{"id":4467,"date":"2022-09-14T14:20:15","date_gmt":"2022-09-14T12:20:15","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4467"},"modified":"2022-09-14T14:20:15","modified_gmt":"2022-09-14T12:20:15","slug":"katja-schoenherr-alles-ist-noch-zu-wenig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/katja-schoenherr-alles-ist-noch-zu-wenig\/","title":{"rendered":"Katja Sch\u00f6nherr: Alles ist noch zu wenig"},"content":{"rendered":"<p><strong>Katja Sch\u00f6nherr: Alles ist noch zu wenig, Arche Verlag, Z\u00fcrich 2022, 315 Seiten, \u20ac23,00, 978-3-7160-2801-8 <\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Alles ist noch zu wenig\" type=\"text\/html\" width=\"676\" height=\"550\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"max-width:100%\" src=\"https:\/\/lesen.amazon.de\/kp\/card?preview=inline&#038;linkCode=li2&#038;ref_=k4w_oembed_OYx7Q6TkdzhKSc&#038;asin=3716028010&#038;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/iframe><\/p>\n<p><em>\u201e &#8218;Keine Blumen?&#8216;, sagt sie.<br \/>\nSie findet immer etwas, denkt Carsten. Sie. Findet. Immer. Etwas.<br \/>\n&#8218;Ich sehe, du bist noch die Alte&#8216;, erwidert er.<br \/>\n&#8220;Meinst du, hier drinnen werde ich j\u00fcnger?&#8217;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Carsten Ruck, Mitte f\u00fcnfzig, geschieden und ziemlich frustriert, wenn es um seine vierundachtzig Jahre alte Mutter Inge geht, sucht immer nach Ausreden, wenn sie Forderungen an ihn stellt. Die Ausrede, er sei oder m\u00fcsse sofort nach Br\u00fcssel, nimmt mittlerweile niemand mehr ernst. Seine f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Tochter Lissa hat ihn l\u00e4ngst durchschaut. Ex-Ehefrau Sabine kennt seine Taktiken, sich einfach unsichtbar zu machen.<br \/>\nDoch Carsten hasst all die Anforderungen, die an ihn gestellt werden. Er m\u00f6chte einfach nur in seinem wunderbar neuen Auto sitzen und seine Ruhe haben. Dabei \u00e4hnelt er seinem l\u00e4ngst verstorbenen Vater Richard. Wenn er in seinem Sessel sa\u00df, konnte ihn nichts wegbewegen. Nicht das Gezeter seiner Frau oder irgendwelche wichtigen Aufgaben. Jens, der Bruder von Carsten, wohnt weitab von der Familie in den USA und hat kaum Kontakt. Er hasst seinen Bruder und seine Mutter, die Carsten immer vorgezogen hat und auf seine Offenbarung, dass er schwul ist, mit Unverst\u00e4ndnis reagiert hat.<\/p>\n<p>Multiperspektivisch, mal aus Carstens, dann wieder aus Inges oder Lissas Sicht, erz\u00e4hlt Katja Sch\u00f6nherr, die in Dresden aufgewachsen ist und jetzt in der Schweiz lebt, von der Familie Ruck in der ostdeutschen Provinz.<\/p>\n<p>Als Inge in ihrem H\u00e4uschen in Mun\u00dfig von der Treppe f\u00e4llt, hat Carsten gar keine Wahl. Er muss sich k\u00fcmmern. Ein Altersheim lehnt sie vehement ab, genau so wie einen Rollator oder einen Toilettenstuhl. Stur beharrt sie auf ihren Erwartungen.