{"id":4218,"date":"2022-03-14T17:24:33","date_gmt":"2022-03-14T16:24:33","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4218"},"modified":"2022-03-14T17:24:33","modified_gmt":"2022-03-14T16:24:33","slug":"unser-glueck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/unser-glueck\/","title":{"rendered":"Unser Gl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p><strong>Natalie Buchholz: Unser Gl\u00fcck, Penguin Verlag, M\u00fcnchen 2022, 224 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-328-60188-3 <\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Unser Gl\u00fcck: Roman\" type=\"text\/html\" width=\"676\" height=\"550\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"max-width:100%\" src=\"https:\/\/lesen.amazon.de\/kp\/card?preview=inline&#038;linkCode=li2&#038;ref_=k4w_oembed_rcdtneLnbfg3Gg&#038;asin=3328601880&#038;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/iframe><\/p>\n<p><em>\u201eWer w\u00fcrde nicht alles daf\u00fcr geben, so eine Immobilie zu erben, hatte sie gesagt. Ich w\u00fcrde nicht alles daf\u00fcr tun, hatte Coordt geantwortet, auch wenn Franziska es nicht h\u00f6ren wollte. Die Wohnung interessierte ihn nicht mehr. Er wollte frei sein. Er sehnte den Tag herbei, an dem Bobos Tod ihn wieder mit seiner Familie zusammenf\u00fchren w\u00fcrde.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Natalie Bucholz entwirft das Psychogramm einer jungen Ehe, in der die Kommunikation und die echte Auseinandersetzung auf der Strecke bleiben. Die Abh\u00e4ngigkeit des Gl\u00fccks von der Wohnumgebung mag schon wichtig sein, doch auch in der edelsten Wohnung kann ein Paar, dessen Zusammenleben nicht mehr funktioniert, ungl\u00fccklich sein. Die Unf\u00e4higkeit, den anderen zu verstehen und immer nur der Blick auf das eigene Wohlbefinden, ist ein Aspekt unter anderen, der dazu f\u00fchrt, dass die Ehe von Coordt und Franziska nicht lang dauern wird.<\/p>\n<p>Bei dem Angebot einer bezahlbaren, hochwertig ausgestatteten, gro\u00dfz\u00fcgig geschnittenen, gro\u00dfen Wohnung in einem ruhigen wie wohlhabenden Stadtteil M\u00fcnchens w\u00fcrde wohl niemand ablehnen. Das nat\u00fcrlich ein Haken an der ganzen Sache bei der allgemein angespannten Wohnungslage lauert, ist klar. Coordt ahnt, dass irgendetwas nicht stimmen kann, denn so schnell die Leute die Wohnung besichtigen, so schnell verlassen sie diese auch. Beim Gespr\u00e4ch mit der Eint\u00fcmerin der Wohnung stellt sich heraus, dass sie die Wohnung nur an den vergibt, der auch einen Mitbewohner akzeptiert. Der Ex-Mann der Eigent\u00fcmerin bewohnt ein Zimmer mit Bad und K\u00fcchenzeile. Er ist angeblich krank und lebt sehr zur\u00fcckgezogen. Als Coordt ihn jedoch zu Gesicht bekommt, \u00e4rgert er sich \u00fcber dessen aggressiven Ton.<br \/>\nCoordts anstrengende Frau Franziska jedoch ist von der Wohnung begeistert und der Mann, der hinter einer Zimmert\u00fcr haust, interessiert sie nicht. Von ihrem einj\u00e4hrigen Kind Frieder \u00fcberlastet, sehnt sich Franziska nach mehr Platz und vor allem weniger Feinstaubbelastung. In den neuen vier W\u00e4nden lebt das Liebesleben des Paares wieder auf, Franziska f\u00fchlt sich wohl und freundet sich mit ihrer Nachbarin Majtken an und bekommt durch sie auch noch einen Job, der ihr gef\u00e4llt. In Coordts Augen passt sich Franziska einem Cham\u00e4leon gleich ihrer Umgebung an. Sie kauft teuer Lebensmittel und \u00fcbernimmt sogar die Gestik von Majtken. Coordt beobachtet dies und traut sich jedoch nicht, mit seiner Frau zu reden. F\u00fcr Franziska ist die Wohnung ein Gewinn an Prestige und f\u00fcr sie der Hauptgewinn, nicht ihr Kind und wahrscheinlich auch nicht ihr Mann. Sie ist rundum froh, bemerkt aber auch, dass Coordt des Nachts nicht schlafen kann und sich immer fragt, wann verl\u00e4sst der Mann, den alle Bobo nennen, seine Wohnung f\u00fcr normale G\u00e4nge und was treibt er eigentlich hinter der T\u00fcr. Die Vorstellung, dass jederzeit ein Fremder sich \u00fcber das Bett seines Kindes beugen k\u00f6nnte, schmerzt Coordt, zumal sein Verh\u00e4ltnis zu seinem Sohn erst in der Wohnung besser geworden ist.<\/p>\n<p>Doch dann beginnt die H\u00f6lle, die der Mitbewohner Coordt bereits angek\u00fcndigt hat. Er behauptet eines Tages, dass er nun die Wohnung gekauft habe und jetzt seine Regeln gelten. Da er nur noch sechs Monate zu leben habe, w\u00fcnscht er sich, dass Franziska ihn pflegt und daf\u00fcr dann die Wohnung als Geschenk erh\u00e4lt. Coordt jedoch m\u00fcsse sofort ausziehen. Diese Forderung versetzt das junge Ehepaar in einen Schockzustand, aus dem Franziska schnell erwacht und klarmacht, dass sie die Wohnung nicht aufgeben wird. Coordt f\u00fcgt sich wie immer den Ansinnen seiner Frau, nicht ohne pausenlose Diskussionen zu provozieren, die sie nur nerven.<br \/>\nDie Aussicht auf ein wunderbares Leben nach dem Tod des Fremden scheint wichtiger zu sein, als ein gemeinsamer normaler Alltag mit seinem Kind. Franziska als Heimkind mit einer lieblosen Mutter braucht Geborgenheit und ein Nest. Eine Zeit der L\u00fcgen und des Misstrauens wird nun beginnen, denn es entstehen nat\u00fcrlich auch viele Fragen, die nie beantwortet werden.<\/p>\n<p>In gewisser Weise stand Coordt, M\u00fcnchen muss die Immobilienh\u00f6lle sein, schon einmal vor einem moralischen Dilemma. Sein Kindheitsfreund Erik, mit dem er in M\u00fcnchen eine Wohnung geteilt hatte, forderte von Coordt eine hohe Abl\u00f6sesumme, die Wohnung war auch nur gemietet, wenn er die Wohnung verl\u00e4sst. Der Freund sollte Erik sozusagen das Auswandern finanzieren. Zu diesem Zeitpunkt endete die jahrelange Freundschaft und Coordt ist ausgezogen.<\/p>\n<p>Fein arbeitet die Autorin die Konflikte heraus und entwirft doch zwei Charaktere, die nicht unbedingt sympathisch sind, in ihrem absoluten Gl\u00fccksanspruch allerdings verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Der Fremdk\u00f6rper Bobo ist nur ein befremdliches Symptom f\u00fcr die Ungleichgewichte in der Ehe und das verlorene Vertrauen der beiden zueinander.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Natalie Buchholz: Unser Gl\u00fcck, Penguin Verlag, M\u00fcnchen 2022, 224 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-328-60188-3 \u201eWer w\u00fcrde nicht alles daf\u00fcr geben, so eine Immobilie zu erben, hatte sie gesagt. 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