{"id":3978,"date":"2021-08-29T13:01:00","date_gmt":"2021-08-29T11:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3978"},"modified":"2021-08-29T13:01:00","modified_gmt":"2021-08-29T11:01:00","slug":"mr-wilder-ich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/mr-wilder-ich\/","title":{"rendered":"MR. WILDER &#038; ICH"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jonathan Coe: Mr. Wilder &amp; ich, Aus dem Englischen von Cathrine Hornung, Filio Verlag, Wien 2021, 280 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-99037-112-1<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B0957D767Y\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0957D767Y&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=432a1019d9927bbd6dfc9c4b26451b8a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B0957D767Y&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eIch hatte eine Welt betreten, die noch vor Kurzem jenseits meiner Vorstellungskraft gelegen hatte. Es war eine Welt, in der die \u00fcblichen Regeln der Machbarkeit nicht zu gelten schienen. So war es zum Beispiel alles andere als einfach, von Korfu nach Lefkada zu gelangen \u2013 jedenfalls f\u00fcr normale Menschen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die guten Zeiten im Filmbusiness scheinen f\u00fcr Calista, die Ich-Erz\u00e4hlerin und Komponistin f\u00fcr Filmmusik, vorbei zu sein. Seit gut zehn Jahren hat sie keinen neuen interessanten Auftrag mehr erhalten und auch ihr Mann unterrichtet an der Filmschule, da der Filmbereich f\u00fcr sie nicht mehr boomt. Immerhin sind die beiden in der BAFTA-Jury, aber auch da langweilen die aktuellen Produktionen.<br \/>\nAls sich Calista am Londoner Flughafen von ihrer Tochter Ariane verabschiedet, die f\u00fcrs Studium nach Australien geht, blinken so einige Erinnerungen an ihre eigene Zeit, als sie so um die zwanzig war, auf. 1976 stand sie ebenfalls mit ihrer Mutter am Flughafen von Athen, um eine dreiw\u00f6chige Rundreise durch die USA zu beginnen. Zweisprachig aufgewachsen, Mutter Engl\u00e4nderin und Vater Grieche, kommt Calista in den USA zurecht. Richtig gut wird es allerdings, als sie Gill kennenlernt und durch sie in Kalifornien eine recht ungew\u00f6hnliche Bekanntschaft macht.<br \/>\nGills Vater ist ein alter Freund von Billy Wilder und mit ihm, seiner Frau und seinem engsten Mitarbeiter und Freund Iz Daimond und Ehefrau sitzt sie nun v\u00f6llig falsch angezogen in einem schicken Restaurant. Ohne zu ahnen, wer da vor ihr sitzt und ohne jegliche Kenntnisse \u00fcber die Filme, die Wilder geschrieben und gedreht hat, trinkt die junge Frau einfach viel zu viel. Wilder arbeitet zu diesem Zeitpunkt an seinem Film<em> \u201eFedora\u201c<\/em> und trifft per Zufall an diesem Abend Al Pacino und seine Freundin Marthe Keller.<\/p>\n<p>In einem unterhaltsamen Erz\u00e4hlton berichtet Calista nun wie sie in einem Zeitraum von zwanzig Jahren immer wieder mit Billy Wilder in Kontakt gekommen ist. Sie hat f\u00fcr ihn in Griechenland bei den Dreharbeiten f\u00fcr <em>\u201eFedora\u201c <\/em>gedolmetscht, war in M\u00fcnchen dabei und hat mit dem Regisseur, dem oft der Schalk im Nacken sa\u00df, ihre Leidenschaft f\u00fcr richtig guten Brie entdeckt.<br \/>\nIn verschiedenen Erz\u00e4hlformen l\u00e4sst Jonathan Coe seine fiktive Protagonistin an der wahren Biografie Wilders teilhaben. Mal erinnert sie sich an einzelne Episoden, dann gibt es Briefe, aber auch Monologe, die sie nacherz\u00e4hlt und die Wilder angeblich so gef\u00fchrt hat. In einem schildert er seine R\u00fcckkehr 1945 nach Deutschland, seine vergebliche Suche nach der Mutter und seine Arbeit an der Dokumentation \u00fcber die Befreiung der Konzentrationslager. In diesen langen Erz\u00e4hlpassagen, die auch Wilders Flucht als Jude aus Deutschland umfassen, sein Leben in Paris und die Anf\u00e4nge in den USA geht das Konzept des Romans nicht auf. Es scheint so zu sein, als m\u00fcsste der Autor diese Informationen noch einf\u00fcgen, um Wilder gerecht zu werden. In Erinnerungen an bestimmte Filme, insbesondere an die spitzen, wie hintersinnigen Dialoge, die er zu gern mit seinem Drehbuchschreiber Daimond in seinen Filmen untergebracht hat, schwelgt der gutm\u00fctige, gro\u00dfz\u00fcgige, aber manchmal auch zu Streit aufgelegte Regisseur.<\/p>\n<p>Die Mischung aus privaten Problemen der nun fast sechzigj\u00e4hrigen Calista und Wilders Alterswerk, das nun wirklich nicht mehr komisch zu nennen ist, hinkt ebenfalls in der Dramaturgie.<br \/>\nWarum muss sie mit dem ungewollten Kind ihrer j\u00fcngsten Tochter einen neuen Lebensabschnitt beginnen?<br \/>\nAls Filmfan jedoch oder Bewunderer des Lebenswerkes vom einzigartigen Billy Wilder muss nicht erkl\u00e4rt werden, warum der ber\u00fchmte Regisseur, den auch die jungen Garde mit Steven Spielberg oder Martin Scorsese durchaus verehrt haben, sich dem Stoff von <em>\u201eFedora\u201c<\/em> zugewandt hatte.<br \/>\n<em><br \/>\n\u201eUnd es ist tats\u00e4chlich ein Film geworden, der Mitgef\u00fchl f\u00fcr seine Charaktere zeigt: vor allem f\u00fcr seine alternden Charaktere, M\u00e4nner wie Frauen, die versuchen, die Rolle f\u00fcr sich zu finden, in einer Welt, in der nur Jugend, nur das Neue z\u00e4hlt.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jonathan Coe: Mr. Wilder &amp; ich, Aus dem Englischen von Cathrine Hornung, Filio Verlag, Wien 2021, 280 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-99037-112-1 \u201eIch hatte eine Welt betreten, die noch vor Kurzem jenseits meiner Vorstellungskraft gelegen hatte. 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