{"id":4215,"date":"2022-03-14T17:12:18","date_gmt":"2022-03-14T16:12:18","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4215"},"modified":"2022-03-14T17:12:18","modified_gmt":"2022-03-14T16:12:18","slug":"wir-holen-alles-nach","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wir-holen-alles-nach\/","title":{"rendered":"Wir holen alles nach"},"content":{"rendered":"<p><strong>Martina Borger: Wir holen alles nach, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2022, 296 Seiten, \u20ac13,00, 978-3-257-24569-1<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Wir holen alles nach: Roman\" type=\"text\/html\" width=\"676\" height=\"550\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"max-width:100%\" src=\"https:\/\/lesen.amazon.de\/kp\/card?preview=inline&#038;linkCode=li2&#038;ref_=k4w_oembed_ROULyaZNIVkLey&#038;asin=3257071302&#038;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/iframe><\/p>\n<p><em>\u201eWor\u00fcber sollte sie sich beklagen? Sie hat ein gutes Leben. Das nur wieder ein bisschen farbloser geworden ist, ein bisschen enger und kleiner. Aber, so sagt sie es sich immer wieder, es ist normal in ihrem Alter, dass alles nachl\u00e4sst, weniger wird. Und es nicht mehr so viel gibt, auf dass man sich freuen kann.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Ellen hat sich mit allem arrangiert, ihren Lebensstandard auf ein Minimum zur\u00fcckgefahren, denn letztendlich bleibt ihr auch nichts anderes \u00fcbrig. Seit sie ihre Arbeit als Buchh\u00e4ndlerin aufgegeben hat und in Rente gegangen ist, fehlt es an allem. Auch wenn sie sich noch so einschr\u00e4nkt, muss sie weiterhin Minijobs annehmen. So tr\u00e4gt sie jeden Morgen mit ihrem Hund zusammen die Zeitungen aus und gibt am Nachmittag Nachhilfestunden f\u00fcr Sch\u00fclerInnen. Ellen ist seit f\u00fcnfundzwanzig Jahren Witwe, die erwachsenen S\u00f6hne sind aus dem Haus und leben auch weit ab von M\u00fcnchen. Doch die Achtundsechzigj\u00e4hrige, die einen kleinen Freundeskreis hat, f\u00fchlt sich nicht alt, obwohl der Blick in den Spiegel etwas anderes erz\u00e4hlt. Der achtj\u00e4hrige Elvis, einer ihrer Nachhilfesch\u00fcler, erkl\u00e4rt ihr auf seine kindlich naive Art auch, dass sie f\u00fcr ihn immer noch jung wirkt.<br \/>\nElvis Mutter Sina, die in einer Werbeagentur arbeitet, w\u00fcnscht sich manchmal, sie w\u00e4re bereits in dem Alter, wo alle Sorgen, gerade um Elvis, l\u00e4ngst vorbei w\u00e4ren. Sie hadert mit ihrem geschiedenen, recht oberfl\u00e4chlichen Mann David, der in keinster Weise Verantwortung f\u00fcr sein Kind \u00fcbernimmt. Sina besorgt, dass der Junge viel zu ernst ist, schm\u00e4chtig und vertr\u00e4umt.<\/p>\n<p>Martina Borger l\u00e4sst ihre beiden sehr unterschiedlichen Hauptfiguren Ellen und Sina jeweils aus der Ich-Perspektive erz\u00e4hlen und so verfolgt der Lesende all ihre inneren Konflikte hautnah.<\/p>\n<p>Sina lebt mit dem ruhigen Torsten zusammen, der seine letzte Arbeit durch seine alkoholischen Exzesse verloren hat. Als trockener Alkoholiker findet er jedoch keinen Job. Torsten ist geschieden und im Gegensatz zu David bem\u00fcht er sich sehr, um Kontakt zu seinen S\u00f6hnen zu bekommen. Er ruft sie an, schickt P\u00e4ckchen und Geschenke zum Geburtstag und erntet einen schmallippigen Dank.<br \/>\nAls Sina in den Ferien niemanden findet, der sich um Elvis k\u00fcmmern kann, bittet sie Ellen gegen Bezahlung um eine vierzehnt\u00e4gige Betreuung. Auch wenn Ellen dies nie zugeben w\u00fcrde, freut sie sich auf die Zeit mit Elvis, der ein zwar wortkarger, aber doch liebenswerter Junge ist. Und Elvis liebt Ellens Hund hei\u00df und innig. Er geht in diesem Sommer lieber mit dem Hund in den Park als ins Schwimmbad. Als Elvis nach dem Wochenende wieder bei Ellen vor der T\u00fcr steht, erscheint ihr das Kind doch ver\u00e4ndert. Am Samstag war er mit Torsten zelten, am Sonntag bei einem Freund zur \u00dcbernachtung. Als Ellen dann feststellt, dass Elvis diverse gro\u00dfe blaue Flecken am K\u00f6rper hat, informiert sie Sina. Allerdings geht die Information im Alltagsstress unter, auch f\u00fchlt sich Sina mit ihrem ewigen schlechten Gewissen dem Kind gegen\u00fcber von Ellen bevormundet. Sina muss als alleinerziehende Mutter einfach zu viele Aufgaben bew\u00e4ltigen. Ihre Arbeit in der Werbeagentur fordert ihre ganze Aufmerksamkeit, dann hofft sie, dass Elvis es schafft, seine Leistungen zu verbessern, um aufs Gymnasium zu kommen und sie hat einen Partner, der ebenfalls aufgebaut werden muss. Elvis tr\u00e4gt v\u00f6llig \u00fcberfordert feinf\u00fchlig alle Sorgen der Mutter mit und will sie auf keinen Fall mit seinen Problemen belasten. Auch Ellen gegen\u00fcber kann er sich nicht \u00f6ffnen und Torsten hat ihn zum Schweigen gezwungen, obwohl Sinas Partner nicht der Schl\u00e4ger ist.<br \/>\nAls dann an einem Tag Sinas Miete erh\u00f6ht wird, ihr Job in der Agentur nicht mehr sicher ist und eine Frau vom Jugendamt bei ihr anruft, da auch die Lehrer festgestellt haben, dass Elvis offensichtlich geschlagen wird, eskaliert die Handlung und alle Beziehungen werden f\u00fcr Sina in Frage gestellt.<\/p>\n<p>Martina Borger schreibt auf literarisch leichte Weise von ernsten Alltagssorgen zweier sehr unterschiedlicher Generationen mit ihren ganz eigenen Konflikten. Dieses Buch, das ist ein Versprechen, kann man erst aus der Hand legen, wenn die letzte Seite umgebl\u00e4ttert ist, denn die Handlung, die \u00fcberall spielen k\u00f6nnte, ber\u00fchrt, w\u00fchlt auf und endet doch ohne Sentimentalit\u00e4t auf eine gute Weise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martina Borger: Wir holen alles nach, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2022, 296 Seiten, \u20ac13,00, 978-3-257-24569-1 \u201eWor\u00fcber sollte sie sich beklagen? Sie hat ein gutes Leben. Das nur wieder ein bisschen farbloser geworden ist, ein bisschen enger und kleiner. 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