{"id":4143,"date":"2021-11-13T07:46:07","date_gmt":"2021-11-13T06:46:07","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4143"},"modified":"2021-11-13T07:46:07","modified_gmt":"2021-11-13T06:46:07","slug":"das-haus-auf-dem-wasser","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-haus-auf-dem-wasser\/","title":{"rendered":"DAS HAUS AUF DEM WASSER"},"content":{"rendered":"<p><strong>Emuna Elon: Das Haus auf dem Wasser, Aus dem Hebr\u00e4ischen von Barbara Linner, Aufbau Verlag, Berlin 2021, 360 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-351-03841-0<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B093167R6Y\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B093167R6Y&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=8c5ae79b6c0ec9f3ceaf19914e3b6325\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B093167R6Y&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eEr sitzt und schreibt, bem\u00fcht sich mit aller Macht, das Unsagbare mit Worten einzufangen, sucht nach den geeigneten Buchstaben, doch er sieht nur Brillen, einen gigantischen Berg aus aufeinandergeworfenen Brillen \u2013 Brillen jeder St\u00e4rke und jeder Rahmengr\u00f6\u00dfe mit Gestellen in allen Farben und Formen \u2026\u201c <\/em><\/p>\n<p>Der bekannte israelische Autor Joel Blum hatte es bisher auf Wunsch der geliebten Mutter, die aus den Niederlanden stammte, vermieden, nach Amsterdam zu reisen. Nach ihrem Tod steht Joel nun vor dem Rijksmuseum, dem Van-Gogh-Museum, er sieht die lange Schlange vor dem Anne-Frank-Museum und bewundert diese Stadt mit ihren Menschen, ihrer eigenwilligen Architektur und den Grachten. Er entschlie\u00dft sich mit seiner Frau recht sp\u00e4t, auch das J\u00fcdische Museum zu besuchen. Als er einen Stummfilm von einer j\u00fcdischen Hochzeit sieht, werfen ihn die Bilder v\u00f6llig aus der Bahn, denn hier tauchen nur ganz kurz seine Mutter mit einem Baby auf dem Arm und ein Mann mit einem M\u00e4dchen an der Hand auf. Joel ist sich sicher, dass das seine Familie vor der Ausreise nach Pal\u00e4stina ist. Allerdings ist der Junge auf dem Arm der Mutter ein fremdes Kind. Als er seine Schwester Nellie in Israel anruft, bekommt er keine richtigen Antworten. Gefesselt von diesem Film kehrt Joel Blum allein nach Amsterdam zur\u00fcck, er mietet sich in einem kleinen Hotel im Zentrum ein und beginnt mit dem Schreiben eines neuen Romans. Immer wieder wird er von Touristen erkannt, und entschlie\u00dft sich, sein \u00c4u\u00dferes zu \u00e4ndern, um ungest\u00f6rt in den Museen flanieren zu k\u00f6nnen und seinen Gedanken nachzuh\u00e4ngen.<br \/>\nGeschickt verbindet die Autorin Emuna Elon nun den Aufenthalt des Schriftstellers, der \u00fcber die Zeit der deutschen Besatzung in Amsterdam recherchiert und Szenen f\u00fcr seinen Roman schreibt, mit R\u00fcckblenden und Erinnerungen an die Tage mit seiner Mutter Sonia. Das m\u00f6gliche reale Leben von Sonia, ihrem Mann Eddy, der als Arzt im j\u00fcdischen Krankenhaus arbeitete und den Kindern Nellie und Leo breitet sich vor dem inneren Auge des Lesenden aus. Die Familie Blum wohnt in einer Kellerwohnung. \u00dcber ihnen residiert die reiche j\u00fcdische Familie de Langer. Eddy ist mit dem Schwiegersohn Martin befreundet. Martins verw\u00f6hnte Frau Anouk kommt wegen jeder Kleinigkeit, die ihren empfindlichen Sohn Sebastian betrifft, zu Sonia, die als Krankenschwester gearbeitet hat.<br \/>\nAnouks Vater, Jozef de Lange ein einflussreicher j\u00fcdischer Gesch\u00e4ftsmann, liest ihr jeden Wunsch von den Augen.<br \/>\nJoel durchwandert nun Amsterdam, geht in die Synagoge, lernt dort neue Leute kennen und kommt ins Gespr\u00e4ch. So unterh\u00e4lt er sich mit Raphael \u00fcber dessen Kindheit. Raphael wurde wie 2500 andere Kinder in Amsterdam von einer Untergrundorganisation bei einer christlichen Familie versteckt. Als ihn seine leibliche Mutter nach dem Krieg endlich gefunden hatte, war er extrem ver\u00e4rgert dar\u00fcber. Er wollte bei seinen f\u00fcr ihn wahren Eltern bleiben. F\u00fcr Raphael war die Mutter ein Eisklotz. Erst im Laufe seines Lebens hat er verstanden, was seine Mutter auf sich genommen hatte, um ihn endlich wiederzufinden und warum sie, niemand wei\u00df, was sie erlebt hat, ihre Gef\u00fchle nicht zeigen konnte.<br \/>\nImmer tiefer verweben sich im Laufe der Zeit die Schicksale von Sonia, Martin und Anouk. Eddy wurde als Erster von der Familie getrennt und musste ins Lager Westerbork.<br \/>\nSeit Urzeiten hatten die Amsterdamer Juden einen gleichberechtigten Status. Erst nach und nach verstehen diese, was mit ihnen geschehen k\u00f6nnte. Von 140 000 holl\u00e4ndischen Juden<br \/>\n\u00fcberlebten 38 000. Doch wie schreibt man \u00fcber das Grauen? Die Dem\u00fctigungen? Die Transporte? Die versteckten Kinder? Und was ist mit den Jungen der beiden j\u00fcdischen Familien geschehen?<\/p>\n<p>Die israelische Autorin Emuna Elon erz\u00e4hlt auf hohem literarischen Niveau bewegend von Menschen, deren Geschichte genau so h\u00e4tte verlaufen k\u00f6nnen. Ihre Figuren sind durchaus ambivalent, interessant sind aber auch Joels Recherchen in Bibliotheken, seine realistischen Schlussfolgerungen und die m\u00f6glichen Geschehnissen, die seine Schwester Nellie letztendlich best\u00e4tigen wird. Nicht umsonst gilt der letzte Gedanke der dementen Mutter in Israel mit auch klaren Momenten, ihrem wahren Sohn Leo.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emuna Elon: Das Haus auf dem Wasser, Aus dem Hebr\u00e4ischen von Barbara Linner, Aufbau Verlag, Berlin 2021, 360 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-351-03841-0 \u201eEr sitzt und schreibt, bem\u00fcht sich mit aller Macht, das Unsagbare mit Worten einzufangen, sucht nach den geeigneten Buchstaben,&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-haus-auf-dem-wasser\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-4143","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-belletristik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4143","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4143"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4143\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4145,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4143\/revisions\/4145"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}