{"id":3821,"date":"2021-05-15T07:17:58","date_gmt":"2021-05-15T05:17:58","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3821"},"modified":"2021-05-15T07:17:58","modified_gmt":"2021-05-15T05:17:58","slug":"das-meeresblau-von-tel-aviv","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-meeresblau-von-tel-aviv\/","title":{"rendered":"DAS MEERESBLAU VON TEL AVIV"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sarit Yishai-Levi: Das Meeresblau von Tel Aviv, Aus dem Hebr\u00e4ischen von Ruth Achlama, Aufbau Verlag, Berlin 2021, 555 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-351-03822-9<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3351038224\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3351038224&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=9945bcd48cbce3c444e93f835df7b1c9\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3351038224&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eMir war so klar wie der Umstand, dass die Sonne jetzt im Meer versank und die Erde sich um die Sonne drehte: Um mich selbst zu lieben, musste ich erst mal meine Mutter lieben, die einzige unm\u00f6gliche Mutter die ich hatte, Lily.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Elija Zoref reist 1973 ihrem Ehemann Ari nach Paris nach. Hier in der Stadt der Liebe erf\u00e4hrt sie, dass ihr Mann, den sie als Schriftsteller bewundert, wenig Interesse an ihr hat. Er l\u00e4sst sie allein, schiebt seine Arbeit vor, k\u00fcmmert sich nicht um sie. Dabei h\u00e4tte schon die lieblose Hochzeit Elija die Augen \u00f6ffnen k\u00f6nnen. Sie studiert nicht weiter, damit sie sich wie eine Sekret\u00e4rin um Aris Karriere k\u00fcmmern kann. Er verdient kaum Geld, sie pumpt ihren Vater Schaul, der mit seinem Juweliergesch\u00e4ft kaum Umsatz macht, an und am Ende ist nicht Elija Aris&#8216; Muse, sondern eine Franz\u00f6sin. Am heftigsten regt sich Elijas Mutter, Lily, \u00fcber den Nichtsnutz von Schwiegersohn auf. Dabei wollte Elija unbedingt mit diesem Mann zusammenleben, um ihrem Elternhaus endlich zu entfliehen. Tief st\u00fcrzt die junge Frau, die sich eine ungesunde Abh\u00e4ngigkeit zu Ari begeben hat, in eine Depression, aus der sie nur mit Hilfe des Psychiaters Dr. Amir Kaminski herausfindet. Wieder bei den Eltern untergetaucht, wei\u00df die junge Frau nicht, wie es weitergehen soll. Als sie einen Selbstmordversuch ver\u00fcbt, ahnt auch Lily, dass ihre Tochter mehr als verzweifelt ist.<\/p>\n<p>Lily, das ist von Anfang an klar, ist eine sehr komplizierte, extrem streitbare Figur. Ihr Mann Schaul liebt sie und ertr\u00e4gt wie durch ein Wunder alle ihre hysterischen, zornigen Ausbr\u00fcche. Elija ist ein Papakind, denn die Mutter konnte sich der Tochter nicht n\u00e4hern. Lily verbietet der Tochter jeglichen Kontakt zu anderen Kindern, unterbindet auch Schauls Besuche bei den Eltern und Verwandten und wenn sie mit ihrer Familie spricht, dann kann sie nur im Befehlston kommunizieren. Sie verbringt ihre Zeit lieber am Grab ihres verstorbenen ersten Kindes. Dessen fr\u00fcher Tod liegt wie ein Schatten \u00fcber Elijas Leben.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt Sarit Yishai-Levi zuerst aus der Perspektive von Elija, so \u00e4ndert sich nun der Blickwinkel und wendet sich Lilys Leben zu. Niemand darf wissen, dass Lily ein Findelkind ist. Aufgewachsen ist sie einsam und verlassen im katholischen Kloster. Hier erf\u00e4hrt sie von ihrer j\u00fcdischen Herkunft, flieht und lebt als Stra\u00dfenkind bis sie wieder in ein Heim kommt und dann sp\u00e4ter Schaul kennenlernt. V\u00f6llig h\u00f6rig und abh\u00e4ngig von einer arabischen Wahrsagerin kann Lily kein eigenes Leben f\u00fchren, obwohl ihr Mann alles f\u00fcr sie tut. Hart gegen sich und ihre Umwelt entwickelt sich Elijas Mutter zu einer egozentrischen Furie, nachdem ihr Kind gestorben ist. Schaul ist v\u00f6llig zerrissen zwischen seiner st\u00fcrmischen Tochter und seiner zornigen Frau.<\/p>\n<p>Der Leser ahnt, dass Lily v\u00f6llig traumatisiert nach dem emotional so schweren Verlust ihres ersten geliebten Kindes, gro\u00dfe Angst davor hatte, ihr zweites Kind wirklich zu lieben. Doch was dies f\u00fcr ein Kind bedeutet, keine f\u00fcrsorgliche Mutter zu haben, h\u00e4tte sie eigentlich wissen m\u00fcssen. Alles h\u00e4ngt mit dem Verlassensein zusammen, diesem nicht Wissen woher man kommt, wer die Eltern sind.<br \/>\nAuch Schauls Familie ( Familienmitglieder sind in Treblinka umgekommen. )  hasst Lily vom ersten Tag an, denn die junge Frau hat keine Familie. Niemand geht auf sie zu, au\u00dfer Schaul, der der Anker ihres Lebens ist.<\/p>\n<p>Wie sich Elija und Lily dann doch noch vers\u00f6hnen und einander verzeihen k\u00f6nnen und nach der Mutter von Lily suchen, liest sich bewegend und psychologisch \u00fcberzeugend. Alle Figuren sind plastisch dargestellt, widerspr\u00fcchlich in ihrem Handeln und doch so lebendig. Es ist das ewige Schweigen, das \u00fcber den Generationen liegt und niemandem hilft, ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p>Sarit Yishai-Levi hat einen umfangreichen Roman geschrieben, in dem auch das Meer und Tel Aviv eine Rolle spielen, aber auch die politisch angespannte Lage in Israel, das Zusammenleben der Juden, aber auch die Zeit, in der die Engl\u00e4nder in der Region stationiert waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sarit Yishai-Levi: Das Meeresblau von Tel Aviv, Aus dem Hebr\u00e4ischen von Ruth Achlama, Aufbau Verlag, Berlin 2021, 555 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-351-03822-9 \u201eMir war so klar wie der Umstand, dass die Sonne jetzt im Meer versank und die Erde sich um&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-meeresblau-von-tel-aviv\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3821","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3821","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3821"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3821\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3823,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3821\/revisions\/3823"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3821"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3821"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3821"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}