{"id":4160,"date":"2021-12-01T08:43:13","date_gmt":"2021-12-01T07:43:13","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4160"},"modified":"2021-12-01T08:43:13","modified_gmt":"2021-12-01T07:43:13","slug":"das-leben-keiner-frau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-leben-keiner-frau\/","title":{"rendered":"DAS LEBEN KEINER FRAU"},"content":{"rendered":"<p><strong>Caroline Rosales: Das Leben keiner Frau, Ullstein Verlag, Berlin 2021, 235 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-550-20163-9<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B093T39FB1\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B093T39FB1&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=cfaf9a71cc82f16fdc1ffb0b67aa0403\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B093T39FB1&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eDas ist das Fatale. Wenn du als Frau alles wei\u00dft \u00fcber die Kraft, Wirkung und Manipulationskraft deines K\u00f6rpers, bist du zu alt, dein Blick hat seine Unschuld verloren, du bist aus der Naivit\u00e4t, die deine Wirkung auf M\u00e4nner ausmacht, herausgewachsen. Ein bisschen Eilika w\u00fcrde Mona guttun. Ein gesundes Selbstbewusstsein, ein aufrechter Brustkorb, Betonung auf Titten.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Caroline Rosales schafft eines in ihrem Deb\u00fct ganz sicher, sie \u00fcberzeichnet treffsicher mit Sprachwitz und klaren Tiefpunkten den Untergang einer emanzipierten, arbeitenden Frau, die glaubte, dass nichts und niemand ihr etwas anhaben k\u00f6nnte. Ziemlich naiv, denn der Altersrassismus lauert in dieser Gesellschaft insbesondere auf Frauen. Melanie raucht, trinkt gern Alkohol und stellt sich vieles insbesondere f\u00fcr ihren pers\u00f6nlichen Lebensabend, es geht nun doch nicht ohne M\u00e4nner, vor, was nie eintreten wird. Sie kann anstellen, was sie will, sie ist immer auf der Verliererseite und hat sich doch phasenweise nicht anders verhalten als ein Mann. Ihm wird man vieles verzeihen, ihr nicht.<\/p>\n<p>Die zu Beginn noch lebensfrohe, so unbeschwert wirkende schillernde Melanie Moosgruber feiert ihren 50. Geburtstag in ihrem kleinen Garten bei wunderbarem Sommerwetter. Als geschiedene Frau mit einer erwachsenen Tochter, als erfolgreiche Buchautorin und Leiterin des Kulturressorts einer M\u00fcnchner Zeitung scheint sie, das Leben in vollen Z\u00fcgen zu genie\u00dfen.<br \/>\nAls sie sich jedoch auf diesen schnellen, irgendwie auch peinlichen Sex mit einem ihrer k\u00fcnftigen Kollegen einl\u00e4sst und relativ z\u00fcgig erkennt, wie langweilig dieser Mann ist, br\u00f6ckelt die Fassade.<br \/>\nAuf die Wechseljahre zugehend t\u00fcrmen sich pl\u00f6tzlich eine ganze Reihe von Problemen vor ihr auf.<br \/>\nIn einem ziemlich kritischen, aber auch ziemlich fiesen Ton betrachtet Melanie als Ich-Erz\u00e4hlerin ihre gesamte Umgebung, ob es nun ihr alter Chef Werner ist, den sie schon zwanzig Jahre durchschaut und wei\u00df, dass sich sein Praktikantinnenkarussell immer weiter drehen wird oder ihre nervige Mutter, ihre offenbar einfach strukturierte sich nach Sicherheit sehnende Tochter Mona, ihr verlogener Liebhaber oder ihr gleichg\u00fcltiger Ex-Mann, dem sie und ihrem gemeinsamen doch recht luxuri\u00f6sen Leben hinterher trauert. Wenn er mit einundsechzig Jahren Vater wird, seine neue Frau ist nat\u00fcrlich sehr jung, dann schreibt Melanie ihre Oma-Kolumnen und soll damit gl\u00fccklich sein. Zumal ihr eine junge, v\u00f6llig unerfahrene Kollegin auch noch an die Seite gestellt wird, die nun eine Kolumne \u00fcber junge Frauen schreiben soll.