{"id":4371,"date":"2022-05-15T11:38:07","date_gmt":"2022-05-15T09:38:07","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4371"},"modified":"2022-05-15T11:38:07","modified_gmt":"2022-05-15T09:38:07","slug":"spitzweg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/spitzweg\/","title":{"rendered":"Spitzweg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eckart Nickel: Spitzweg, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2022, 254 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-492-07143-7<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Spitzweg: Roman\" type=\"text\/html\" width=\"676\" height=\"550\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"max-width:100%\" src=\"https:\/\/lesen.amazon.de\/kp\/card?preview=inline&#038;linkCode=li2&#038;ref_=k4w_oembed_PwhsZEA1Snd64d&#038;asin=3492071430&#038;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/iframe><\/p>\n<p><em>\u201eEs gab offenbar kein Buch, das ich je gelesen hatte, das Carl nicht auch kannte und liebte. Nur war er anders als ich dazu in der Lage, die Lekt\u00fcren absolut beil\u00e4ufig zu erw\u00e4hnen und dabei gleichzeitig sein Wissen durchschimmern zu lassen, ohne einen damit vor den Kopf zu sto\u00dfen. Er holte aus der Schublade unter seiner Ottomane einen Bildband hervor, auf dessen Umschlag ein Gem\u00e4lde prangte, und stellte ihn so hin, dass wir es gut betrachten konnten.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Bei Carl und seinem Freund handelt es sich in Eckart Nickels Roman nicht um M\u00e4nner um die vierzig oder f\u00fcnfzig, sondern um Jugendliche, die vor ihrem Abitur stehen. Zwar behauptet der Ich-Erz\u00e4hler Kunst sage ihm nichts und gebe ihm auch nichts, wie man es von durchschnittlichen Abiturienten erwarten w\u00fcrde, doch stimmt das nur zum Teil. Carl hingegen redet wie ein Mensch aus dem 19. Jahrhundert und seine Vorliebe f\u00fcr Gem\u00e4lde von Carl Spitzweg erscheint \u00e4u\u00dferst manieriert und artifiziell. Man lebt analog mit Schallplattenspieler und Verehrung auch f\u00fcr Balthus und Max Beckmann und Musik von Gustav Mahler, tr\u00e4gt altmodische Sockenhalter und kleidet sich wie ein Prokurist.<br \/>\nDer Ich-Erz\u00e4hler des Romans freundet sich mit dem in der Schule ziemlich schweigsamen neuen Sch\u00fcler Carl an, als beide f\u00fcr ihre Mitsch\u00fclerin Kirsten Partei ergreifen. Kirsten, die als einzige in der Klasse wirklich Talent zum Zeichnen hat, wurde von der Kunstlehrerin bei der Betrachtung ihres Portr\u00e4ts, so glaubt sie, beleidigt. Der Ich-Erz\u00e4hler, der Kirsten mehr als mag, ist ihr sogenannter Fehlpate, d.h. er k\u00fcmmert sich um die Schuldinge, wenn sie krank ist. Auch Kirstens Familienleben ist ungew\u00f6hnlich. Ihre Eltern scheinen eine Allergie gegen das moderne Leben zu haben, gegen Plastik u.v.a.m.. Auch der exzentrische Deutschlehrer, Herr Dr. Fant, fragt seine Sch\u00fcler nach den Ferien nicht nach Reiseerlebnissen, sondern nach ihrer Urlaubslekt\u00fcre. Witzig.<\/p>\n<p>In diesem Roman, in dem Kirsten aus Rachegel\u00fcsten ihr Verschwinden mit Hilfe von Carl und dem Ich-Erz\u00e4hler vort\u00e4uschen wird, dreht sich alles um Kunst, aber auch K\u00fcnstlichkeit, Original oder F\u00e4lschung, um Realit\u00e4t und Fantasie, um Pop und Hochkultur. Konsumiert wird hier auf der gymnasialen Ebene die Schule des Sehens, nicht der Informationsflut oder die Oberfl\u00e4chlichkeit der<br \/>\nsozialen Medien. Dabei steht Carl Spitzweg ( <em>\u201eDer Hagestolz\u201c<\/em> auf dem Buchcover ) als K\u00fcnstler im Zentrum von vielen Gespr\u00e4chen und Bildinterpretationen, aber nicht nur er.<\/p>\n<p>Immerhin hat sich Carl in seinem <em>\u201eKunstversteck\u201c<\/em> nach dem Vorbild von Balthus vergraben und fr\u00f6nt hier seinen Leidenschaften. Doch wird er in Konkurrenz zu seinem neuen Freund dieses verlassen, um seinen realen Empfindungen f\u00fcr Kirsten zu folgen, die der Ich-Erz\u00e4hler nicht guthei\u00dfen kann.<\/p>\n<p>Ein Bildungsroman, vorgetragen in einem ironischen Erz\u00e4hlton und durchdrungen von Reflexionen, ist entstanden, wobei sich der Lesende fragt, welche Bedeutung heute noch ein Au\u00dfenseiter hat, der sich allen gesellschaftlichen Gegebenheiten entzieht, um sich auf das wirklich Sehens &#8211; wie Lesenswerte in einer Welt voller Mittelm\u00e4\u00dfigkeit zu konzentrieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eckart Nickel: Spitzweg, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2022, 254 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-492-07143-7 \u201eEs gab offenbar kein Buch, das ich je gelesen hatte, das Carl nicht auch kannte und liebte. 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