{"id":4055,"date":"2021-09-28T12:01:24","date_gmt":"2021-09-28T10:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4055"},"modified":"2021-09-28T12:01:24","modified_gmt":"2021-09-28T10:01:24","slug":"die-moebel-des-teufels","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-moebel-des-teufels\/","title":{"rendered":"DIE M\u00d6BEL DES TEUFELS"},"content":{"rendered":"<p><strong>Heinrich Steinfest: Die M\u00f6bel des Teufels, Frau Wolf und Cheng ermitteln, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2021, 430 Seiten, \u20ac16,00, 978-3-492-06315-9<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B092LGJPGZ\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B092LGJPGZ&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=07509326dc830db460970082e6e15779\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B092LGJPGZ&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eUnd war dieser Mund irgendwie in seine Ged\u00e4chtnis eingesickert. Ein Mund, wie der des Mannes auf dem Foto. Ein Mann, der elf Jahre vor Einsturz der Br\u00fccke einen Roman \u00fcber ebendieses Ungl\u00fcck geschrieben hatte. Das mochte bizarr klingen, erfunden, fantastisch, l\u00e4cherlich, aber es war nicht unlogisch. Die Teile griffen ineinander.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Alles beginnt im Dezember 2019. Die Covid19 &#8211; Krise ist nicht weit.<br \/>\nLeo Pranger kehrt nach vierundvierzig Jahren Abwesenheit nach Wien zur\u00fcck. Auf abenteuerliche Weise gelangte er einst durch die Hilfe eines Hais auf eine S\u00fcdpazifikinsel. Dort hat er dann gearbeitet und ist sogar reich geworden. Kurz bevor er jedoch \u00d6sterreich 1976 verlassen hat, nicht um sich umzubringen, trotz Todessehnsucht, hielt er per Zufall seine Kamera auf die Wiener Reichsbr\u00fccke. Dass diese in dem Moment in die Luft flog, konnte er nicht ahnen. Den Film in der Super-8-Kamera hat er nie entwickeln lassen. Seltsam war, dass offiziell f\u00fcnf Personen an diesem morgendlichen schrecklichen Unfall beteiligt waren, angeblich Materialerm\u00fcdung, Leo Pranger aber sechs Personen gesehen hat.<br \/>\nLeo Prangers R\u00fcckkehr nach all den Jahren, hat mit dem gewaltsamen Tod seiner Schwester Eva zu tun. Zw\u00f6lf gr\u00e4ssliche Messerstiche haben sie in ihrer Wohnung vom Leben zum Tode bef\u00f6rdert. Die Geschwister verbindet eine langsame Erblindung. Warum die Schwester so enden musste, bewegt nun den Bruder. Zuerst denkt Leo, dass Evas Ermordung mit ihrer Arbeit als ehemalige Stenografin f\u00fcrs Parlament zu tun hat. Immerhin findet man auf ihren Fu\u00dfsohlen eigenartige Hinweise, die nur der Bruder verstehen kann. In den Kreis der Verd\u00e4chtigen ger\u00e4t auch der dubiose Nestor Ihring, f\u00fcr den Eva nach der Pensionierung noch gearbeitet hat.<br \/>\nAls Leo in ihrer Wohnung, nach einem eindeutig provozierten Autounfall und einem Vierteljahr im Krankenhaus, die B\u00fccher durchst\u00f6bert, findet er \u201eDie M\u00f6bel des Teufels\u201c, eine Ausgabe ohne Nennung des Autors. Als er den Roman in die Hand nimmt, dessen Handlung und Entstehungszeit im Jahr 1965 datiert wird, kann er nicht fassen, was er da liest. Es ist die Geschichte eines Mannes, der eine Tochter hat. Sie wird entf\u00fchrt und die M\u00e4nner, die das Kind in ihrer Gewalt haben, wollen, dass der Held des Romans die Wiener Reichsbr\u00fccke durch zwei Sprengstoffkoffer in die Luft jagt.<br \/>\nEr ist bereit dazu, aber er sucht sich nicht den Montagmorgen aus, sondern den Sonntag und er wird sich selbst bei dem Attentat t\u00f6ten. Leo beschlie\u00dft nun, den alten Film in der Super-8-Kamera entwickeln zu lassen. Seltsamerweise sieht er im alten schwarz-wei\u00df Film ein Kind, dass er 1976 gar nicht bemerkt hatte. Ganz in Gedanken bemerkt Leo dann ein Schild und nimmt endlich auf Seite 174 Kontakt zur Detektei Wolf auf. Frau Wolf, deren Assistent nun Herr Cheng ist, soll f\u00fcr Leo herausfinden, wer eigentlich der Autor des omin\u00f6sen Romans <em>\u201eDie M\u00f6bel des Teufels\u201c<\/em> sind.<br \/>\nSie wird nat\u00fcrlich f\u00fcndig und per Videokonferenz h\u00f6rt Leo die Geschichte des Autors von seiner<br \/>\nEnkelin, die ihn nie kennengelernt hat. Julia Kubetzky ist mit ihren drei Kindern durch die Corona-Zeit v\u00f6llig mittellos und Leo wird hier ein gutes Werk tun.<br \/>\nAber Frau Wolf und Cheng werden Leo auch bei der Aufdeckung des Mordfalls der Schwester Eva helfen.<br \/>\nHeinrich Steinfest hat als belesener Autor offenbar in der erzwungenen Stille vieles gelernt, u.a. \u201eQigong, nicht zuletzt als Ausdruck einer konzentrierten Form von Isolation, eine Bewegungstechnik, die nicht mehr Raum ben\u00f6tigt als die L\u00e4nge eines Schritts\u201c, wie er in einem Interview verriet.<br \/>\nSkurril, voller Geheimnisse und vielen ausf\u00fchrlichen Spazierg\u00e4ngen durch Wien m\u00e4andert die Handlung von einem Ort zum anderen, von einem R\u00e4tsel zum n\u00e4chsten und h\u00e4lt den Leser und die Leserin in Atem. Wie banal dann das Leben und der Tod, keine andere Stadt als Wien wird das verstehen, sind, entdecken die Detektivin und Leo auf schmerzliche Weise.<\/p>\n<p>In diesem Roman mit extrem kleiner Schrift geht es um Verschw\u00f6rungen, Teufel und Verdammnis, eine Zauberformel f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz, eine innige trotz Trennung Geschwisterbeziehung und Literatur, die die Wirklichkeit einholt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinrich Steinfest: Die M\u00f6bel des Teufels, Frau Wolf und Cheng ermitteln, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2021, 430 Seiten, \u20ac16,00, 978-3-492-06315-9 \u201eUnd war dieser Mund irgendwie in seine Ged\u00e4chtnis eingesickert. Ein Mund, wie der des Mannes auf dem Foto. 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