{"id":3560,"date":"2020-09-30T12:04:35","date_gmt":"2020-09-30T10:04:35","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3560"},"modified":"2020-09-30T12:04:35","modified_gmt":"2020-09-30T10:04:35","slug":"nach-dem-feuer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/nach-dem-feuer\/","title":{"rendered":"NACH DEM FEUER"},"content":{"rendered":"<p><strong>Petra Hammesfahr: Nach dem Feuer, Diana Verlag in der Verlagsgruppe Randomhouse, M\u00fcnchen 2020, 464 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-453-29243-7<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/345329243X\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=345329243X&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=57cbb8ce7b93a4b49ecbcd1b138bc287\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=345329243X&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=345329243X\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>\u201eLea hatte es geschafft, war der Zecke entkommen. Es war nicht um Blut gegangen, nur um Geld. Mit dem Begreifen verschwand das Unbehagen beim Gedanken an Mama. Stattdessen empfand er etwas wie Zufriedenheit, vielleicht sogar Stolz, weil er Papa den Gefallen getan und es \u00fcbernommen hatte.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Um es gleich vorwegzunehmen, der Einstieg in diese Geschichte f\u00e4llt ungeheuer schwer, da Petra Hammesfahr st\u00e4ndig in den Zeiten vor und nach dem Feuer hin und her wechselt und von Personen berichtet, die man der bisherigen Handlung nicht zuordnen kann. Erz\u00e4hltechnik und Struktur sind durchschaubar. Die versierte Autorin will Spannung aufbauen, denn immer endet die erz\u00e4hlte Passage mit einem Cliffhanger. Wenn man allerdings bei der hohen Personenanzahl nicht mehr durchsieht und nicht wei\u00df, wohin f\u00fchren die detaillierten Ausf\u00fchrungen, ist es schwer durchzuhalten. Doch, dem Leser sei gesagt, das Dranbleiben lohnt sich auf jeden Fall, denn nicht die geldgierige und absolut kalte Serienm\u00f6rderin steht im Mittelpunkt, sondern das Familiendrama rund um einen Jungen, dem niemand geholfen hat.<\/p>\n<p>Nah an der Grenze zu den Niederlanden in einer Deponie brennt in einem hei\u00dfen Sommer ein Wohnwagen aus. Ein f\u00fcnfzehnj\u00e4hriger Junge kann sich aus den Flammen retten. Eigentlich wollte er, der wie \u201eein angekokelter Waldschrat\u201c aussieht und starke Verbrennungen an den H\u00e4nden hat, noch seine Freunde aus dem Feuer holen, aber eine Polizistin kann ihn zur\u00fcckhalten. Sp\u00e4ter wird sich herausstellen, die Freunde sind Plastikfiguren. Im Wohnwagen jedoch wird auch eine Leiche geborgen.<br \/>\nVerschiedene erfahrene, aber auch unsichere Ermittler werden sich mit dem Fall besch\u00e4ftigen, denn offenbar, und der Zufall spielt in diesem Krimi auch eine Rolle, hat eine Serienm\u00f6rderin die Finger im Spiel. Sie kennt den seltsamen Jungen. Er ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Auf der Suche nach seinem Opa Bernd, die Mutter hat ihn nach acht Jahren Funkstille angeblich zu ihm losgeschickt, ist er im Wohnmobil gelandet.<br \/>\nNiemandem will der Junge seinen Namen sagen. Kommt die innere Stimme des Jungen zu Wort, dann fantasiert das Kind von seiner Mutter und einem schrecklichen Geschehnis. Der Jugendliche wurde gemobbt, misshandelt, ist oft wie im Tran, hat angeblich aggressive Sch\u00fcbe, verletzt dann sich und andere. Geistig ist er auf dem Stand eines Siebenj\u00e4hrigen, aber organisch v\u00f6llig gesund und auch nicht behindert. Seit der Vater ihn verlassen hat, scheint er in seiner Entwicklung gebremst. Im Krankenhaus wird man von dissoziativer Identit\u00e4tsst\u00f6rung sprechen. Es f\u00e4llt dem Jungen schwer, zwischen Fiktion und Realit\u00e4t zu unterscheiden. Doch dies ist nicht die ganze Wahrheit.<\/p>\n<p>Aus der R\u00fcckblende erf\u00e4hrt der Leser st\u00fcckweise einiges \u00fcber Robin, den liebevollen aber schwachen Vater des Jungen. In den Passagen, die auch mal etwas chronologisch erz\u00e4hlen, beginnt man sich langsam mit der Geschichte wohlzuf\u00fchlen. Personen geben Informationen preis und ein erschreckendes Familiendrama kommt langsam zum Vorschein.<\/p>\n<p>Tosca Lackner, die Mutter des Jungen, der David hei\u00dft, wurde auf perfide Weise get\u00f6tet. Sie wurde nicht nur gepf\u00e4hlt, sondern auch gek\u00f6pft. Nicht klar ist, ob die Vampirsymbolik eine Rolle spielt oder einfach nur ein krankes Hirn sich vergangen hat. Dass Tosca eine Blutsaugerin war, wird in immer neuen Variationen am Beispiel der Ehe mit Robin verdeutlicht. Als Narzisstin und Egomanin l\u00fcgt sie ununterbrochen, sieht sich selbst immer in der Opferrolle. Jedem in ihrer N\u00e4he schiebt sie gnadenlos die Schuld, an was auch immer, in die Schuhe und macht nicht halt vor ihren kleinen Kindern. Von Tag Eins der Ehe an ist Robin belastet, finanziell und emotional, denn Tosca findet viele Ausreden, um nicht zu arbeiten und doch Wahnsinnsanspr\u00fcche zu stellen.<br \/>\nHatte sie es doch geschafft, dass sich Robin gegen seine Eltern stellte. Robin hat seine Frau als Zecke bezeichnet, die er auch nach der Scheidung nicht absch\u00fctteln konnte. So redete Tosca ihrer \u00e4lteren Tochter Lea ein, dass der Vater ein <em>\u201eKinderficker\u201c<\/em> sei, als sie ihre Forderungen nicht durchdr\u00fccken konnte. Tosca, die in ihrer Gier hoch gestiegen ist, um tief zu fallen, lebte am Ende von Arbeitslosenhilfe II und der Idee, \u00fcber einen Mann wieder an Geld zu gelangen.<br \/>\nDavid hat die Familie seines Vaters nie wirklich kennengelernt und doch war er auf der Suche nach seinen Erinnerungen, die mehr als verschwommen sind. David, der angeblich behinderte Sohn, kann aus dem Ged\u00e4chtnis pr\u00e4zise zeichnen. Vielleicht eine Hilfe f\u00fcr die Polizei, die lange im Dunkeln tappt.<\/p>\n<p>Petra Hammesfahr taucht tief in die Familienstruktur der Lackners ein. Schuldig geworden sind sie alle, denn niemand, nicht der schwache Vater, nicht die oft bestimmende Oma Luzie, auch nicht der stille Gro\u00dfvater Bernd haben sich wirklich um David gesorgt. Ihm konnte die Mutter alles einreden, was sie wollte, ihn als Spielball gegen die verhasste Familie des Vaters missbrauchen.<\/p>\n<p>Der zweite Teil des Romans haut den Leser wirklich um und vers\u00f6hnt mit dem holprigen Anfang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petra Hammesfahr: Nach dem Feuer, Diana Verlag in der Verlagsgruppe Randomhouse, M\u00fcnchen 2020, 464 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-453-29243-7 \u201eLea hatte es geschafft, war der Zecke entkommen. Es war nicht um Blut gegangen, nur um Geld. 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