{"id":3946,"date":"2021-08-21T12:03:40","date_gmt":"2021-08-21T10:03:40","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3946"},"modified":"2021-08-21T12:03:40","modified_gmt":"2021-08-21T10:03:40","slug":"der-brand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-brand\/","title":{"rendered":"DER BRAND"},"content":{"rendered":"<p><strong>Daniela Krien: Der Brand, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2021, 270 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-257-07048-4<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B0942SZGQ5\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0942SZGQ5&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=f0c65fd3bb2690933dae8fec0f56276d\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B0942SZGQ5&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eAls er zur\u00fcckkommt, steht er noch immer am selben Fleck. Hinter seinem L\u00e4cheln verbirgt sich etwas, und Rahel denkt, dass besonders in einer Ehe die Summe des Nichtgesagten die Summe des Gesagten bei weitem \u00fcbertrifft.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das Dresdner Ehepaar Rahel und Peter Wunderlich kennen sich nun fast drei\u00dfig Jahre. Sie geh\u00f6ren zu der Generation, die <em>\u201eunbeschadet\u201c<\/em> fast erwachsen nach der Wende ihr Leben beginnen konnte.<br \/>\nFr\u00fch geheiratet, fr\u00fch Kinder bekommen, die bereits das Haus verlassen haben, stehen die beiden nun vor einer Ehe ohne viele Worte und Sex. Seit einem l\u00e4ngerer Zeitraum gestaltet Peter, ein gefrusteter Germanistikprofessor, der wenig Sinn f\u00fcr den aufgesetzten Genderwahn aufbringen kann, seine Freizeitaktivit\u00e4ten ohne Rahel. Sie als Psychologin mit eigener Praxis hat genug Arbeit, um dar\u00fcber hinwegsehen zu k\u00f6nnen. Obgleich sie gekr\u00e4nkt ist, dass Peter keine N\u00e4he mehr w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Als ihr, dem Covid19-Virus geschuldet, einsame Urlaub in einer bayerischen Almh\u00fctte wegen eines Brandes  ausfallen muss, fahren die beiden in die Uckermark, um das Haus von Ruth zu h\u00fcten. Die strenge, immer disziplinierte Ruth ist eine enge Freundin von Rahels verstorbener Mutter Edith, die nach Ahrenshoop eilen musste, da ihr Mann Viktor dort nach einem Schlaganfall seine Reha antreten kann. Die Wunderlichs sollen sich nun um den bereits dem Verfall ausgesetzten Hof in der Uckermark widmen und Tiere und Garten h\u00fcten. F\u00fcr Rahel waren Ruth und Victor immer der Fels in der Brandung, ein Gegenpol zum wechselhaften Leben mit Mutter Edith.<\/p>\n<p>Aus Rahels Blick, in der personalen Perspektive geschrieben, entwickelt sich ein genaueres Bild von der Familie Wunderlich. Als Tochter Selma dann noch mit ihren wilden Kleinkindern anreist, spitzen sich die Konflikte langsam zu. Rahel ist wenig erfreut, dass ihre Tochter, die in larmoyanter Art und Weise sich immer in den Vordergrund spielt und in die Opferrolle fl\u00fcchtet, mit den beiden Jungen anreist. Als Oma scheint sich Rahel kaum zu sehen, denn die Enkel haben keine Beziehung zu ihr. Selmas Ehemann hat zum Gl\u00fcck eine krisenfeste Arbeit, denn sie hat gleich nach der ersten Schwangerschaft ihr Studium an den Nagel geh\u00e4ngt. Nun hat sie sich in einen Musiker verliebt, der selbst schon vier Kinder von zwei Frauen hat, und Peter und Rahel schwant, dass sie bald mit Kindern und Koffern bei ihr vor der T\u00fcr stehen k\u00f6nnte. Ein Alptraum. Im Gegensatz zu Selma lebt Sohn Simon zielorientiert und sieht seine Zukunft in der Bundeswehr. Mit M\u00fche um Gelassenheit haben die Eltern den Berufsweg ihres Sohnes hingenommen, kaufen aber keine Zeitungen mehr, da sie den heutigen Journalismus oder was sich so nennt und die Weltgeschehnisse zeitweilig nicht ertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach und nach seziert Daniela Krien die \u00fcberh\u00f6hten Erwartungen, die Oberfl\u00e4chlichkeit und die Animosit\u00e4ten der jungen Generation, die sich anma\u00dft, dem Osten Demokratiefeindlichkeit zu unterstellen und bedauert, wie Rahels Tochter nicht reich erben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nFinden Ruth und Peter trotz aller Ver\u00e4nderungen in ihrer Beziehung \u00fcbers Reden miteinander wieder zueinander, so besch\u00e4ftigt Rahel weiterhin, wer ihr Vater eigentlich ist. Sie vermutet, nachdem sie die Zeichnungen von Viktor gesehen hat, dass er es sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><em>\u201eSie haben beide nicht genug geforscht. Nicht genug gefragt, als sie noch fragen konnten. Sie waren zu besch\u00e4ftigt mit dem Wechsel des Systems, dem Umlernen, dem Lernen \u00fcberhaupt, dem Geldverdienen, dem Kinderaufziehen, dem Reisen und Westlichwerden, dem Anpassen. Dann dem Innehalten, Stutzen und Verweigern und Sichbesinnen auf das eigene Denken, die eigene Erfahrung.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Fein beobachtet Daniela Krien die schrittweise Entfremdung in einer langj\u00e4hrigen Ehe, in der sich auch der Humor und die Zweisamkeit aufgel\u00f6st haben. Doch es gibt Hoffnung und das zu lesen, tut der Seele gut. Ohne zu psychologisieren, breitet die Autorin die wechselvollen Geschichten der Familien aus und \u00fcberl\u00e4sst dem Leser, sich ein Urteil \u00fcber die so lebendig beschriebenen Protagonisten zu bilden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniela Krien: Der Brand, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2021, 270 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-257-07048-4 \u201eAls er zur\u00fcckkommt, steht er noch immer am selben Fleck. Hinter seinem L\u00e4cheln verbirgt sich etwas, und Rahel denkt, dass besonders in einer Ehe die Summe des Nichtgesagten&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-brand\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-3946","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-belletristik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3946","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3946"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3946\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3948,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3946\/revisions\/3948"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}