das darf verraten werden, ungew\u00f6hnlichem Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sophie Hardach: Unser geteilter Sommer, Aus dem Englischen von Ulrike Sterblich, List Verlag, Berlin 2022, 364 Seiten, \u20ac22,99, 987-3-471-36047-7 &nbsp; \u201eWie sollte ich jemals Heiko finden, wenn ich nicht mal unsere alte Stra\u00dfe finden konnte? 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