{"id":3655,"date":"2020-11-09T11:53:58","date_gmt":"2020-11-09T10:53:58","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3655"},"modified":"2020-11-09T11:53:58","modified_gmt":"2020-11-09T10:53:58","slug":"jakobs-schweigen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/jakobs-schweigen\/","title":{"rendered":"JAKOBS SCHWEIGEN"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anja Goerz: Jakobs Schweigen, Deutscher Taschenbuch Verlag premium, M\u00fcnchen 2020, 301 Seiten, \u20ac15,90, 978-3-423-26258-3<\/strong><br \/>\n<code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423262583\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3423262583&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=d1a87a4a9d49dde2be174aec5b896a0e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3423262583&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3423262583\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p><em>\u201e Der Mann war tot.<br \/>\nDer Sohn war tot.<br \/>\nDie Tochter eine einzige alkoholkranke Unzuverl\u00e4ssigkeit. Die nur bei ihr blieb, weil es so sch\u00f6n bequem war. Und wenig kostete.<br \/>\nDer Enkel des Mordes verd\u00e4chtigt.<br \/>\nDer Schwiegersohn hasste sie.<br \/>\nIhre Freunde w\u00fcrden sich von ihr abwenden.<br \/>\nWas blieb ihr da noch?\u201c <\/em><\/p>\n<p>Es sind immer wieder Polizeiberichte, die Autoren zu fiktionalen Krimihandlungen inspirieren. Keine Frage, die Nachricht 2014 vom Tod eines Notars im noblen Westend in Berlin, der von seinem 16-j\u00e4hrigen Sohn erschossen wurde, blieb in Erinnerung.<\/p>\n<p>Dora Ahlendorf kann nun endlich seit dem Tod ihres doch sehr konservativen Ehemannes ihren eigenen Interessen nachgehen. Sie pflegt einen Freundinnenkreis, geht in einen Lesezirkel und zum Schwimmen. Nach und nach will sie ihre Villa umgestalten. Die Jagdtroph\u00e4en ihres Mannes hat sie bereits entsorgt. Bremen ist keine gro\u00dfe Stadt und Doras Ehemann, der als Rechtsanwalt einen guten Ruf hatte, legte gr\u00f6\u00dften Wert zumindest nach au\u00dfen auf eine intakte Familie. Sohn Michael folgte dem Vater im Beruf und Tochter Kirstin studierte Medizin. Wie engherzig und diktatorisch auch seine Erziehung war, dass der Sohn homosexuell ist, konnte er nicht akzeptieren. Michael heiratet den modebewussten Journalisten David, sie lassen \u00fcber eine Leihmutter ein Kind austragen. Mit Jakob ist das Gl\u00fcck perfekt, allerdings ohne Gro\u00dfeltern. Zu Kirstin hat Michael kein gutes Verh\u00e4ltnis, zumal sie durch ihre Alkoholsucht langsam abst\u00fcrzt. Kirstin jedoch ist eifers\u00fcchtig auf den Bruder, der bei der Mutter, wie so oft, einen viel wichtigeren Platz einnimmt als die Tochter.<\/p>\n<p>Alles bricht zusammen, als Michael in seiner Kanzlei erschossen wird. Eine Zeugin hatte Jakob angeblich gesehen, als er zum Tatzeitpunkt die Kanzlei verlassen hat. Er ist der Hauptverd\u00e4chtige und schweigt, auch in der Untersuchungshaft. Dora kann es nicht fassen. Auch wenn ihr Ehemann seinen Enkel nie kennengelernt hat, hat Dora doch den Kontakt zu Michael und seiner Familie immer gesucht. Mit David jedoch hat sie sich nie verstanden. Dora ist \u00fcberzeugt davon, dass ihr Enkel niemals den Vater erschossen hat.<br \/>\nDoch was hat sich wirklich im Innern der Kleinfamilie abgespielt? Hatten David und Michael doch mehr Probleme als sie wirklich wahr haben wollten? Wie schlecht war das Verh\u00e4ltnis von Michael und Jakob? Als Kind einer homosexuellen Beziehung wurde Jakob an seiner Schule nicht direkt ausgeschlossen, aber einen richtig guten Freund hat er nie gefunden. Eine Freundin schon. Lilly.<\/p>\n<p>Aus unterschiedlichen Perspektiven, mal aus der von Dora, dann wieder Davids aber auch Jakobs Sicht, erz\u00e4hlt Anja Goerz von den Konflikten in der Familie.<\/p>\n<p>Auf kursiv gekennzeichneten Seiten blickt die Autorin in die Vergangenheit zur\u00fcck. In kurzen Szenen wird klar, welchen Leistungsdruck Michael auf seinen Sohn aus\u00fcbt. Seine Erwartungen sind immens. Ohne es wirklich zu registrieren, klingt Michael genau so unbarmherzig und erzkonservativ wie sein Vater. David, der verst\u00e4ndnisvollere von beiden, kann vieles abfedern. Michael erwartet exzellente schulische Noten und unterbindet alles, was Jakob Freude machen k\u00f6nnte. Er sperrt das Konto des Jungen und fordert Lilly auf, sich von seinem Sohn fernzuhalten. Als die ahnungslose Dora ihren Enkel einmal gefragt hat, was er sich w\u00fcnscht, war die Antwort: eine Wohnung. Der offenbar auch psychopathische Vater scheint all seinen Frust \u00fcber den unbest\u00e4ndigen und Luxus orientierten Lebenspartner, seine eigenen Arbeitsbelastungen und die peinliche Schwester auf den Sohn zu \u00fcbertragen. Warum interessiert sich Michael so wenig f\u00fcr seinen Sohn? Warum wiederholt er die Verhaltensmuster seines doch nicht gerade geliebten Vaters? Welche Zw\u00e4nge zerst\u00f6ren offensichtlich das Vater-Sohn-Verh\u00e4ltnis?<\/p>\n<p>Alle Probleme in der Familie kulminieren. Doch sind sie wirklich so stark, dass ein Sohn aus Hass und Wut nach einer Waffe, auch Michael ist wie der Vater J\u00e4ger, sucht und wirklich auf den Peiniger schie\u00dft? Steckt hinter der Tat vielleicht doch ein anderer Grund? Hat der Tod des Vaters mit seiner Arbeit als Rechtsanwalt zu tun?<\/p>\n<p>Durch den erinnerten einstigen Kriminalfall in Berlin ist die Spannung nicht sonderlich gro\u00df. Das WARUM ist daher eher von Interesse und hier scheint doch vieles zu konstruiert oder im wahren Leben eher anzutreffen, als man wirklich f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anja Goerz: Jakobs Schweigen, Deutscher Taschenbuch Verlag premium, M\u00fcnchen 2020, 301 Seiten, \u20ac15,90, 978-3-423-26258-3 \u201e Der Mann war tot. Der Sohn war tot. Die Tochter eine einzige alkoholkranke Unzuverl\u00e4ssigkeit. 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