{"id":4041,"date":"2021-09-10T11:15:13","date_gmt":"2021-09-10T09:15:13","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=4041"},"modified":"2021-09-10T11:15:13","modified_gmt":"2021-09-10T09:15:13","slug":"die-nachricht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-nachricht\/","title":{"rendered":"DIE NACHRICHT"},"content":{"rendered":"<p><strong>Doris Knecht: Die Nachricht, Carl Hanser Verlag Berlin, Berlin 2021, 254 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-446-27103-6<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3446271031\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3446271031&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=778e25f9e253655f95c1d79c7477f08e\" rel=\"noopener noreferrer\"><img border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3446271031&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eWaren doch nur W\u00f6rter. Wir haben doch alle mal einen schlechten Tag. Wollen wir wirklich jeden, der mal verbal danebengegriffen hat, vor den Richter zerren? Und er wurde ja auch provoziert, oder nicht? Es ist dieses Social Media, das uns dazu verleitet, und wer sich davon \u00fcberfordert f\u00fchlt, muss da halt raus. Das muss man aushalten k\u00f6nnen, wenn man da mitmachen will. Das muss man aushalten, wenn man eine Frau ist.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Nichts ist mehr privat, unser Leben findet, wenn wir uns wirklich Facebook, Instagram und Twitter zuwenden, in aller \u00d6ffentlichkeit statt. Es scheint so, als w\u00fcrde man einfach nicht mehr existieren, wenn man nicht in den sozialen Netzwerken pr\u00e4sent ist. Ja, gut, da gibt es Trolle oder auch wirklich durchgeknallte Menschen, die ihren Frust und ihre Wut auf wen auch immer, anonym versteht sich,<br \/>\nabreagieren. Es ist fast unm\u00f6glich, sie aufzusp\u00fcren. Gibt man klein bei und l\u00f6scht seine Accounts oder h\u00e4lt man den psychischen Druck aus, wenn ein Stalker auf perfideste Weise in einer unertr\u00e4glichen F\u00e4kaliensprache intimste Details in den Dreck zieht und auch noch Freunde, Familie und Kollegen informiert?<br \/>\nRuth Ziegler ist keine Frau, die immer pr\u00e4sent in der \u00d6ffentlichkeit steht. Kurzzeitig hat sie ein Kunstmagazin im Fernsehen moderiert, aber nun schreibt sie Drehb\u00fccher und kann offenbar gut davon leben. Vor drei Jahren ist ihr Mann Ludwig durch einen Skiunfall ums Leben gekommen. Benni, beider f\u00fcnfzehnj\u00e4hriger Sohn, musste alles mit ansehen. Ruth war zu diesem Zeitpunkt angeblich auf einer Dienstreise in K\u00f6ln, in Wahrheit aber allein in Wien, um nachzudenken. Seit langem will sie sich von ihrem Mann Ludwig trennen, ohne zu ahnen, dass dieser bereits eine Geliebte namens Valerie hat.<\/p>\n<p>Doris Knecht erz\u00e4hlt aus der Ich-Perspektive von einer selbstbewussten Frau, deren privates wie berufliches Leben durch anonyme, vulg\u00e4re wie beleidigende Nachrichten in die Schieflage ger\u00e4t. Nichts bleibt ihrem Umfeld verborgen, denn die herabw\u00fcrdigenden, manipulativen Nachrichten erscheinen auf allen Smartphones ihrer Freunde und auch bei beruflichen Kontakten.<\/p>\n<p>Im Zeitraum eines guten halben Jahres umkreist die \u00f6sterreichische Autorin nun die unterschiedlichen Reaktionen auf Ruths ganz pers\u00f6nliche Krise. Wem kann sie noch vertrauen? Sie vermutet, dass die Geliebte ihres Mannes hinter dieser miesen Aktion steckt. Ruth spricht sehr oft mit ihrer Freundin Johanna \u00fcber all ihre Probleme. Als sie Simon Brunner, einen anerkannten Schweizer Kinderpsychologen kennenlernt, hofft sie in ihm einen ebenb\u00fcrtigen Partner gefunden zu haben. Bei ihm war ihr Sohn Benni in Therapie, nachdem er zu einem Kollegen wechselte.<br \/>\nRuth lebt in der N\u00e4he von Wien, in einem selbstgebauten Holzhaus mit gro\u00dfem Garten. \u00dcberall werden Protzvillen gebaut und sogar Ludwigs missg\u00fcnstiger Bruder w\u00fcrde ihr gern Grund und Boden abluchsen.<br \/>\nMit den toxischen Nachrichten stellen sich immer mehr Verunsicherungen ein. Ruth f\u00fchlt sich beim Joggen im Wald nicht wohl, wei\u00df nicht mehr, ob sie ihr Haus abgeschlossen hat. Die Beziehung zu Simon wird zur On &#8211; und Off &#8211; Beziehung. Auch wenn Ruth ihren Freiraum ben\u00f6tigt, so sp\u00fcrt sie doch bei Simon keine Ernsthaftigkeit. Sie ahnt, dass er auch andere Frauen trifft und sie wei\u00df, dass er ganz bewusst l\u00fcgt. Immer wieder beendet Ruth die Beziehung, nimmt sie dann aber durch die Nachrichten wieder auf, um auf Simons Rat als Psychologen zu h\u00f6ren.<br \/>\nErh\u00e4lt Ruth diese Mails, weil sie als Witwe nicht dem\u00fctig genug ist und man ihr einen schlechten Lebenswandel bescheinigen muss, wie es ihr ehemaliger Kollege Sebastian behauptet?<br \/>\nSchreibt sie sich diese Mails vielleicht sogar selber, weil sie&#8230;.Ja, warum eigentlich?<br \/>\nImmer abstruser werden die Erkl\u00e4rungen der Freunde und immer unwilliger die Gespr\u00e4che dar\u00fcber.<br \/>\nDoris Knecht legt den Finger genau in die Wunde der sozialen Medien und der \u00f6ffentlichen Selbstdarstellung, die bei manchen Menschen offenbar das \u00dcbelste nach oben sp\u00fclten. Und es geht um die unkonventionelle Lebensart von Frauen, die vielleicht noch nie so frei waren wie jetzt. Ruth geht mit Freunden oder auch allein in Caf\u00e9s oder Bars, verdient ihr eigenes Geld und lebt so, wie sie m\u00f6chte.<br \/>\nBeim Lesen bangt man mit Ruth mit, versteht all ihre Stimmungslagen und kann doch nicht begreifen, wieso jemand offenbar teuflische Freude daran hat, den anderen so zu dem\u00fctigen.<\/p>\n<p><em>\u201eAngst zu verbreiten, ist ein gutes Mittel, um Macht \u00fcber jemanden zu bekommen\u201c<\/em>, sagt Doris Knecht in einem Interview.  Ihre Hauptfigur l\u00e4sst sich nicht unterkriegen und verliert doch am Ende auf ganzer Strecke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Doris Knecht: Die Nachricht, Carl Hanser Verlag Berlin, Berlin 2021, 254 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-446-27103-6 \u201eWaren doch nur W\u00f6rter. Wir haben doch alle mal einen schlechten Tag. Wollen wir wirklich jeden, der mal verbal danebengegriffen hat, vor den Richter zerren? Und&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-nachricht\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4041"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4041"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4041\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4043,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4041\/revisions\/4043"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}