{"id":3970,"date":"2021-11-28T08:01:18","date_gmt":"2021-11-28T07:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3970"},"modified":"2021-11-28T08:01:18","modified_gmt":"2021-11-28T07:01:18","slug":"mit-uns-waere-es-anders-gewesen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/mit-uns-waere-es-anders-gewesen\/","title":{"rendered":"MIT UNS W\u00c4RE ES ANDERS GEWESEN"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00c9liette Ab\u00e9cassis: Mit uns w\u00e4re es anders gewesen, Aus dem Franz\u00f6sischen von Julia Schoch, Arche Verlag, Hamburg \u2013 Z\u00fcrich 2021, 142 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-7160-2797-4<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B092J34JNS\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B092J34JNS&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=da322826d7176334fefd29659127dc83\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B092J34JNS&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eWarum begegneten sie einander mit so viel Respekt? Sie streckte die Hand vor, doch bevor sie diese alles ver\u00e4ndernde Geste vollf\u00fchren konnte, griff er nach seinem Handy. Er zeigte ihr ein Foto: Es handelte sich um ein Baby.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Alles beginnt so vielversprechend. Sie begegnen sich als Studenten. Sie sind jung, sie glauben an die Zukunft, an die Liebe, an alles. Am\u00e9lie kommt aus der Normandie und ist das Kind in der Mitte. Nicht sonderlich von der Mutter geliebt, die ihr auch noch sagt, dass sie nicht sonderlich sch\u00f6n sei. Streng erzogen sehnt sich die sch\u00fcchterne Am\u00e9lie, die Literaturwissenschaften studiert, um Lehrerin zu werden, nach Paris, nach Freiheit. Der attraktive Vincent liebt die Musik, spielt Klavier und l\u00e4sst sich alles von seinem Vater, der auch mal zuschl\u00e4gt, kleinreden. Er studiert BWL, ist Sozialist und leidet mit seinem Bruder, der an Aids sterben wird. Am\u00e9lie und Vincent werden sich immer wieder \u00fcber drei\u00dfig Jahre lang treffen, um sich in den gl\u00fccklichsten oder schlechtesten Augenblicken wieder zu verlieren. Beide wagen es nicht, sich dem anderen zu offenbaren, obwohl jeder ahnt, dass der andere sein Seelenverwandter ist.<\/p>\n<p>Immer im Perspektivenwechsel, mal aus Am\u00e9lies, dann auch Vincents Sicht, verfolgt der Leser und die Leserin beider Leben. Mag Am\u00e9lie das zweite Treffen mit Vincent durch ihr z\u00f6gern und zaudern, ihr schwaches Selbstbewusstsein verpasst haben, so kann es nicht die Ursache sein, warum die beiden nicht zueinander kamen. Zehn Jahre sp\u00e4ter sehen sich beide auf einer Silvesterparty 1999 und Vincent ist bereits mit Sophie, einer exaltierten Schauspielerin, verheiratet. Ihn als Pflichtmenschen, der in einer Consulting-Firma arbeitet, zieht Sophies lebendige Aura an. Als Ehefrau wird sie sich kaum um den Haushalt, noch um die Kinder k\u00fcmmern. Er kann immer wieder entfliehen, indem er auf Gesch\u00e4ftsreisen geht. Sie betr\u00fcgt ihn, \u00fcberh\u00e4uft ihn mit Vorw\u00fcrfen, redet ihm ein, es sei depressiv und wei\u00df doch, dass er keine andere hat. Sie gibt ihren Beruf auf und er ist der Verdiener. Schwer ist der Prozess der Losl\u00f6sung, denn er liebt die Kinder \u00fcber alles und sein neues Business ist ausgerechnet mit seinem Schwiegervater verbunden.<br \/>\nAuch Am\u00e9lie entscheidet sich f\u00fcr einen Menschen, der sich kaum f\u00fcr sie interessiert. In Zeiten als die Menschen noch B\u00fccher gelesen haben, gibt sie ihren Lehrerberuf  auf und kauft eine Buchhandlung. Fabrice, Am\u00e9lies ruhiger, bodenst\u00e4ndiger Mann, arbeitet als Herzchirurg. Doch warum funktioniert auch diese Ehe nicht? Er entfernt sich von ihr, ist hartherzig, geizig und kaum an seinem Kind interessiert. Er beginnt zu trinken und hat eine Aff\u00e4re mit einer anderen Frau und auch diese bekommt ein Kind. Am\u00e9lie verdr\u00e4ngt ihre ungl\u00fcckliche Ehe, da sie ihren Sohn \u00fcber alles liebt. Niemand trifft eine Entscheidung. Im Gegenteil, beide bleiben in ihren Ehen und bekommen noch ein zweites Kind. Immer wieder sehen sich Am\u00e9lie und Vincent, doch sie k\u00f6nnen sich nicht ehrlich sagen, wie es in ihren Leben wirklich aussieht.<br \/>\nAls Leser oder Leserin bl\u00e4ttert man verzweifelt die Seiten um und kann nicht fassen, wie tief die beiden in den Abgrund st\u00fcrzen. Die Kinder sind kaum im Teenageralter und schon sind Familien zerrissen und lieblose Eltern st\u00fcrzen sich in neue Beziehungen.<br \/>\nAm\u00e9lie muss ihre Buchhandlung aufgeben, denn die sozialen Medien, wie Netflix okkupieren die einstigen Leser. Vincent verliert alles, als er sich endlich zu einer Trennung entschlie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>Zu fr\u00fch getroffen, kein gutes Timing beim zweiten Mal und auch beim dritten Mal gibt es kaum den Entschluss, sich endlich zu offenbaren.<br \/>\nWann wei\u00df man, dass die wahre Liebe vor einem steht? Mit zwanzig oder f\u00fcnfzig? Wie entscheidend ist die Kindheit und der Einfluss der Eltern auf die Wahl des k\u00fcnftigen Partners?<br \/>\nWarum erf\u00fcllen sich die Erwartungen in Ehen nicht und wie genau kennt man wirklich einen anderen Menschen?<br \/>\nDieses schmale Buch wirft viele Fragen auf und gibt auch eine Antwort, aber diese kommt leider sehr sp\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c9liette Ab\u00e9cassis: Mit uns w\u00e4re es anders gewesen, Aus dem Franz\u00f6sischen von Julia Schoch, Arche Verlag, Hamburg \u2013 Z\u00fcrich 2021, 142 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-7160-2797-4 \u201eWarum begegneten sie einander mit so viel Respekt? 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