{"id":3526,"date":"2020-09-27T11:27:22","date_gmt":"2020-09-27T09:27:22","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3526"},"modified":"2020-09-27T11:27:22","modified_gmt":"2020-09-27T09:27:22","slug":"stillstandsturm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/stillstandsturm\/","title":{"rendered":"STILLSTANDSTURM"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ursula M\u00e4rz, Stephan Lebert: Stillstandsturm, Briefe aus dem Lockdown, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2020, 272 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-492-07078-2<\/strong><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B089KQZFXZ\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B089KQZFXZ&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=2fc0402aa138ee7bb62b33626e623fb9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B089KQZFXZ&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B089KQZFXZ\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eIch bin einfach nicht bereit, die Corona-Phase in einer Art Wartezustand zu verbringen. Warten darauf, dass das Unnormale endet und das Normale wiederkehrt \u2013 wenn es wiederkehrt. Das hat ganz simpel auch mit Lebenszeit zu tun.\u201c ( Ursula M\u00e4rz ) <\/em><\/p>\n<p>Zwei Journalisten beginnen am 18. M\u00e4rz 2020, zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Leute bereits nicht mehr an ihren Arbeitspl\u00e4tzen, einen E-Mail Austausch. Er endet am 16. Mai.<\/p>\n<p><em>Betreff: Auf Sicht fahren<\/em><\/p>\n<p>Ursula M\u00e4rz ist eine bekannte Literaturkritikerin ( Zeit,<\/p>\n<p>Deutschlandfunk Kultur u.a. ), die sich zuletzt mit ihrem erfolgreichen sehr unterhaltsamen autobiografischen Deb\u00fctroman \u201eTante Martel\u201c (Piper Verlag ) dem Alltagsleben zugewandt hatte. Stephan Lebert entstammt einer Familie von Journalisten. Er arbeitet als Redakteur bei der Zeit. Bei dem Namen Lebert denkt man unwillk\u00fcrlich an seinen Neffen Benjamin oder an seinen Bruder Andreas.<\/p>\n<p>Das Gute an diesem lebendigen Austausch, in dem es immer um die unmittelbaren Tagesereignisse in einer Zeit drehen, in der niemand so richtig wusste, wie es nun weitergeht, ist die Zeugenschaft, die Chronologie der ganz klar unfassbaren wie einmaligen Ereignisse. Wer hat wann eine Rede gehalten, was wurde offiziell beschlossen, wie hat man sich im \u00f6ffentlichen Raum zu bewegen. Weder Ursula M\u00e4rz noch Stephan Lebert geben dem ganzen einen philosophischen Rahmen oder eine Bewertung. Sie schreiben nicht mit dem Gef\u00fchl, das soll ja mal ein Buch werden. Sicher gibt es hinsichtlich des Privaten sicher eine Eigenzensur und doch erf\u00e4hrt der Leser auch vieles aus dem Alltagsleben der, und das muss man nun wirklich sagen, in der Corona-Zeit unfreiwillig privilegierten Journalisten.<\/p>\n<p>Ursula M\u00e4rz ist es sowieso gewohnt, zu Hause zu arbeiten und \u00fcber Strecken mit sich allein klarkommen zu m\u00fcssen. Und Stephan Lebert kann auch ohne gro\u00dfe Konflikte ins Homeoffice wechseln. Hier fehlt den beiden, aber das kann man ihnen nicht ankreiden, das existentielle Moment. Sie bangen nicht um ihren Arbeitsplatz. Es scheint eher zu sein, als w\u00fcrden sie auch mit Freude das Neue beobachten und ein bisschen sezieren. So steht Ursula M\u00e4rz auf ihrem Balkon und beklatscht diejenigen, die sich nicht ins Private zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen. Sie spricht vielen Lesern aus dem Herzen, wenn sie als Lekt\u00fcreempfehlung nicht \u201eDie Pest\u201c erw\u00e4hnt, sondern die wunderbaren Romane von Elizabeth Stroud. Und so berichtet Ursula M\u00e4rz weniger von ihrer Arbeit, zu Beginn hat sie gar keine Ruhe zum Lesen, sondern eher vom Virus bedingten Zusammenleben mit ihrer erwachsenen Tochter, den Ausfl\u00fcgen an den Schlachtensee, den Besuchen beim Bruder, ihrer Lieblingssendung im Fernsehen und dem Versagen der Technik, ein Fiasko gerade in dieser Zeit. Spannend ist ihr Blick, auch aus der Distanz einer 63-J\u00e4hrigen, auf das Arbeitsleben in ihrer Zunft, wobei Stephan Lebert ein verst\u00e4ndiger Leser ist. Er offenbart ebenfalls einiges, was ihm fehlt. So kann er nicht mehr auf die Rennbahn gehen, muss eine Therapie unterbrechen, erz\u00e4hlt von seinem wortkargen Stiefsohn, der sein Abitur unter diesen schwierigen Bedingungen ablegen muss.<br \/>\nGeschichten werden ausgetauscht, u.a. \u00fcber Begegnungen mit Peter Handke, die mal mehr mal weniger interessant sind.<\/p>\n<p>Beim Lesen erwischt man sich dann bei seinen eigenen Gedanken. Wie hatte man selbst \u00fcber die aufgezwungenen Ver\u00e4nderungen gedacht? Glaubte man wirklich, im Sommer ist alles vorbei?\u00a0 Jetzt aus dem R\u00fcckblick heraus wei\u00df man, nichts ist vorbei, ganz im Gegenteil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ursula M\u00e4rz, Stephan Lebert: Stillstandsturm, Briefe aus dem Lockdown, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2020, 272 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-492-07078-2 \u201eIch bin einfach nicht bereit, die Corona-Phase in einer Art Wartezustand zu verbringen. 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