{"id":4067,"date":"2021-09-28T12:31:05","date_gmt":"2021-09-28T10:31:05","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4067"},"modified":"2021-09-28T12:31:05","modified_gmt":"2021-09-28T10:31:05","slug":"kairos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/kairos\/","title":{"rendered":"KAIROS."},"content":{"rendered":"<p><strong>Jenny Erpenbeck: Karios. , Penguin Verlag, M\u00fcnchen 2021, 379 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-328-60085-5<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/332860085X\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=332860085X&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=cd650cf1332d2095b71b6815627dab1a\" rel=\"noopener noreferrer\"><img border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=332860085X&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><br \/>\n<em><br \/>\n\u201eWenn sie sich sehen, kippt alles immerfort, f\u00e4llt alles durcheinander, das Lachen und die Verzweiflung, Begehren, Verachtung, Liebe, Mitleid, Hass, Trauer.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Sommer 1986 lernt sich dieses ungleiche Paar kennen. Hans W., 53 Jahre alt, Schriftsteller und Fest Freier Mitarbeitet beim Rundfunk der DDR \u2013 Radio DDR I ( mit festem Gehalt, er muss nur eine Sendung im Jahr abliefern ), und Katharina, 19 Jahre alt, in der Ausbildung zur Schriftsetzerin. Eine Amour fou. Er lebt in einer gro\u00dfz\u00fcgig geschnittenen Wohnung in Pankow mit Frau Ingrid und vierzehnj\u00e4hrigem Sohn Ludwig, hat nebenher noch eine Geliebte bei Radio I und auch noch ein Arbeitszimmer in Berlin-Mitte in der Glinkastra\u00dfe. Er geht gern ins Theater, in Restaurants, wie dem<em> \u201eGanymed\u201c<\/em> oder in die <em>\u201eOffenbachstuben\u201c<\/em>, pflegt seine guten Kontakte zu bekannten Autoren, wie Heiner M\u00fcller. Nat\u00fcrlich machen Kulturschaffende an der Ostsee ihren j\u00e4hrlichen Urlaub und Reisen ins westliche Ausland sind f\u00fcr ihn scheinbar normal. Wer ist dieser Mann, der sich eine extrem junge Frau, die er sogar schon als Kind erlebt hat, zur Geliebten machen m\u00f6chte? Einst aus dem Westen in die DDR \u00fcbergesiedelt, hat er sich mit Privilegien ausgestattet ein intellektuelles Nest gebaut mit dem gro\u00dfen Vorteil, dass auch seine Frau f\u00fcr eine offene Ehe pl\u00e4diert. Als sie jedoch erkennt, wie jung die Geliebte ist, trennt sie sich zeitweilig. Aber Hans wird wieder in den sicheren, auch finanziell sicheren Ehehafen zur\u00fcckkehren. Was verbindet nun diese beiden so unterschiedlichen Liebenden? Ist es die Suche nach der Vaterfigur? Ist es die M\u00f6glichkeit, einem unbescholtenen Kind Wissen einzutrichtern, mit ihm wie zum ersten Mal alles zu erleben, die Liebe, die klassische Musik, das Theater, die Literatur? Und doch liegt \u00fcber allem ein Hauch von Abschied, erklingt nicht beim ersten Sex der beiden Mozarts \u201eRequiem\u201c. Wie bei Liebenden oft gibt es eine Zukunft, in der sich Katharina bereits die Namen ihrer gemeinsamen Kinder ausdenkt. Ein Spiel. \u201eKairos\u201c, das ist der Gott des gl\u00fccklichen Zeitpunkts, der nur f\u00fcr einen Moment an seiner Haarlocke zu fassen ist.<\/p>\n<p>Ohne all die graue Tristesse durchlaufen die LeserInnen eine Hauptstadt der DDR namens Berlin aus dem Blickwinkel zweier Liebenden, die den Alexanderplatz, den Marx-Engels-Platz ( heute Hackescher Markt ), die Friedrichstra\u00dfe und die Stadtmitte als ihre Stadt erleben. Kein Caf\u00e9 \u2013 Besuch ist mit Wartezeiten verbunden, man kennt die Kellner und Kellnerinnen und Hans hat, kaum ist die Mauer 1989 offen, auch sein Lieblingsrestaurant am Savignyplatz.<br \/>\nAls Wolf Biermann ausgeb\u00fcrgert wurde, h\u00e4tte er als Genosse der SED beinahe unterschrieben. Hat er aber nicht.<br \/>\nHans scheint die Gefahr zu lieben, die ihn mit Katharina verbindet. Er gibt sich gener\u00f6s, sieht sich als denjenigen, der sicher verlassen werden k\u00f6nnte. Aber in dem Moment, wo Katharina sich einem j\u00fcngeren Mann namens Vadim w\u00e4hrend ihres Praktikums in Frankfurt an der Oder auf dem Weg zum Studium als B\u00fchnenbildnerin zuwendet, bricht der r\u00e4tselhafte Hans&#8216; scheinbar zusammen. Die Liebe der beiden hat nun einen Vertrauensverlust zu beklagen, den er ins Unermessliche dramatisiert und von Katharina Schuldbekenntnisse und erneute Liebesbeweise erwartet, ja einfordert. Eine Farce. Immer wieder scheint das Motiv auf, dass alles erst zerst\u00f6rt werden muss, damit etwas Neues beginnen kann. Hans und Katharina begegnen sich zu einer Zeit, in der die DDR bereits dem Untergang geweiht ist. Sie kann zum ersten Mal in ihrem Leben in den Westen, nach K\u00f6ln zur Oma reisen. Er wird sich nicht f\u00fcr die Abkehr der Demonstranten gerade am 4. November 1989 vom DDR-Regime  interessieren. Gezeigt wird die DDR-Wirklichkeit mit all ihren hellen wie dunklen Seiten aus dem Blickwinkel von zwei Generationen.<\/p>\n<p>Nach Hans&#8216; Tod bringt eine Frau f\u00fcr Katharina zwei gro\u00dfe Kartons. Ihr Mann nimmt diese entgegen. Katharina wird mit den Aufzeichnungen, aufgehobenen Bons, Eintrittskarten, Tageb\u00fcchern und besprochenen Kassetten sich an diese Liebe und auch an die letzten Jahre in der DDR erinnern.<\/p>\n<p>Jenny Erpenbeck kennt das kulturelle Milieu, die Akademie der Wissenschaften aus eigenen Erfahrungen. Sie dichtet ihrer Katharina den eigenen beruflichen Weg an. Viele Namen und Hintergrundinformationen zu Schriftstellern flie\u00dfen ein und belegen Hans&#8216; intensive Kenntnisse, seine Distanz aber auch N\u00e4he zum DDR-Regime.<\/p>\n<p>Sprachlich fein formuliert tariert die Autorin alle Spielarten der Liebe aus, vom z\u00e4rtlichen Beginn bis zum bitteren, sehr bitteren Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jenny Erpenbeck: Karios. , Penguin Verlag, M\u00fcnchen 2021, 379 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-328-60085-5 \u201eWenn sie sich sehen, kippt alles immerfort, f\u00e4llt alles durcheinander, das Lachen und die Verzweiflung, Begehren, Verachtung, Liebe, Mitleid, Hass, Trauer.\u201c Im Sommer 1986 lernt sich dieses ungleiche&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/kairos\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4067"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4067"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4067\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4069,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4067\/revisions\/4069"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}