{"id":3874,"date":"2021-05-29T06:00:12","date_gmt":"2021-05-29T04:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3874"},"modified":"2021-05-29T06:00:12","modified_gmt":"2021-05-29T04:00:12","slug":"caravaggios-schatten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/caravaggios-schatten\/","title":{"rendered":"CARAVAGGIOS SCHATTEN"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bernhard Jaumann: Caravaggios Schatten, Verlag Galiani Berlin, Berlin 2021, 302 Seiten, \u20ac15,00, 978-3-86971-197-3<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B08MCV72DV\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B08MCV72DV&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=403e5be9fb78727ca92b677553283f77\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B08MCV72DV&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201e Nicht sehen und doch glauben. Der Anrufer hatte sich anscheinend die Quintessenz der Bibelepisode vom Ungl\u00e4ubigen Thomas zu eigen gemacht. Nur war er nicht Jesus, nur waren Klara und ihre Kollegen nicht bedeutend ungl\u00e4ubiger als der Apostel, und schon der hatte mit seinen eigenen H\u00e4nden nachf\u00fchlen m\u00fcssen. Ohne Begutachtung des Gem\u00e4ldes ging \u00fcberhaupt nichts.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Rupert von Schleewitz betreibt mit seinen Mitarbeitern, Klara Ivanovic und Max M\u00fcller, in M\u00fcnchen eine gediegene Kunstdetektei, ohne wirklich spektakul\u00e4re F\u00e4lle zu bearbeiten. Manchmal geht es um die Provenienz von Kunstwerken oder auch Verdacht auf F\u00e4lschung. Doch dieser neue Fall wird alle Dimensionen sprengen, die Rupert von Schleewitz bei der Gr\u00fcndung der Kanzlei so angedacht hatte. Alles beginnt mit diesem uns\u00e4glichen Klassentreffen der ehemaligen Sch\u00fcler des Sankt-Georg-Internats in Rannertskirchen. Hier trifft Rupert seinen Zimmerkameraden Alban Posselt wieder. Dieser arbeitet in der Verwaltung in Potsdam und forderte Rupert auf, doch mal vorbeizukommen, wenn er vielleicht in Berlin ist. Nichts ahnend klingelt Rupert einige Zeit sp\u00e4ter bei Alban an der T\u00fcr. Vor Freude f\u00fchrt er ihn in die Gem\u00e4ldegalerie in Sanssouci. Ruperts Arbeitsfeld ist zwar die Kunst, aber dass er nun in seiner Freizeit Galerien besucht, kommt kaum vor.<br \/>\nEin einziges Gem\u00e4lde will Alban seinem ehemaligen Freund unbedingt zeigen: <em>\u201eDer ungl\u00e4ubige Thomas\u201c<\/em> aus dem Jahr 1601 von Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio. Es ist schon ein sehr verst\u00f6rendes Bild, das zeigt, wie Thomas nach der Auferstehung Jesus Christus zweifelnd in seiner Wunde mit dem Finger herumstochert. Alban fordert Rupert immer wieder auf, sich das Bild genau anzusehen. Dieser hat keine Vorstellung davon, was er sehen soll und kann sich kaum r\u00fchren als Alban pl\u00f6tzlich ein Messer zieht, zum Bild st\u00fcrmt und auf das Kunstwerk gnadenlos einsticht.<br \/>\nAlban bleibt vorerst im Brandenburger Gef\u00e4ngnis, Rupert wird, da ihm nichts nachzuweisen ist, entlassen. Doch dann steht ein Herr Hansen vom Brandenburgischen Innenministerium in der Kanzlei und bittet Rupert die Aufsp\u00fcrung des Kunstwerkes diskret zu \u00fcbernehmen und auch eine \u00dcbergabe mit entsprechender finanziellen Ausstattung durchzuf\u00fchren. Leider wurde der <em>\u201eUngl\u00e4ubige Thomas\u201c<\/em> auf dem Weg zur Restauration mit brutalen Mitteln gestohlen. Keine Versicherung wird in diesem Fall einspringen, denn das Bild ist unbezahlbar und somit auch nicht versicherbar.<\/p>\n<p>Interessiert sich Rupert kaum, warum Alban so heftig das Bild zerst\u00f6ren wollte, so beginnt Max M\u00fcller im Internat zu recherchieren. Hier st\u00f6\u00dft er auf einen Todesfall von einem Lehrer, von dem die ehemaligen Sch\u00fcler sehr widerspr\u00fcchliche Aussagen machen. F\u00fcr Max ist klar, dass es auch f\u00fcr Alban um eine Wunde gehen muss, die nicht geschlossen ist.<br \/>\nKlara, der nicht ganz wohl bei diesem Fall von Artnapping ohne Einschaltung der Polizei ist, kann einen Lockvogel mit Geld ausfindig machen und den Entf\u00fchrern eine Falle stellen. Diese tappen auch hinein und erste Verhandlungen beginnen \u00fcber den Umweg in die Schweiz.<br \/>\nAllerdings wird sich herausstellen, dass Herr Hansen nicht Herr Hansen ist und die T\u00e4ter es wirklich sehr ernst meinen.<\/p>\n<p>Bernhard Jaumann philosophiert in seinem m\u00e4\u00dfig spannenden Roman gern \u00fcber k\u00fcnstlerische Fragen, Maltechniken und der Rolle des Caravaggio in seiner Zeit und er beschreibt wortreich, was seine Figuren alles so erleben und denkt sich auch f\u00fcr Klara einen st\u00f6rrischen Vater mit Parkinson aus, der ganz arglos mit angeblichen \u00f6den Landschaften gemalt von AH handelt. Vieles in diesem Plot um dilettantisch agierende Kunstdiebe und Hintergr\u00fcnde von Taten, die Jahrzehnte sp\u00e4ter erst ans Licht kommen, ist ziemlich vorhersehbar. Denn leider gehen bei den Hinweisen auf Lehrer und Internatssch\u00fcler beim Leser alle Lichter an.<br \/>\nEin Pluspunkt ist, dass am Ende nicht alles sch\u00f6n s\u00e4uberlich gekl\u00e4rt ist, denn so ist das Leben einfach nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernhard Jaumann: Caravaggios Schatten, Verlag Galiani Berlin, Berlin 2021, 302 Seiten, \u20ac15,00, 978-3-86971-197-3 \u201e Nicht sehen und doch glauben. Der Anrufer hatte sich anscheinend die Quintessenz der Bibelepisode vom Ungl\u00e4ubigen Thomas zu eigen gemacht. 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