{"id":3939,"date":"2021-06-30T15:13:41","date_gmt":"2021-06-30T13:13:41","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3939"},"modified":"2021-06-30T15:13:41","modified_gmt":"2021-06-30T13:13:41","slug":"eine-geschichte-die-uns-verbindet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/eine-geschichte-die-uns-verbindet\/","title":{"rendered":"EINE GESCHICHTE, DIE UNS VERBINDET"},"content":{"rendered":"<p><strong>Guillaume Musso: Eine Geschichte, die uns verbindet, Aus dem Franz\u00f6sischen von Eliane Hagedorn und Bettina Runge, Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH, M\u00fcnchen 2021, 320 Seiten, \u20ac17,00, 978-3-86612-484-4<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B08LDVFS7H\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B08LDVFS7H&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=7eca14334dd6d9c50db2b78387e9a719\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B08LDVFS7H&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eMan musste jedes Mal wieder alles neu lernen. Und jedes Mal fragte ich mich erneut, wie ich bei den vorherigen Romanen vorgegangen war. Jedes Mal stand ich wieder barfu\u00df im Himalaja. Ja, es wurde jedes Mal schwieriger, etwas Neues zu erschaffen und als Fiktion darzustellen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Roman beginnt, und wie gewohnt folgt der Leser und die Leserin Guillaume Mussos Figuren in ihren Lebensalltag. Da ist eine walisische, erfolgreiche Autorin, Flora Conway, die eine Sozialphobie hat und sich den Medien verweigert. Denn diese interessieren sich sowieso eher f\u00fcr die Person der Autorin als ihren Roman. Allerdings trifft sich Flora ohne Probleme mit M\u00e4nnern in Brooklyn und \u00fcbergibt ihr Kind irgendeinem Babysitter, den die Agentur gerade schickt. Seltsam. Als dann eines Tages Flora ihre dreij\u00e4hrige Tochter Carrie am Nachmittag von der Betreuung abholt und die gro\u00dfz\u00fcgig geschnittene Wohnung betritt, spielen die beiden wie so oft ihr Versteckspiel. Doch kaum hat Flora die Augen geschlossen, ist Carrie verschwunden. Kein Erpresser meldet sich, das Verschwinden des Kindes ist unerkl\u00e4rlich, auch wenn nur ein rosa Hausschuh auftaucht.<\/p>\n<p>Floras Verlegerin Fantine de Vilatte hatte einst Floras ersten Roman mit einem wahnsinnigen Erfolg ver\u00f6ffentlicht und daf\u00fcr sogar einen eigenen Verlag gegr\u00fcndet. Seit Carrie auf der Welt ist, schreibt Flora zum \u00c4rger der Verlegerin, keine B\u00fccher mehr. Empathielos fordert Fantine Flora auf, doch ihren Schmerz in einen Roman flie\u00dfen zu lassen. Doch Flora w\u00e4hlt eher den Selbstmord, denn praktischerweise hat ihr guter Bekannter, ein Polizist au\u00dfer Dienst, seine Glock vergessen. Okay, jetzt stutzt der Leser doch und fragt sich, warum der Autor den Leser f\u00fcr dumm verkauft.<br \/>\nWie kann denn ein Kind in einer Wohnung, deren Haust\u00fcr abgeschlossen ist, einfach so verschwinden? Was sollen die Verh\u00f6rprotokolle?<\/p>\n<p>Ein Aufkl\u00e4rung folgt. Flora und ihre Geschichte stammt nicht aus der realen Welt, wie man zu glauben scheint, sondern ist im doppelten Sinn ausgedacht. Romain Ozorski hei\u00dft der Autor, der in Paris sitzt und dem Eigenleben seiner literarischen Figuren keinen Einhalt gebieten kann.<br \/>\nIn gewisser Weise hat er auch stellvertretend seine eigene Angst zu Papier gebracht, denn sein siebenj\u00e4hriger Sohn Th\u00e9o wird momentan zwischen Vater Romain und Mutter Almine zerrieben. Beide liefern sich einen \u00f6ffentlichen, schmutzigen Scheidungskrieg. Romain hat dummerweise sein Handy in der Wohnung liegen lassen und die labile wie hinterh\u00e4ltige Almine nutzt die Gelegenheit, um b\u00f6sartige Nachrichten an sich zu schreiben. So kann sie ihn als Tyrannen und gewaltt\u00e4tigen Kerl hinstellen und das Sorgerecht f\u00fcr ihr Kind, dass eigentlich Romain eher aufgezogen hat, durchsetzen.<br \/>\nIn dieser allzu schlechten Verfassung beginnt Romain, mit seiner Kunstfigur Flora zu sprechen. Sie tauschen sich als Schriftsteller \u00fcber ihre Aufgaben, ihr Publikum und ihr Schreiben aus.<\/p>\n<p>Die Ebenen vermischen sich immer wieder bis klar wird, dass die Autoren Probleme haben, dem eigenen Leben eine Vorherrschaft einzur\u00e4umen.<\/p>\n<p>Immer wieder taucht mal Romain bei Flora auf, um sie vor dem Suizid zu bewahren oder Flora taucht in Romains Auto auf, als dieser dabei ist, seiner wirklich unertr\u00e4gliche Frau die Hilfe zu verweigern.<\/p>\n<p>Es ist ein Spiel mit den Lesern und Leserinnen. Der Schriftsteller als Gott und seine Verantwortung f\u00fcr die Wahrheit wird in den verschiedensten Situationen immer wieder durchdacht und auch zerredet. Und dann l\u00f6sen sich die Erz\u00e4hlhandlungen einfach logisch auf und es wird gekl\u00e4rt, was nun mit dem Kind Carrie geschehen ist.<\/p>\n<p>Fraglich bleibt beim Lesen immer wieder, wer ist eine wirklich reale Figur und welche Figur ist in der Geschichte der Geschichte ausgedacht, zumal am Ende alle Personen und ihre Verhaltensmuster ein Produkt der Fantasie sind.<\/p>\n<p>Kann es wirklich sein, dass der der schreibt nicht wirklich lebt? Dabei hat die Autorenfigur im Roman mehr als nur neunzehn Romane geschrieben, bis sie beschlossen hat, keine Zeile mehr zu verfassen.<\/p>\n<p>Mit einer F\u00fclle an Zitaten von ber\u00fchmten Autoren und Autorinnen untermauert der franz\u00f6sische Autor Guillaume Musso sein Gedankenkonstrukt \u00fcber die Identit\u00e4t oder Scheinidentit\u00e4t des Autors und seine F\u00e4higkeit, Geschichten zu erfinden oder doch \u00fcber das eigene Leben verfremdet zu schreiben.<\/p>\n<p><em>\u201eRoman beendet.<\/em><br \/>\n<em>Ich kehre ins Leben zur\u00fcck.\u201c Georges Simenon, Als ich alt war<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Guillaume Musso: Eine Geschichte, die uns verbindet, Aus dem Franz\u00f6sischen von Eliane Hagedorn und Bettina Runge, Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH, M\u00fcnchen 2021, 320 Seiten, \u20ac17,00, 978-3-86612-484-4 \u201eMan musste jedes Mal wieder alles neu lernen. Und jedes Mal&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/eine-geschichte-die-uns-verbindet\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-3939","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-belletristik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3939","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3939"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3939\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3941,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3939\/revisions\/3941"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3939"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3939"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3939"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}