{"id":4073,"date":"2021-10-30T06:20:24","date_gmt":"2021-10-30T04:20:24","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4073"},"modified":"2021-10-30T06:20:24","modified_gmt":"2021-10-30T04:20:24","slug":"die-leuchtturmwaerter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-leuchtturmwaerter\/","title":{"rendered":"DIE LEUCHTTURMW\u00c4RTER"},"content":{"rendered":"<p><strong>Emma  Stonex: Die Leuchtturmw\u00e4rter, Aus dem Englischen von Eva Kemper, S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2021, 431 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-10-397037-1<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3103970374\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3103970374&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=21f2d0fe04bae3584f88e5fb84bbb106\" rel=\"noopener noreferrer\"><img border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3103970374&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eAuf einem Leuchtturm ist die Welt klein. Langsam. Das k\u00f6nnen andere Menschen nicht: Sie k\u00f6nnen Dinge nicht langsam und bedeutungsvoll machen. Mein Verstand arbeitet hier anders. An Land schl\u00e4ft er beinahe, er ist nicht so scharf wie jetzt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Acht Wochen arbeiten drei M\u00e4nner jeweils auf den frei stehenden Leuchtt\u00fcrmen vor Cornwall. Vier Wochen bleiben sie danach zu Hause, um wieder erneut auf die See hinauszufahren. Rau und direkt ist der Ton unter den M\u00e4nnern, eng die Behausung, gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig die wichtige Arbeit, die zwanzig Jahre sp\u00e4ter elektronisch funktioniert.<br \/>\nDer Mann, der auch gern teilen kann, ist Arthur Black, der Oberw\u00e4rter. An seiner Seite arbeitet der stille William Walker und der oft gut gelaunte Hilfsw\u00e4rter Vince Bourne. Alle drei M\u00e4nner verschwinden auf mysteri\u00f6se Weise zwischen Weihnachten und Silvester 1972.<br \/>\nWas ist vor zwanzig Jahren geschehen? Der Buchautor Dan Sharp befragt in langen Interviews Helen, Arthurs Frau und Jenny, Bills Ehefrau. Michelle, die damalige Freundin von Vince, will sich vorerst nicht \u00e4u\u00dfern. Die Gespr\u00e4che mit den Frauen sind eher Monologe, die mal von einer indirekten Frage des Autors kurz unterbrochen werden.<br \/>\nZeitversetzt schildern die Frauen nun ihre Sicht 1992, dann gewinnt der Leser und die Leserin Einblick in das wahre Geschehen auf dem Turm 1972, unterbrochen von Briefen der Protagonisten, des Autors oder der Firma, bei der die Leuchtturmw\u00e4rter angestellt waren.<br \/>\nDiese hatte schnell einen Schuldigen ausgemacht, denn Vince wurde eingestellt, obwohl die Firma wusste, dass er bereits mehrere Gef\u00e4ngnisstrafen verb\u00fc\u00dfen musste. Nur er konnte derjenige gewesen sein, der die M\u00e4nner, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, get\u00f6tet hat und dann aus Reue sich selbst. Doch wo sind die Leichen, wenn die T\u00fcren zum Turm geschlossen waren? Warum sind die Uhren alle zum gleichen Zeitpunkt stehengeblieben?<br \/>\nIn R\u00fcckblenden und Erinnerungen erz\u00e4hlt die englische Autorin nun vom Leben der M\u00e4nner. Wie sind sie aufgewachsen, wann haben sie ihre Frauen kennengelernt, was ist in ihrem Leben wirklich wichtig gewesen, was ist geschehen. Wie sind sie mit der Enge, der Tristesse gerade im Winter und auch der \u00d6dnis auf dem Leuchtturm klargekommen? Ohne Garten, nur auf einem Sockel stehend verwehrt der Turm jedem die normale Bewegung. Arthur hat viel gelesen, sich mit Geografie besch\u00e4ftigt und auch die Hundswache zwischen Mitternacht und vier Uhr gemocht. Doch neigte er auch zu depressivem Verhalten und einer Sehnsucht nach der Stille. Auf dem Turm konnten nur M\u00e4nner arbeiten, die es mit sich allein aushielten, die mit der Einsamkeit und Enge keine Probleme hatten.<br \/>\nVieles haben diese M\u00e4nner in langen Wachen ausgetauscht, was die Frauen vielleicht gar nicht wussten.<br \/>\nNach dem Verschwinden der M\u00e4nner kommt es unter den Frauen der Vermissten eher zu Streitereien. Die extrem unsichere Jenny, die Bill drei Kinder geboren hat, ohrfeigt Helen auf der Trauerfeier. Sie unterstellt Helen eine Aff\u00e4re mit ihrem Mann, dabei haben sich die beiden nur gek\u00fcsst. An Arthurs Seite f\u00fchlte sich Helen oft allein gelassen, besonders nach dem Tod des f\u00fcnfj\u00e4hrigen Tommy, den das Meer geholt hatte. Bill f\u00fchlt sich von Jenny erdr\u00fcckt, tr\u00e4umt sich in andere Leben, vielleicht sogar mit Helen.<br \/>\nImmer klarer werden im Laufe der Geschehnisse, ob nun in der Gegenwart oder Vergangenheit, dass die Konflikte zwischen den M\u00e4nnern die Ursache f\u00fcr das Verschwinden sein musste. Au\u00dferdem hatte Vince Angst vor einer bestimmten Person und f\u00fchlte sich verfolgt. Seine Pistole ruhte gut versteckt im Turm. Als dann eines Tages ein Mechaniker der Firma namens Sid, der nie losgeschickt wurde, anlandet, kommen neue Geheimnisse ans Licht. Doch als Sid den Leuchtturm wieder verl\u00e4sst, lebten noch alle drei. Die Trag\u00f6die jedoch nimmt ihren Lauf und nichts kann sie aufhalten.<\/p>\n<p>Literarisch auf hohem Niveau und psychologisch gut durchdacht schaut Emma Stonex in die K\u00f6pfe ihrer ProtagonistInnen und erz\u00e4hlt vom einfachen Alltagsleben der Leuchtturmw\u00e4rter-Familien, in denen die einen damit gl\u00fccklich sind und die anderen nicht. Daneben ist der wichtigste Protagonist, das Meer in all seinen Facetten.<br \/>\nGern folgt man der Autorin und ihrer Suche nach dem wahren Kern der Geschichte, die auf eine historisch verb\u00fcrgte Geschichte auf der Insel Eilean M\u00f2r in den \u00c4u\u00dferen Hibriden zur\u00fcckgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emma Stonex: Die Leuchtturmw\u00e4rter, Aus dem Englischen von Eva Kemper, S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2021, 431 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-10-397037-1 \u201eAuf einem Leuchtturm ist die Welt klein. Langsam. 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