{"id":3638,"date":"2020-11-09T10:20:38","date_gmt":"2020-11-09T09:20:38","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3638"},"modified":"2020-11-09T10:20:38","modified_gmt":"2020-11-09T09:20:38","slug":"homeland-elegien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/homeland-elegien\/","title":{"rendered":"HOMELAND ELEGIEN"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ayad Akhtar: Homeland Elegien, Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren, Claasen Verlag, Berlin 2020, 464 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-546-10014-4<\/strong><br \/>\n<code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/354610014X\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=354610014X&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=cf85fb8d0e36857181cb40650c88e090\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=354610014X&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=354610014X\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eJetzt war mir bewusst, was mir die ganze Zeit gefehlt hatte. Hier war echte Freiheit.<br \/>\nReichtum war der einzige Weg der Befreiung aus der Schuldknechtschaft, in der die Unter- und Mittelschicht im Amerika des 21. Jahrhunderts gehalten wurde.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Der erfolgreiche Dramatiker Ayad Akhtar, dessen St\u00fccke auf der ganzen Welt gespielt werden, begann ein Jahr nach Donald Trumps Machtantritt als Pr\u00e4sident seinen autofiktionalen Roman zu schreiben. Vieles scheint so echt, dass man nicht glauben kann, es sei ausgedacht. Und warum auch, denn Ayad Akhtar will ja vom wirklichen Dasein und seinen Gef\u00fchlen im Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten berichten.<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich geh\u00f6re zu den Schriftstellern, die Tatsachen verdrehen m\u00fcssen, um sie desto deutlicher sehen zu k\u00f6nnen, und ich bin dieser Neigung auch hier gefolgt. Dies ist ein Roman.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Geboren in den USA ist der Autor Amerikaner. Doch im Laufe des Erz\u00e4hlens fragt sich Ayad Akhtar, gerade auch nach den Angriffen auf das World Trade Center, warum er sich auch Jahre sp\u00e4ter nie als Amerikaner f\u00fchlt. Immer wieder darauf angesprochen, woher er den stamme, beginnt sich ein Gedankenkarussel im Kopf des Autors zu drehen. Und das hat seinen Grund. Als die T\u00fcrme des World Trade Center einst\u00fcrzen, stellt er sich sofort zum Blutspenden an, er lebt in New York. Doch in der Schlange vor ihm steht ein Mann, der zu ihm sagt: <em>\u201eWir wollen dein arabisches Blut nicht.\u201c<\/em><br \/>\nGeschockt von dieser Aussage tr\u00e4gt er monatelang an einer Kette ein Kreuz, um sich nicht als Moslem zu outen. Auch sp\u00e4ter \u00e4ndert sich nichts. So behauptet er eher, seine Eltern seien aus Indien und nicht aus Pakistan. Sagt er, sein Vorname sei aus dem \u00c4gyptischen, sind die Gespr\u00e4chspartner ganz schnell bei Mohammed Atta, einem der Flugzeugentf\u00fchrer von 9 \/ 11, der \u00c4gypter war. In einem Gespr\u00e4ch mit einem freundlichen Officer in Scranton sp\u00fcrt Ayad Akhtar, sein Auto hat seinen Geist aufgegeben, eine latente Feindlichkeit, die gar nicht vorhanden ist.<\/p>\n<p><em>\u201eOffenbar haben Sie sich nicht t\u00e4glich damit herumschlagen m\u00fcssen, nicht als B\u00fcrger eines Staates, sondern als sein Feind wahrgenommen und behandelt zu werden.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Ayad Akhtar wurde 1970 in New York geboren, seine Eltern sind aus Pakistan in die USA ausgewandert. Beide Eltern, nicht praktizierende Moslems, konnten in den USA arbeiten, erhielten eine Wohnung und die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung. Als Ayads Vater sogar f\u00fcr kurze Zeit lang vor der politischen Karriere von Donald Trump ihn behandelte, entstand eine unerkl\u00e4rliche Bewunderung f\u00fcr den Million\u00e4r. Es war bekannt, dass er Schulden angeh\u00e4uft hatte, es war bekannt, dass er wieder Geld scheffelte. Nicht klar ist, ob Ayads Vater diesen Mann sogar 2016 zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt hat. Zugestehen muss man ihm, dass Ayads Vater im Laufe seiner Amtsf\u00fchrung schon Zweifel an dieser seltsamen Bewunderung kamen.<\/p>\n<p>Ayad Akhtar erz\u00e4hlt nicht durchgehend chronologisch. Er wandert mit seinen Gedanken jedoch zu Schicksalsschl\u00e4gen, die seine Familie verkraften musste. Der Autor versucht das Private mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu verbinden um zu erkl\u00e4ren, warum die USA zu dem geworden ist, was sie jetzt von au\u00dfen her darstellt. Als Autor nicht gerade Gro\u00dfverdiener und zeitweilig noch finanziell vom Vater abh\u00e4ngig, steigt er durch die Bekanntschaft mit einem Hedgefonds-Eigner zu Reichtum auf. Berichtet wird von einem Freund des Vaters, Latif Awan, ebenfalls Arzt und Moslem aus Pakistan, der in den USA gelebt hat. Sein Weg jedoch f\u00fchrte ihn nicht, wie Ayads Vater zum Gelde hin, sondern wieder zur\u00fcck in die Heimat. Mit den Jahren wurde er immer religi\u00f6ser und erwartete die Hinwendung zum Islam auch von seiner Familie. Erschossen wurde er von Leuten der CIA. Hier taucht der Autor in essayistischen Exkursen tief in die Beziehungen von USA, Pakistan und Afghanistan ein.<br \/>\nDass Ayads Vater gerade auch nach dem Tod der Mutter immer mehr dem Alkohol verf\u00e4llt und sogar eine Geliebte \u00fcber Jahre hatte, ersch\u00fcttert den Sohn. Resigniert sp\u00fcrt der Vater, dass er in dem von ihm bewunderten Amerika nie angekommen ist.<\/p>\n<p>Ayad Akhtar ist ein leidenschaftlicher Beobachter und Schreiber, der laut seinen Aufzeichnungen alle m\u00f6glichen Dialoge und Aussagen der Menschen in seiner Umgebung festh\u00e4lt. Sogar ein Satz seiner Mutter, mag es stimmen oder nicht, war Ausgangspunkt f\u00fcr eines seiner erfolgreichsten St\u00fccke.<\/p>\n<p>Sein Buch ist keine leichte Kost, denn der Text ist mal episodisch, dann wieder essayistisch und dann wieder herzzerrei\u00dfend traurig.<br \/>\nEin Gewinn ist er ohne Frage, wenn man sich wirklich mit den USA, seiner Einwandererpolitik und den aktuellen Fragen rund um Donald Trump auseinandersetzen m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ayad Akhtar: Homeland Elegien, Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren, Claasen Verlag, Berlin 2020, 464 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-546-10014-4 \u201eJetzt war mir bewusst, was mir die ganze Zeit gefehlt hatte. Hier war echte Freiheit. 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