<br \/>\nCarsten zieht dann mit Tochter Lissa von Berlin wirklich nach Mun\u00dfig, aber nur, um dort ebenfalls zu arbeiten, trotz schlechtem WLAN. Lissa liegt mit ihrem Vater im Dauerstreit, da dieser f\u00fcr eine Firma arbeitet, die Plastikbeutel herstellt. Sie schaut auf die Generation ihres Vaters herab und spart nicht mit klugen Ratschl\u00e4gen, was Umweltthemen oder Genderfragen angeht. Zu gern verteilt sie schlaue Post-its, um <em>\u201esorglos-dumme Menschen vorzuf\u00fchren\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>In R\u00fcckblenden erfahren die Lesenden, wie Carsten und Jens im Dorf aufgewachsen sind. Wie die Mutter mit ihrem Aktionismus Arbeit und Haushalt geschmissen hat und ihre Unzufriedenheit durch Gemecker, Griesgr\u00e4migkeit oder st\u00e4ndiges Beleidigtsein ge\u00e4u\u00dfert hat. Wenn ihr etwas nicht passt, dann wird nicht geredet, sondern geschmollt. Das kennt Carsten seit Kindertagen. Und nat\u00fcrlich wei\u00df im Dorf jeder alles \u00fcber jeden. Inge richtet auch ihr Leben nach den Spielregeln der Dorfbewohner, denen l\u00e4ngst die Einkaufsm\u00f6glichkeiten genommen wurden. Nur die Schnapsbrennerei existiert noch im Ort.<br \/>\nInge kann sich im Dorf auf ihre Nachbarin Ulrike, die zeitweilig auch mit Carsten liiert war, verlassen. Sie ist geblieben, sie versorgt ihre eigene kranke Mutter und die alte Nachbarin. So stellt sich Inge auch das Leben ihres Sohnes vor. Er lebt mit ihr im verstaubten alten Haus voller Nippes und sie muss nicht ins Altersheim. Lissa l\u00e4sst sich zu Versprechungen hinrei\u00dfen und Carsten denkt gar nicht daran, der Mutter nachzugeben. Nat\u00fcrlich erwartet sie von ihm, dass er vor dem Umzug des Schlafzimmers in die untere Etage, alles ordentlich tapeziert. Aber Carsten hat gar nicht die Kraft zu solchen Aktionen und auch keine Lust, wenn er ehrlich w\u00e4re. Er hat es einfach nicht gelernt, einen Weg mit der Mutter zu finden, um sich mit ihr erwachsen zu unterhalten. Inge und Carsten suchen immer nach Schuldigen, die ihr Schicksal verursacht haben. Klar ist, die Mutter wird in ihrem Haus kaum mehr die Treppe hochsteigen k\u00f6nnen und Alternativen m\u00fcssen gefunden werden.<\/p>\n<p>Katja Sch\u00f6nherr erz\u00e4hlt von drei Generationen, die in ihren Lebensvorstellungen nicht unterschiedlicher sein k\u00f6nnten und deren Konfrontationen aus der Distanz manchmal wirklich komisch sind. Carsten befindet sich in einer Existenzkrise, denn er ist nat\u00fcrlich f\u00fcr die Mutter verantwortlich, auch wenn seine Tochter gerade das Buch <em>\u201eWarum wir unseren Eltern nichts schulden\u201c<\/em> liest. Doch was k\u00fcmmert ihn, was die Dorfbewohner sagen. Er muss f\u00fcr sich und seine Arbeit, die nat\u00fcrlich auch durch EU-Bestimmungen in die Krise rutscht, eine L\u00f6sung finden. Seine Tochter wei\u00df alles besser, und das mag ihr gutes Recht sein. Allerdings beginnt auch Lissa langsam an dem zu zweifeln, was sie f\u00fcr das Richtige hielt. Mag sie einen k\u00fchlen Blick auf die Elterngeneration haben, der Gro\u00dfelterngeneration begegnet sie mit mehr Milde.<br \/>\nDie Sprachlosigkeit des Vaters und der Oma schmerzt Lissa und doch kann sie kaum vermitteln.<br \/>\nLebensnah und ehrlich erz\u00e4hlt Katja Sch\u00f6nherr von einer Familie, die sich auf eine bestimme Art und Weise einfach nicht mehr versteht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katja Sch\u00f6nherr: Alles ist noch zu wenig, Arche Verlag, Z\u00fcrich 2022, 315 Seiten, \u20ac23,00, 978-3-7160-2801-8 \u201e &#8218;Keine Blumen?&#8216;, sagt sie. Sie findet immer etwas, denkt Carsten. Sie. Findet. Immer. 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