{"id":3721,"date":"2021-01-27T09:51:28","date_gmt":"2021-01-27T08:51:28","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3721"},"modified":"2021-01-27T09:51:28","modified_gmt":"2021-01-27T08:51:28","slug":"die-geschichte-eines-luegners","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-geschichte-eines-luegners\/","title":{"rendered":"DIE GESCHICHTE EINES L\u00dcGNERS"},"content":{"rendered":"<p><strong>John Boyne: Die Geschichte eines L\u00fcgners, Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch und Michael Schickenberg, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2021, 432 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-492-05963-3<\/strong><br \/>\n<code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B081B7VN3B\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B081B7VN3B&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=534b94e1e920f385c42e0b0718effc64\" rel=\"noopener noreferrer\"><img border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B081B7VN3B&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B081B7VN3B\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\"><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eMaurice klopfte mit dem Kugelschreiber auf den Tisch. Genau darum arbeitete er meistens von zu Hause aus und kam nur ein- oder zweimal die Woche ins B\u00fcro. Diese d\u00e4mlichen Autoren. Jahrelang hatte er sich danach gesehnt, in ihren Club aufgenommen zu werden, aber manchmal fand er sie einfach nur \u00e4tzend.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Seit der Pr\u00e4sidentschaft von Donald Trump ist das schamlose und \u00f6ffentliche L\u00fcgen salonf\u00e4hig geworden. Je l\u00e4nger Trump bei einer, wie alle Welt wei\u00df, verlogenen Aussage bleibt, um so glaubw\u00fcrdiger erscheint sie seinen Anh\u00e4ngern. Bei Autoren mag das nicht anders sein. Maurice Swift redet sich immer wieder ein, dass er nicht f\u00fcr seinen Betrug und seine L\u00fcgen verantwortlich sei. Alles, was er anderen Personen angetan hat, ob er nun ihre Ideen f\u00fcr Geschichten geklaut hat bis hin zum Diebstahl des geistigen Eigentums, d.h. ganze Romanmanuskripte, ist f\u00fcr ihn eigentlich deren eigene Schuld. Wenn der mittlerweile ber\u00fchmte Erich Ackermann 1988 ihm in seltsamer Zuneigung das Geheimnis seines Lebens erz\u00e4hlt, dann ist es doch nicht Maurice&#8216; Fehler, wenn er die Gelegenheit wahrnimmt und alles Geh\u00f6rte in seinem ersten fiktionalen Roman niederschreibt. Mag Ackermann ein gieriges Auge auf den durchtrainierten wie jungen K\u00f6rper des gut aussehenden Kellners namens Maurice im Hotel in Westberlin geworfen haben, ihn mit Hintergedanken zu seinem Assistenten gemacht haben, alles nicht Swifts Problem. Den \u00f6ffentlichkeitswirksamen Eklat einkalkuliert, freut sich jeder Verlag \u00fcber hohe Verkaufszahlen und wenn n\u00f6tig auch auf Kosten anderer.<br \/>\nSkrupellos strebt der aus einfachen Verh\u00e4ltnissen stammende egozentrische Maurice Swift eine Karriere als ber\u00fchmter Autor an. Mit seinem attraktiven Aussehen fesselt er homosexuelle, \u00e4ltere M\u00e4nner und hangelt sich durch deren Beziehungen und Kontakte nach oben. Nur Gore Vidal, der eigentlich selten an der Amalfik\u00fcste Besuch empfangen hat, vermag es hinter die Fassade des Empork\u00f6mmlings zu schauen. Nur er sagt dem L\u00fcgner auf den Kopf zu, was er von ihm h\u00e4lt.<br \/>\nAber alles prallt am \u00fcbersteigerten Selbstbewusstsein des Maurice Swift ab, der mit seinem Deb\u00fctroman f\u00fcr Furore sorgte und mit seinem zweiten Roman bei allen Kritiken durchf\u00e4llt.<br \/>\nDurch seine Ehe mit Edith, einer nicht unbekannten Autorin, versucht Maurice, sein zweites Lebensziel zu verwirklichen, er m\u00f6chte einen Sohn. Nach vier Fehlgeburten werden die Aussichten auf Nachwuchs immer aussichtsloser. Da Edith ihm kein Kind schenkt, vergreift er sich an ihrem Romanmanuskript und schreckt nicht davor zur\u00fcck, seine Ehefrau nach der Aufdeckung des geistigen Diebstahls die Treppe hinabzusto\u00dfen.<\/p>\n<p>John Boyne verfolgt seine Hauptfigur auch in den folgenden Lebensabschnitten, die weiterhin einen nach Aufmerksamkeit und Ruhm gierenden Mann zeigen. Eigenartig vorhersehbar sind alle Handlungen des Betr\u00fcgers, der vor nichts zur\u00fcckschreckt. Maurice schw\u00e4ngert ein italienisches Zimmerm\u00e4dchen und kauft ihr das Kind ab. Mit Daniel erf\u00fcllt sich nun sein Wunsch und doch stellt sich nicht die Zufriedenheit ein, die er sich mit einem Kind ertr\u00e4umt hatte. Im Alter von \u00fcber f\u00fcnfzig kann Swift durch seinen Alkoholkonsum kaum mehr zwischen Dichtung und Wahrheit unterscheiden. Spricht er von seiner eigenen Kreativit\u00e4t und der Qual bei der Suche nach einer guten Geschichte, dann wei\u00df der Leser, dass er wirres Zeug redet. Mag gerade die letzte Begegnung Swifts mit einem jungen Verehrer und Autor von Biografien doch allzu konstruiert sein, so wird \u00fcber den Plagiator und eiskalten M\u00f6rder doch ein Urteil gesprochen. Gelernt hat der gute Swift aus allem nichts und dar\u00fcber kann man l\u00e4cheln oder wirklich an der Welt verzweifeln.<\/p>\n<p>Mal aus der Sicht der Hauptfigur, dann wieder aus der Du-Perspektive Ediths, die ihren Ehemann im Blick hat, sein Verhalten beobachtet und letztendlich v\u00f6llig falsch einsch\u00e4tzt, erz\u00e4hlt John Boyne fesselnd und mit einem sarkastischen, nicht augenzwinkernden Blick in Richtung Literaturbetrieb.<br \/>\nMaurice Swift geht \u00fcber Leichen, um seinen Platz in der literarischen Welt immer wieder aufs Neue durch L\u00fcgen zu erobern. Schnell werden heutzutage neue Talente auf den Buchmarkt geschwemmt und genauso schnell sind die neuen Titel nach nur wenigen Wochen in der Ramschkiste, ohne im schlimmsten Fall je beachtet worden zu sein.<br \/>\nZwischen Autoren mit Klarnamen und erfundenen fiktiven Autoren hin- und herwechselnd bleibt die Handlung dieses Romans einfach spannend, vorausgesetzt man interessiert sich wirklich f\u00fcr die Schicksale von Autoren und Autorinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Boyne: Die Geschichte eines L\u00fcgners, Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch und Michael Schickenberg, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2021, 432 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-492-05963-3 \u201eMaurice klopfte mit dem Kugelschreiber auf den Tisch. 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