{"id":4507,"date":"2022-09-18T15:32:43","date_gmt":"2022-09-18T13:32:43","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4507"},"modified":"2022-09-18T15:32:43","modified_gmt":"2022-09-18T13:32:43","slug":"max-annas-morduntersuchungskommission-der-fall-melchior-nikoleit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/max-annas-morduntersuchungskommission-der-fall-melchior-nikoleit\/","title":{"rendered":"Max Annas: Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Max Annas: Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit, Rowohlt Verlag \/ Hundert Augen, Hamburg 2020, 334 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-498-00133-9<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Morduntersuchungskommission: Der Fall Melchior Nikoleit (Die Morduntersuchungskommission-Krimireihe, Band 2)\" type=\"text\/html\" width=\"676\" height=\"550\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"max-width:100%\" src=\"https:\/\/lesen.amazon.de\/kp\/card?preview=inline&#038;linkCode=li2&#038;ref_=k4w_oembed_f8rjkJLfL0kYon&#038;asin=3499001764&#038;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/iframe><\/p>\n<p><em>\u201eUnd sowieso war die Idee, dass ein Vater den eigenen Sohn t\u00f6tete, nat\u00fcrlich ungew\u00f6hnlich. Umgekehrt hatte man das \u00f6fter. Und gerade wenn der Sohn sich mit solchen Leuten eingelassen hatte wie diesen Punkern. Es gab immer mehr von solchen Leuten hier in Jena, die sich keinen Gefallen taten damit, so herumzulaufen wie die. Das mussten die doch irgendwann einsehen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>In Max Annas f\u00fcnftem Krimi \u201eMorduntersuchungskommission\u201c f\u00fchrt der nicht aus der DDR stammende Autor seine ermittelnden Polizisten ein: Oberleutnant Otto Castorp von der MUK und seine Kollegen, Heinz, Otto, Rolf und Konni. Sie operieren vom Th\u00fcringer Polizeipr\u00e4sidium Gera aus.<br \/>\nDer neue Fall umkreist im Jahre 1985 die Punkerszene in Jena. Otto Castorp und seine Kollegen k\u00f6nnen nicht nachvollziehen, warum junge Leute sich derart verunstalten, ihre Klamotten zerrei\u00dfen, die Haare so seltsam stylen, keinen Wert auf streng gezogene Scheitel legen und diese kaum rhythmische Musik produzieren. Als dann der neunzehnj\u00e4hrige Punk Melchior Nikoleit erschlagen aufgefunden wird, beginnt die \u00fcbliche Ermittlungsarbeit, in die Castorp bei Gelegenheit auch seinen Bruder Bruno vom Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit einbezieht. Bruno wird sich bei der Beerdigung des Vaters sinnlos besaufen. Seltsam n\u00fcchtern beschreibt Max Annas die Familienverh\u00e4ltnisse. Ottos Mutter funktioniert einfach weiter, Castorp spricht kaum mit seiner Frau Birgit, auch wenn diese immer sp\u00e4ter nach Hause kommt und er so einiges vermutet. Die Kinder Kathrin, Mike und Ruth laufen einfach so nebenher und wenn es sein muss, gibt man sie einfach bei der Oma ab.<br \/>\nEs flie\u00dft allzu viel Wodka, obwohl in der DDR auch gern Nordh\u00e4user Doppelkorn konsumiert wurde.<\/p>\n<p>Jeweils aus den Perspektiven von Otto Castorp, von Julia Fr\u00fchauf, sie geh\u00f6rte zur Band von Nikoleit und Erich Marder, Major und Vater von Biber, ebenfalls Bandmitglied, umkreist Max Annas den Fall.<\/p>\n<p>Ins Visier der Ermittler ger\u00e4t schnell der Vater von Melchior. Michael Nikoleit arbeitet als Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler, der seine edlen Waren per Sondergenehmigung im Westen verscherbeln kann und die Devisen bei Vater Staat abgeben muss. Durch einen Unfall hat die Familie bereits ein Kind verloren. Melchior hatte zum Vater nicht die beste Beziehung. Julia berichtet, dass der erwachsene Mann regelm\u00e4\u00dfig vom Vater verpr\u00fcgelt wurde. Melchior und sie waren ein Liebespaar, ihr hat er auch gebeichtet, dass er gezwungen wurde, als IM der Stasi unter dem Namen \u201eGosse\u201c zu spitzeln. Nat\u00fcrlich interessiert sich die Staatsmacht f\u00fcr die Punkerszene, die<em> \u201eFeinde des Systems\u201c<\/em>, aber auch die Junge Gemeinde. Julias Vater ist Pfarrer. Seltsam ist, dass Julia zu Verh\u00f6ren abgeholt wird und als Minderj\u00e4hrige ohne Eltern befragt werden durfte.<br \/>\nVieles rumort vier Jahre vor der Wende und vieles, was Otto Castorps Kollegen so \u00fcber die DDR \u00e4u\u00dfern, wirkt eher l\u00e4cherlich als ernsthaft. Das mag am R\u00fcckblick auf diese Zeit liegen, an den abgedroschenen Phrasen, an die zu diesem Zeitpunkt niemand mehr geglaubt hat, der nicht so eng ans System gebunden war. Wie willk\u00fcrlich die herrschenden Machtorgane ihre Druckmitteln einsetzen konnten, das wussten viele. Die irrige Annahme, das alles B\u00f6se vom Westen her\u00fcberschwappt, erinnert an aktuelle Diktatorensysteme.<br \/>\nZu denen, die dies glauben, geh\u00f6rt Erich Marder. Der Major hadert mit einem Foto, dass ihm, der Leser wei\u00df von wem, gestohlen wurde. Auf dem Foto posieren am Ende des II. Weltkrieges Soldaten, unter ihnen Marder, vor zwei toten englischen Offizieren.<br \/>\nOtto Castorp wird wiedermal seinen Bruder Bruno anzapfen und er wird die Schwachstelle finden, die die Polizei bei ihrer Arbeit einfach \u00fcbersehen hat.<\/p>\n<p>Es geht um die oftmals schwierigen Beziehungen zwischen V\u00e4tern und S\u00f6hnen, zum einen die zwischen Michael und Melchior Nikoleit, aber auch Major Marder und Sohn, aber auch die zwischen Vater Staat und seine ungehorsamen Punker, die einfach nicht geduldet werden k\u00f6nnen. Niemals gen\u00fcgen die S\u00f6hne den V\u00e4tern. Gewalt gegen Menschen, die Probleme bereiten und nicht stromlinienf\u00f6rmig funktionieren, hat die Staatsmacht hinter verschlossenen T\u00fcren gern ausge\u00fcbt. Erneut davon zu lesen, betr\u00fcbt im Nachhinein. Zumal aus Julias Blickwinkel klar wird, wie harmlos die unpolitischen Punker als Dilettanten versucht haben, Musik zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max Annas: Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit, Rowohlt Verlag \/ Hundert Augen, Hamburg 2020, 334 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-498-00133-9 \u201eUnd sowieso war die Idee, dass ein Vater den eigenen Sohn t\u00f6tete, nat\u00fcrlich ungew\u00f6hnlich. Umgekehrt hatte man das \u00f6fter. 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