<\/p>\n<p>Stellenweise muss man beim Lesen \u00fcber die Oberfl\u00e4chlichkeit oder die haargenaue Beschreibung von Befindlichkeiten wirklich laut lachen, z.B. wenn Leute immer wieder v\u00f6llig sinnlos englische W\u00f6rter einflie\u00dfen lassen oder Peinlichkeiten als Wahrheiten oder sogar als Triumphe verkauft werden.<br \/>\nDie toxischen Beziehungen scheinen sich, von Mutter auf Tochter und wiederum von Tochter auf Mutter in all ihrer Banalit\u00e4t zu \u00fcbertragen. Als Tochter ertr\u00e4gt Melanie ihre garstige und unzufriedene Mutter, die mit ihren f\u00fcnfundachtzig Jahren alle Eitelkeiten hat fahren lassen und nur noch am giftigen Verspr\u00fchen von Bosheiten Freude hat, gepaart mit eigenem Selbstmitleid. Melanie hofft, dass sie nie als wirklich alte Frau so wird wie ihre Mutter, w\u00fctend und verzweifelt.<br \/>\nMona, Melanies Tochter, hingegen hat sich seltsam fr\u00fch trotz guter Ausbildung, sogar in England, f\u00fcr ein Leben als anthroposophisch angehauchte Hausfrau und Mutter entschieden, die nat\u00fcrlich wegen ihrer Konflikte mit der freiz\u00fcgigen Mutter auch noch zum Therapeuten geht. Mit f\u00fcnfundzwanzig Jahren erwartet sie nun das zweite Kind und hat einen Mann, der die Familie kaum ern\u00e4hren kann.<\/p>\n<p>Am schlimmsten ist Melanies Wut auf die attraktive, weil einfach junge Eilika, deren Schreibe sie unertr\u00e4glich findet und deren schneller Aufstieg, immerhin in Krisenzeiten Festanstellung in einer Tageszeitung mit fester Kolumne, ihr ein Dorn im Auge ist. Allerdings schreit Eilika gleich kess bei der ersten Kritik nach Werner, ihrem offensichtlichen G\u00f6nner, der auch gleich Melanie r\u00fcffelt und auf die Ver\u00f6ffentlichung der Kolumne besteht. Leider ist Melanie in diesem Moment nicht bei der Sache und begeht einen eklatanten Fehler.<\/p>\n<p>Mag die Frauensolidarit\u00e4t in unserer Gesellschaft nicht hoch im Kurs stehen, aber die alte wei\u00dfe Frau, die Melanie nun mal ist, benimmt sich auch nicht anders als ein alter wei\u00dfer Mann. Sie tr\u00e4gt das System des Wegsehens, Protegierens und Fallenlassens. Ihre Freundin Ch\u00e9rie ist vielleicht das Gegenbild, weil solidarischer und doch im System genau so involviert und gefangen.<\/p>\n<p>Umkreist wird nat\u00fcrlich auch die Bussi-Bussi-Gesellschaft, die in der eigenen Selbstoptimierung mit noch so teuren Produkten ihr Heil sieht, deren Frauen wegsehen, wenn die M\u00e4nner fremdgehen und doch am Ende in den heiligen Hafen der Ehe zur\u00fcckkehren. Seitenhiebe werden auch in Richtung Spielplatz-Muttis mit Mitte vierzig ausgeteilt und nat\u00fcrlich in Richtung kochende backende Tochter, deren Helikopterfunktion f\u00fcr Melanie nur l\u00e4cherlich ist.<br \/>\nDer Blick von innen wie au\u00dfen auf Melanie offenbart letztendlich eine Frau, die wahrscheinlich vieles ist, was die anderen sehen, nur sie nicht.<\/p>\n<p><em>\u201eZu d\u00fcnn, um gesund, zu sein. Zu ungesund, um als Vorbild zu taugen. Keine Geliebte, keine Ehefrau, keine Freundin. Ich bin als gar keine Frau gut. Mein Leben ist das Leben keiner Frau.\u201c <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Caroline Rosales: Das Leben keiner Frau, Ullstein Verlag, Berlin 2021, 235 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-550-20163-9 \u201eDas ist das Fatale. 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