{"id":3805,"date":"2021-05-14T17:27:11","date_gmt":"2021-05-14T15:27:11","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3805"},"modified":"2022-04-01T16:35:52","modified_gmt":"2022-04-01T14:35:52","slug":"der-dunkle-sog-des-meeres","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-dunkle-sog-des-meeres\/","title":{"rendered":"DER DUNKLE SOG DES MEERES"},"content":{"rendered":"<p><strong>Roxanne Bouchard: Der dunkle Sog des Meeres, Aus dem Franz\u00f6sischen von Frank Weigand, Atrium Verlag, Z\u00fcrich 2021, 335 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-85535-113-8<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3855351139\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3855351139&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=dd2c1f92792456732f31ed3ac245b12e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3855351139&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eIch war w\u00fctend auf die Liebe, weil sie mich entt\u00e4uscht hatte, auf meine Mutter, weil sie davon gesegelt war, und auf meine Eltern, weil sie tot waren. Ich war w\u00fctend auf meine Arbeit, weil sie mich langweilte, auf meine Stadt, weil sie unpers\u00f6nlich war, auf mein Leben, weil es nicht meinen Tr\u00e4umen entsprach.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Catherine Day, eigentlich Catherine Garant, sucht 2007 nach einem Anker in ihrem Leben. Nichts erscheint ihr mehr erstrebenswert. Seit dem Tod der Eltern plagen sie Kreislaufprobleme und die Einsamkeit. Und seit sie diesen Brief von ihrer leiblichen Mutter, Marie Garant, erhalten hat, wei\u00df sie nicht, was sie machen soll. Catherine hatte eine gl\u00fcckliche Kindheit und Jugend und hat immer gewusst, dass sie adoptiert wurde. Ihre Eltern kannten Marie Garant. Die Dreiunddrei\u00dfigj\u00e4hrige entschlie\u00dft sich Montreal zu verlassen, um in die Region der Gasp\u00e9sie, dem Wohnort von Marie Garant, zu reisen.<br \/>\nAlles beginnt allerdings 1974. Der Leser wei\u00df, dass eine Frau auf einem Segelboot allein ein Kind geboren hat.<br \/>\nIm Fischerdorf angekommen, sp\u00fcrt die Ich-Erz\u00e4hlerin Catherine, dass Marie Garant von den Bewohnern des kleinen Ortes nicht gut angesehen ist. Die Fischer, au\u00dfer Cyrille Bernard, sprechen schlecht \u00fcber die attraktive und mutige Frau, die offensichtlich das Meer und das Segeln geliebt hat. Warum sie dieses Fernweh hatte und offensichtlich auch gern getrunken hat, wei\u00df niemand.<br \/>\nCatherine als Touristin soll lieber Achate am Strand suchen, so die Meinung der Leute im Dorf.<br \/>\nDoch dann wird eine Wasserleiche in einem Fischernetz geborgen und die Tote ist die sechzigj\u00e4hrige Marie, die mit ihrem Segelboot nach zwei Jahren zur\u00fcckgekehrt ist.<br \/>\nIn welchen Konstellationen die handelnden Personen zueinander geh\u00f6ren, kl\u00e4rt sich erst im Laufe der Handlung.<br \/>\nSergeant Joaquin Morales, der Ermittler aus Quebec, der an die Baie-des-Chaleurs neu in ein Haus gezogen ist, wird mit dem Fall betraut. Der zweiundf\u00fcnfzigj\u00e4hrige Polizist stammt urspr\u00fcnglich aus Mexiko, spricht aber fast akzentfrei Franz\u00f6sisch. War es nun ein Unfall oder ist Marie Garant get\u00f6tet worden?<br \/>\nNach und nach gewinnt der Leser einen Eindruck von den handelnden Figuren und der herben Landschaft. \u00dcber allem jedoch schwebt eine Melancholie. Morales \u00e4rgert sich, dass seine Frau, eine Bildhauerin, sich tagelang in Montreal Zeit l\u00e4sst und er mit dem Umzug allein dasteht. Er hadert mit seinem Alter, seinem Beruf und wei\u00df nicht so recht, warum er eigentlich von der Stadt in die Gasp\u00e9sie gezogen ist. Catherine ist deprimiert, denn sobald die Leiche identifiziert ist, und klar wird, dass sie die Tochter des Opfers ist, schl\u00e4gt ihr seltsamer Hass entgegen. Die Fischer lamentieren \u00fcber das leere Meer und der Pfarrer im Ort trinkt einfach zu viel.<br \/>\nDie M\u00e4nner im Ort haben alle eine Meinung zur Toten. Der todkranke Cyrille Bernard trauert um Marie. Sie hat nicht ihn, sondern zwei seiner Br\u00fcder geheiratet, die allerdings kurz nach den Hochzeiten dem Sog des Meeres zum Opfer gefallen sind. So bestimmt das Meer auch die Schicksale der Dorfbewohner.<br \/>\nMorales verheddert sich bei seinen Ermittlungen. Er wei\u00df zu wenig \u00fcber das Leben am Meer, die Leute, das Segelboot, die Tote.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Leute aus der Gasp\u00e9sie sagten nur, was sie sagen wollten.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Catherine fragt sich, wer nun eigentlich ihr leiblicher Vater ist.<br \/>\nRoxanne Bouchard zieht den Leser mit ihrer Art \u00fcber Land und Leute zu schreiben, sofort in den Roman hinein. Es sind schon eigenwillige Typen, die Fischer, aber auch die Indianer, wie sie von den Einheimischen genannt werden, die ebenfalls zum Fischen hinausfahren.<br \/>\nIm Perspektivenwechsel schaut die kanadische Autorin mal aus Catherines Sicht auf die Geschehnisse und mal aus der Sicht von Morales.<br \/>\nCatherine wird auf der Suche nach ihren Tr\u00e4umen nun mit dem Boot der Mutter, die sie nie gesprochen und gesehen hat, ebenfalls in See stechen.<\/p>\n<p>Im aufgew\u00fchlten Meer und in der ruppigen Landschaft spiegeln sich die Erwartungen, aber auch die Abgr\u00fcnde der unterschiedlichen Figuren. In immer neuen Varianten spielt die Autorin mit Meeresmetaphern und verkn\u00fcpft diese gekonnt mit der spannenden Handlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roxanne Bouchard: Der dunkle Sog des Meeres, Aus dem Franz\u00f6sischen von Frank Weigand, Atrium Verlag, Z\u00fcrich 2021, 335 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-85535-113-8 \u201eIch war w\u00fctend auf die Liebe, weil sie mich entt\u00e4uscht hatte, auf meine Mutter, weil sie davon gesegelt war,&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-dunkle-sog-des-meeres\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-3805","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-belletristik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3805","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3805"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3805\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4230,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3805\/revisions\/4230"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3805"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3805"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3805"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}