{"id":3704,"date":"2020-12-05T05:19:27","date_gmt":"2020-12-05T04:19:27","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3704"},"modified":"2020-12-05T05:19:27","modified_gmt":"2020-12-05T04:19:27","slug":"in-feiner-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/in-feiner-gesellschaft\/","title":{"rendered":"IN FEINER GESELLSCHAFT"},"content":{"rendered":"<p><strong>Barbara Pym: In feiner Gesellschaft, Aus dem Englischen von Sabine Roth, DuMont Buchverlag, K\u00f6ln 2020, 350 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-8321-8131-4<\/strong><\/p>\n<p><code><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3832181318\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3832181318&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=91f5783e6c6825ab2805a27644f2be50\" rel=\"noopener noreferrer\"><img border=\"0\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3832181318&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\"><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3832181318\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\"><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eDulcie bekam ein Gef\u00fchl der Unwirklichkeit, wie das bei Unterhaltungen mit ihren Nachbarn h\u00e4ufig der Fall war. Das war das Charmante an ihnen \u2013 dass sie so wenig in der heutigen Welt zu Hause schienen, sondern stattdessen im England der Zwanziger &#8211; oder im S\u00e3o Paulo der Neunzigerjahre.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Handlung des Romans \u201eIn feiner Gesellschaft\u201c f\u00fchrt den Leser wieder in die Zeiten zur\u00fcck, wo man beim \u00f6ffentlichen Vortrag noch rauchen durfte oder eine Adresse wie Telefonnummer im Telefonbuch einer Londoner Telefonzelle nachschlug. Man besuchte noch Bibliotheken, um zu recherchieren und eine Tasse Tee, aber das ist ja zeitlos, half in jeder noch so unm\u00f6glichen Situation. Die Rede ist von den guten 1950er Jahren, in denen Frauen wie Dulcie Mainwaring und Viola Stinz nicht im Hafen der Ehe gelandet sind, sondern als Assistentinnen f\u00fcr Autoren oder Verlage die Stichwortregister zusammenstellten oder als Korrektorinnen arbeiteten. Beide Frauen lernen sich auf einer Tagung kennen und k\u00f6nnten doch nicht unterschiedlicher sein. Dulcie wirkt etwas sch\u00fcchtern, scheint wenig aus ihrem \u00c4u\u00dferen zu machen und ist der <em>\u201eGutmensch\u201c<\/em>, der nie Nein sagen kann. Viola ist im Gegensatz dazu eher chaotisch, extrem unordentlich und vor allem  schert sie sich wenig um ihre Umwelt.<\/p>\n<p><em>\u201eViola hatte ihren Lippenstift gez\u00fcckt und trug ihn mit Verve auf, offenbar wild entschlossen, so wenig wie eine Dienstleisterin an den staubigeren R\u00e4ndern der akademischen Welt auszusehen wie nur irgend m\u00f6glich.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auf der besagten Tagung hat auch der attraktive Aylwin Forbes, Schriftsteller und Herausgeber einer literarischen Zeitschrift, seinen Auftritt. Viola hatte f\u00fcr ihn gearbeitet und offenbar kam es zu einer gewissen Ann\u00e4herung, der sie allerdings mehr Bedeutung beimisst als er. Viola wei\u00df, dass Forbes Frau ihn verlassen hat. Da Dulcies Freund Maurice die Verlobung aufgel\u00f6st hatte, wagt Dulcie \u00e4u\u00dferst vorsichtig einen Blick auf Forbes zu werfen. Sie erkundet, eine ihrer wirklichen St\u00e4rken, sein famili\u00e4res Umfeld und sie entdeckt, dass er gar nicht weit entfernt von ihrem Haus im besseren Teil von Kensington wohnt. Und Dulcie spioniert Forbes Frau hinterher und erkundet sogar, wo sein Bruder arbeitet und seine Mutter wohnt.<br \/>\nAls Viola \u00c4rger mit ihrer Vermieterin bekommt, bittet sie Dulcie um eine kurzzeitige Unterkunft. Bei Dulcie wohnt allerdings schon ihre achtzehnj\u00e4hrige Nichte Laurel. Dulcie hat Platz und ein gro\u00dfes Herz. Laurel missachtet, mag man es ihrem jungen Alter zuschreiben, den langweiligen Wohnort bei ihrer j\u00fcngferlichen Tante. Auch Viola betrachtet Dulcie nicht gerade mit Hochachtung.<\/p>\n<p><em>\u201eIn manchen Situationen tut es nur Whiskey pur, dachte Viola \u2026.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In diese Konstellation hinein platzen dann durch diverse Zuf\u00e4lle Aylwin Forbes und sogar Dulcies Ex-Verlobter. Aylwin Forbes, eitel und nicht gerade der j\u00fcngste mehr, aber von sich und seiner Ausstrahlung \u00fcberzeugt, wirft eher ein Auge auf die junge Laurel als auf Viola oder Dulcie. Maurice nutzt wie viele Leute scheinheilig Dulcies Gutm\u00fctigkeit aus, aber das braucht die Anfang Drei\u00dfigj\u00e4hrige ja, Menschen, denen sie Gutes tun kann.<br \/>\nDer Roman, ver\u00f6ffentlicht 1961 von der vor vierzig Jahren verstorbenen und untersch\u00e4tzten Autorin, unterh\u00e4lt nicht durch seine tiefgr\u00fcndige, spannende Handlung, sondern durch den leicht ironischen Erz\u00e4hlton, den feinen englischen Humor in den Dialogen oder inneren Monologen und seinen besonderen Blick auf die Protagonisten. Auch wenn sich die Zeiten ver\u00e4ndert haben, eine Dulcie, eine Viola oder einen Aylwin k\u00f6nnte man auch heute in jeder Gesellschaft antreffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barbara Pym: In feiner Gesellschaft, Aus dem Englischen von Sabine Roth, DuMont Buchverlag, K\u00f6ln 2020, 350 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-8321-8131-4 \u201eDulcie bekam ein Gef\u00fchl der Unwirklichkeit, wie das bei Unterhaltungen mit ihren Nachbarn h\u00e4ufig der Fall war. 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