{"id":3567,"date":"2020-10-03T07:30:04","date_gmt":"2020-10-03T05:30:04","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3567"},"modified":"2020-10-03T07:30:04","modified_gmt":"2020-10-03T05:30:04","slug":"der-weisse-abgrund-ein-heinrich-heine-roman","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-weisse-abgrund-ein-heinrich-heine-roman\/","title":{"rendered":"DER WEISSE ABGRUND &#8211; EIN HEINRICH &#8211; HEINE &#8211; ROMAN"},"content":{"rendered":"<p><strong>Henning Bo\u00ebtius: Der wei\u00dfe Abgrund &#8211; Ein Heinrich-Heine-Roman, btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House, M\u00fcnchen 2020, 192 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-442-75076-4<\/strong><br \/>\n<em><br \/>\n\u201eDas Schlimmste aber ist eine andere Halbheit, die ihn qu\u00e4lt: nicht richtig leben zu k\u00f6nnen und nicht sterben zu d\u00fcrfen. M\u00fcde zu sein und nicht schlafen zu k\u00f6nnen. (\u2026) Das Einzige, was ihm ein wenig hilft, ist das Verfertigen von Reimen.\u201c <\/em><br \/>\n<code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3442750768\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3442750768&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=19f1012cfc2416064194a82665458a32\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3442750768&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3442750768\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p>Henning Bo\u00ebtius hat bereits \u00fcber den alten von Goethe und Heinrich von Kleist geschrieben, nun widmet sich der achtzigj\u00e4hrige Berliner Autor dem sterbenden Heinrich Heine, der sich selbst als <em>\u201eder lebende Leichnam\u201c<\/em> bezeichnete, in seiner Matratzengruft in Paris. 1854, ein Jahr vor seinem Tod, bezieht der kranke Dichter mit seiner matronenhaften Mathilde eine gr\u00f6\u00dfere Wohnung. Seine ungebildete, sehr lebensfrohe Ehefrau, die ihren Papageien scheinbar mehr Beachtung schenkt als ihrem Mann, spricht dem Essen und Trinken mehr zu als geistigem Austausch. Man sagt, sie habe nie gewusst, mit wem sie da eigentlich verheiratet ist.<br \/>\nF\u00fcr Leser, die mit Heinrich Heines Leben und Werk vertraut sind, m\u00f6gen diese Details aus seinem Leben nicht neu sein. Aber Henning Bo\u00ebtius erz\u00e4hlt so unterhaltsam und bildreich, dass man zu gern, an Heines Seite und in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts bleibt und einen Blick in seine Jahre in Paris wirft. Und so springt der Autor zu Beginn auch in den Zeiten hin und her und konzentriert sich dann letztendlich doch auf den Niedergang von Heines leiblichen Kr\u00e4ften. Sein Arzt, David Gruby, ebenfalls Jude und ein Mensch mit wissenschaftlichem Verstand, ist Heine durchaus sympathisch. Gruby versucht, die Leiden des Dichters so gut wie m\u00f6glich zu minimieren, indem er solche Prozeduren wie den allseits beliebten Aderlass unterl\u00e4sst. So verwundert den Arzt, auch \u00fcber den Tod des Dichters hinaus, dass Heine angeblich an Syphilis erkrankt sei. Die Erfahrung besagt, dass zum Nachlassen der Sehf\u00e4higkeit bei diesem Krankheitsbild auch das Gehirn nicht mehr klar arbeiten kann. Seine Diagnose lautet eher Bleivergiftung, die er jedoch nie beweisen konnte.<br \/>\nEinf\u00fchlsam versucht Henning Bo\u00ebtius sich in den bettl\u00e4gerigen, extrem anspruchsvollen, wie ger\u00e4uschempfindlichen Heinrich Heine hineinzuversetzen. Die Salons der Gro\u00dfstadt Paris sind ihm l\u00e4ngst verwehrt, aber er kann immer noch in seiner Wohnung empfangen. So n\u00e4hert sich ihm auch eine Bewunderin, die er Mouche nennen wird. Sie unterzeichnet mit Elise Krinitz ihre \u00fcberschw\u00e4nglichen Liebesbriefe und hofft, durch Heines Protektion sich als Autorin einen Namen machen zu k\u00f6nnen. Ihr Kompagnon, ein gewisser Alfred Mei\u00dfner, n\u00e4hert sich ebenfalls dem ungesch\u00fctzten Dichter, um dessen Memoiren, an denen er angeblich arbeitete, dem sogenannten Opus Magnum, habhaft zu werden.<br \/>\nNeben diesen Episoden aus Heines Leben schaut Henning Bo\u00ebtius auch aus Heines Fenster, um von den Bauarbeiten zu Zeiten von Napoleon III. zu berichten. Er streift durch die Salons und sinniert \u00fcber Heines Abkehr von revolution\u00e4ren Ideen.<br \/>\nIn vielen Passagen verzichtet Bo\u00ebtius auf lange Dialoge, zitiert auch nicht nur allzu Bekanntes, sondern konzentriert sich eher aufs Erz\u00e4hlen und Beschreiben und das in einer poetischen, wie bildreichen Sprache. Zwischen der Trauer um den Verlust, Heine, der sich den <em>\u201eentlaufenen Romantiker\u201c<\/em> nannte, wird nicht mal sechzig Jahre alt, dr\u00e4ngt sich auch immer der wache Geist des genialen Dichters.<\/p>\n<p><em>\u201eUnd die armen G\u00f6tter, oben im Himmel<br \/>\nWandeln sie, qualvoll,<br \/>\nTrostlos unendliche Bahnen,<br \/>\nUnd k\u00f6nnen nicht sterben,<br \/>\nUnd schleppen mit sich<br \/>\nIhr sterbliches Elend.-<br \/>\nIch aber, der Mensch,<br \/>\nDer niedriggepflanzte, der Tod-begl\u00fcckte,<br \/>\nIch klage nicht l\u00e4nger.\u201c <\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Henning Bo\u00ebtius: Der wei\u00dfe Abgrund &#8211; Ein Heinrich-Heine-Roman, btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House, M\u00fcnchen 2020, 192 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-442-75076-4 \u201eDas Schlimmste aber ist eine andere Halbheit, die ihn qu\u00e4lt: nicht richtig leben zu k\u00f6nnen und nicht sterben zu&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-weisse-abgrund-ein-heinrich-heine-roman\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3567"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3567"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3567\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3569,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3567\/revisions\/3569"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}